Cagliari (Museen)

  • Posted on: 27 June 2017
  • By: lenel

27.06.2017 Cagliari (Museen)
Heute ist Dienstag, das sind die Museen wieder offen. Ich laufe durch das ehemalige Ghetto degli Ebrei – es wurde von den Spaniern nichts mehr übrig gelassen – zum archäologischen Museum „Museo Archeologico Nazionale”. Es beginnt mit dem Tophet von Tarros, einem Begräbnisplatz für Babies und Totgeburten. Interessant sind die neusteinzeitlichen Statuen von Göttinnen. Es hat auch kreuzförmige Varianten und solche mit henkelartigen Armen. Erstaunlich ist, wieviele Bronzefiguren aus der Nuraghenzeit gefunden wurden. Sie wurden mit der verlorenen-Wachs-Technik gegossen. Auch Votivschiffe wurden schon damals aus Bronze hergestellt. Die Bronzebarren scheinen aus Zypern zu stammen. Eine Goldfolie mit eingravierten ägyptischen Gottheiten und einer punischen Inschrift zeigt, dass hier alle Religionen einen Schmelztiegel fanden. Es gibt auch phönizischen und punischen Schmuck. Das „sardonische Lächeln“ verdankt seinen Namen den punischen „atropopäischen Masken“, die im 6.-4. Jhdt. v. Chr. hier hergestellt wurden. Auch viele römische Fundstücke sind zu sehen, zum Beispiel eine Büste von Nero (54-59 AD), eine Statue des Gnomengottes Bes oder den Sarg der vier Jahreszeiten. Ganz eigen sind die grossen Steinstatuen von nuraghischen Kriegern, die auf Mont'e Prama. In der Laguna di Santa Gilla wurden 1891 zahlreiche Votivstücke gefunden, so Hände und Köpfe. Aus einem versunkenen Schiff vor Cala Sinzias wurden Dachziegel geborgen. Einige Funde stammen auch aus der versunkenen Stadt Bithia und aus Nora. Von dort ist inbesondere die beschriftete Stele erwähnenswert. Auf dem Mont’e Prama wurden auch Baetyls gefunden, das leitet sich vom semitischen Beit-El ab. Hier handelt es sich lediglich um Steinzylinder. In einem weiteren Gebäude gibt es eine Ausstellung „Tessuti Sardi, dalla tradizione all moderna”. Es werden zahlreiche Gewebe ausgestellt, die hauptsächlich zum Abdecken von Betten und Truhen verwendet wurden. Ich laufe den halben Weg in die Stadt hinunter und nehme ein rasches und günstiges Mittagessen. Dann kehre ich in die Citadella dei Musei zurück und besuche die Pinacoteca Nazionale. Die Sammlung ist sehr klein und umfasst hauptsächlich Sakralkunst. Erwähnenswert sind Rafael Thomas/Joan Figuera, Retablo di S. Bernardino (1455), Filippo Figari, Allegoria delle fede sarda (1954). Ins Museum integriert wurden alte Fundamente der früheren Befestigungen des Hügels. Schliesslich besuche ich noch nebenan das Museo Etnografico Regionale, mit der Collezione Luigi Cocco. Hier gibt es noch einmal Gewebe und Silberschmuck zu sehen. Von der Zitadelle laufe ich gegen Osten, komme am Centro Comunale d'Arte e Cultura EXMA vorbei und zur Chiesa San Lucifero. Leider ist sie geschlossen. Dasselbe gilt für die älteste Kirche von Cagliari, die Chiesa di San Saturnino. Sogar der Grossfriedhof von Bonaria ist geschlossen. Immerhin ist der Parco Giardino di Bonaria geöffnet. Es gibt hier zahlreiche Grabhöhlen aus römischer und vorgeschichtlicher Zeit. Ich besuche das „Santuario e Basilica di Nostra Signora di Bonaria“. Berühmt ist die Kirche für die Marienstatue, die in einer Truhe angeschwemmt wurde und völlig unversehrt war. Auch die Truhe ist noch zu sehen. Die Sakristei ist mit Ex-Voto-Schiffen vollgepfercht. Auch das Museum zeigt ausschliesslich Ex Votos, mit Ausnahme von ein paar sehr interessanten Funden, wie einem anthropomorphen Stein. Sonst sind es fast alles Schiffsmodelle, Gemälde von Schiffen in Seenot und ausnahmsweise auch die Fussfesseln von Sklaven, von einem in Sklaverei geratenen und entwischten Sarden gestiftet. In einem Zimmer werden die Mumien der Familie Alagon (1604) gezeigt. Auch ein Morseapparat wurde der Kirche gestiftet. Als ich zurücklaufe, ist die Chiesa San Lucifero nun offen. Zwei Steinlöwen bewachen den…was ist es denn nun, denn dort, wo der Altar stehen sollte, steht die Orgel und der Altar steht im Querschiff. Ich laufe weiter zu Piazza Antonio Gramsci, zur Chiesa Santa Rosalia, die in einer Seitenkapelle eine Lourdes Grotte eingerichtet hat, durch den Torbogen der Via Principe Amedeo zur Chiesa Santa Eulalia. Das Museum lasse ich hier aus. Die Ueberreste der Chiesa Santa Lucia (1119) wurden kürzlich wieder freigelegt, drei Seitenkapellen kamen zum Vorschein. Noch eine Kirche besuche ich kurz, die Chiesa San Francesco di Paola. Dann komme ich wieder zur Piazza Yenne. Da zum Abendessen noch zu früh ist, besuche ich noch einmal die Chiesa di Sant'Anna – die Rosenblätter sind jetzt etwas am Welken – und laufe zur Piazza dell Carmine. Nach einem Abendessen vom Buffet im „Laif“ muss ich mich wieder an das zeitraubende Tagebuchschreiben machen.