08.06.2018 Chambord-Tours

  • Posted on: 9 June 2018
  • By: lenel

Das Frühstück in der Auberge ist perfekt für mich: Ein grosses Müesli und eine grosse Tasse Kaffee. Ich fahre nach Blois, wo ich das Motorrad seitlich des Schlosses abstelle. Erst nimmt mich die mächtige Eglise Saint-Nicolas (12th/13th c.) wunder. Innen ist sie typisch gotisch, aber nicht so spektakulär wie von aussen. Weil die Decke bröckelt, sind Netze gespannt. Dann besuche ich das Schloss. Im Innenhof steht eine Wendeltreppe, die die verschiedenen Stockwerke verbindet. Der grösste Raum ist der Ständesaal mit seinen zwei durch gotische Bögen gestützten Gewölben. In den Architekturräumen werden die ehemaligen Fassadenelemente gezeigt, sowie Wasserspeier. Auf einer Wand haben die Architekten des 19. Jahrhunderts eine technische Zeichnung angebracht. Ueberall ist auf den Cheminees der Salamander als Wappentier zu sehen. Ich besuche den Königssaal mit dem Thron und dem prächtig verzierten Cheminee. Kostbarste Wandteppiche verzieren die Räume. Es gibt ein Zimmer von König François I, wo ein Wandteppich mit der Allegorie „der triumphale Wagen von Neid und Krieg“ hängt. Die Galerie der Königin ist mit kostbarsten Fliesen, Seidentapeten und Deckenverzierungen versehen. Es gibt ein Oratorium, ein Studiolo, und das Schlafzimmer des Königs. In Blois wurden übrigens auch wertvolle bemalte Keramik und Taschenuhren gefertigt. Ein Raum gilt dem Architekten Duban, der das Schloss wieder instandgestellt hatte. Eine Kunstausstellung zeigt Bilder mit zeitgenössischen Themen. Schliesslich besuche ich noch die Saint-Calais Kapelle. Mein nächster Besuch gilt dem Schloss Chaument-sur-Loire. Erst laufe ich noch zur Loire hinunter, wo ich mein mitgebrachtes Mittagessen verzehre. Dann besuche ich die riesige Ausstellung. Die historischen Gebäude sind mit zeitgenössischer Kunst kombiniert worden. Besonders bemerkenswert sind: El Anatsui, XiXe (aus Bierdeckeln gefertige Wandbehänge), Anne et Patrick Poirier, Archives, Lost Hopes (2013, Blätter in Cibachrome auf Alumnium), Frans Krajcberg, La Révolte III (Skulptur), Henrique Oliveira, Momento Fecundo (Monumentalskulptur aus Holz). Auch in diesem Schloss findet man wieder überall das Wappentier des Stachelschweines. Die enorm reiche Prinzessin de Broglie liess ein Zimmer des Astrologen Ruggieri und ein Zimmer Katharina de Medicis nachbauen. In der Kapelle ist eine Kunstinstallation (Gerda Steiner/Jörg Lenzlinger, les pierres et le printemps) aufgestellt. Ich besuche den Ratssaal, doch besonders interessant sind die Zimmer im Estrich, die von verschiedenen Künstlern gestaltet worden sind, z.B. Sheila Hicks, Sens Dessus Dessous. Nicht so eindrücklich fand ich die Austellung von Werken von Jacques Truphemus. Weiter geht es mit Esssaal, Bibliothek, kleinem und grossem Salon, sowie Billardzimmer. Ausserhalb des Schlosses waren die damals modern eingerichteten Ställe. Im Stall ist auch eine riesige Kugel aus Bambus, mit goldenen Blättern drauf. Es ist ein Werk von Klaus Pinter, En Plein Midi. Besonders stolz ist man auf die Prunkkutsche „die Orlov Berline“. Im eigenartig kegelförmigen Turm ist ein Kunstwerk von Stephane Guiran, Le Nid des Murmures, eine Anordnung von Kristallgeoden auf Stahlstangen, untergebracht. In einem weiteren Gebäude ist eine geflochtene Bambusstruktur von Tanabe Chikuunsai IV, Connexion la Source, zu sehen. In einem Treibhaus ist die Anordnung von Jean-Philippe Weimer, Le Printemps tout le temps, eigentlich einfach ein Tropenhaus, zu sehen. Ueber eine Brücke passiere ich zur Ausstellung „Jardins des Pensées“. Verschiedene Künstlerteams haben je einen Garten kreiert. Es gibt unter anderem eine Glasskulptur von Dale Chihouly, sowie ein „Tal des Nebels“ (Vallon des Brumes), wo alle paar Minuten Zerstäuber einen künstlichen Nebel erzeugen. Auch zum Chateau de Chenonceau ist nicht weit. Dieses erreiche ich nach rund 30 Kilometer Fahrt. Das Unesco-Weltkulturerbe Schloss ist im Fluss Cher als Wasserschloss gebaut, jedoch das Besondere daran ist, dass die Brücke, die das Schloss mit der anderen Flussseite verbindet, mit der Zeit zu zwei Stockwerken Galerien ausgebaut wurde. Im zweiten Weltkrieg war dies für die Resistance eine sichere Verbindung zwischen dem besetzten und dem freien Frankreich. Die Küchen sind in den Brückenpfeilern unter dem Schloss eingebaut worden. Auf einer weiteren Insel sind die Gärten der Diana angelegt worden. 1914-18 wurde das Schloss als privat finanziertes Militärhospital benutzt. Ich besuche auch noch die nicht mehr funktionalen Weinkeller. Alle Fässer sind leer. Das Labyrinth ist für mich einfach, da ich gross genug bin, um über die Büsche hinwegzusehen. Dahinter sind die „Karyatiden“. Einer Farm aus dem 16. Jahrhundert mit einem Gemüse- und Blumengarten gilt mein letzter Besuch. Es gibt zwei schöne, aber etwas verrostete Bentleys zu sehen, sowie eine Wagenremise mit zeitgenössischen Pferdekutschen. Eigentlich rechne ich nun nicht mehr, noch das Chateau d’Amboise besuchen zu können, denn es ist bereits spät. Doch ich muss eh durch Amboise durch und so versuche ich es. Doch ich werde überrascht: Heute ist es bis 19 Uhr offen, so dass mir noch eine Stunde bleibt. Ich besuche die Hubertuskapelle mit dem Grab von Leonardo da Vinci, dann mache ich die Tour des relativ kleinen Schlosses, das hoch über der Loire thront. Auch hier sieht man wieder überall das Wappentier Salamander. Ich beginne mit dem Trommlerzimmer, dem mit gotischen Gewölben versehenen Ratssaal, dem Mundschenkraum, mit wertvollsten Gobelins behangen, der Kammer von König Henri II und dem Franziskaner-Vorzimmer. Im oberen Stock gibt es das Arbeitszimmer von Orléans-Penthièvre, das Orléans-Schlafzimmer und das Musikzimmer. Der Minimes-Turm hat anstelle einer Treppe eine (mit einem Auto problemlos befahrbare) Spiralrampe. Ich besuche noch die neapolitanischen Terrassen, das Löwentor und die Gräber des Hofstaats des Gefangenen Abd-El-Kader. Ueber den Heurtault-Turm verlasse ich das Schloss wieder. Beim Herausfahren aus Amboise halte ich noch kurz auf der Brücke und mache ein Foto vom Schloss. Ich erreiche das Hotel Formule 1 in Tours um halb Acht Uhr. Das Wifi funktioniert nicht, die Rezeptionistin verspricht, es wieder in Gang zu setzen. Die Zimmer sind auch nicht gerade berauschend. Im Auchan kaufe ich mir eine grosse Mahlzeit zum Abendessen.