19.06.2018 Clermont-Ferrand-Coudes

  • Posted on: 19 June 2018
  • By: lenel

Einmal mehr ist es grau und verhangen, als ich aufwache. Dunkle Regenwolken hängen über der Stadt. Ich lasse mir viel Zeit mit dem Packen. Um neun Uhr fahre ich ab und gelange kurz vor zehn Uhr zum Volcan Lemptegy in Saint-Ours-Les-Roches. Bereits haben mehrere Busse Passagiere abgeladen, die Anlage ist gar nicht für so viele Leute gemacht. Es herrscht ein unsägliches Gedränge. Mein Coupon ist eigentlich gar nicht mehr gültig, weil es die Erkundung zu Fuss nicht mehr gibt. Ich muss EUR 2.60 aufzahlen und darf mit dem Touristenzüglein mitfahren. Mit etwas Glück kann ich noch einen Platz ergattern. Nach einer Stunde ist die wenig informative Fahrt zu Ende. Der Lemptegy wurde während Jahren als Grube für den Abbau von Lavatuff verwendet. Nur noch die harten Gesteinesbrocken sind übrig geblieben. Es gibt wenig zu sehen. Schliesslich werden wir noch durch die ehemalige Crusher- und Siebanlage geführt. In den 4D-Film darf ich nicht herein, weil die Gruppen Vorrang haben. Doch auch in die zweite Vorstellung darf ich nicht herein, weil wiederum Gruppen Vorrang haben. Ich warte auf die dritte Vorstellung, als eine riesige Schulklasse mit Erstklässlern ankommt. Der Diensthabende erklärt, dass er für die kleinen Kinder alle Sondereffekte abstellen müsse. Und dafür müsste ich jetzt nochmals eine halbe Stunde warten, um mit den lärmigen Kindern einen abgespeckten Film über die Entstehung von Vulkanen zu sehen? Nein danke. Auch beim zweiten Film stehen Unmengen Leute an. So verlasse ich die Anlage und ärgere mich sehr, für so einen Seich so viel Geld ausgelegt zu haben. Mein zweites Ticket ist für den Puy-de-Dome. Ich fahre zur Talstation des Bähnchens (gebaut von Stadler)und kriege gerade noch den 12:20 Zug. Der fährt in Spiralen um den Vulkan herum, bis wir oben sind. Das Wetter ist nun auf einmal schön geworden, die Aussicht ist prächtig. Ich besichtige die Ueberreste des Merkurtempels unterhalb der Sendestation und besuche das zugehörige Museum. Dann laufe ich einmal rund um den Gipfel herum. Das 14-Uhr-Bähnchen erwische ich gerade noch. Ich fahre nun bis nach Ceyrat, wo ich mir im Supermarkt etwas zu essen und zu trinken kaufe. Beim Weiterfahren sehe ich das Hinweisschild für das Plateau de Gergovie. Ich fahre hin und finde ein grosses Hochplateau auf einem Vulkankegel, wo ehemals die gallische Stadt Gergovie stand. Ein grosses Denkmal erinnert an die Schlacht, die Vercingetorix gegen die Römer gewonnen hatte. KIeine Ueberreste der südöstlichen Stadtmauern gibt es noch, sowie die Fundamente des Westtores. Ein paar Kilometer entfernt liegt das moderne Dörfchen Gergovie, ebenfalls sehr sehenswert. Während des hundertjährigen Krieges wurde aus der Kirche, Wehrtürmen und Gebäuden eine Art Burg gebildet. Mein nächster Halt ist in Montpeyroux. Bekannt ist das Dörfchen, das malerisch auf einem Puy liegt, durch den Tour de Montpeyroux (13. Jhdt.). Das Dörfchen war in den 50er Jahren völlig verlassen und die Häuser teilweise eingestürzt. Durch einen gewaltigen Einsatz wurden die Häuser wieder instandgestellt. Heute ist es ein Touristenziel. Ich besteige den Turm, teilweise über leiterartige Treppen. Die Kirche ist jedoch nicht alt, sie wurde 1846 im romanischen Stil erbaut. Nun ist es schon spät. Um die Abbaye Saint-Austremoine in Issoire noch rechtzeitig zu erreichen, muss ich auf die Autobahn, ansonsten der Umweg viel zu gross wäre. Es reicht noch. Leider ist die romanische Kirche vollständig eingerüstet, so dass sie von aussen nichts hergibt. Das Innere ist aber wunderbar farbig ausgemalt und auch die Kapitelle der Säulen sind farbig verziert. Im Zentrum steht die Jungfrau des wertvollen Blutes, die 1940, nachdem das Dorf von den Deutschen verschont geblieben ist, geweiht wurde. Auch die Krypta mit einem Kästchen, in dem die Ueberreste von St. Austremoine liegen sollen, ist interessant. Im Centre d'Art Roman Georges Duby gibt es eine Ausstellung über „Publicité“. Interessant ist, dass mit „La publicité judiciare“ begonnen wird. Im zweiten Teil des Museums hat es Steine aus der Kirche St. Austremoine, die bei der Renovation ersetzt worden sind. Es sind die Räume des ehemaligen Klosters, so gibt ein winziges Parloir (Salle de l’Abbé Bohier) und einen ebenso kleinen Kapitelsaal, eher eine Kapitelkammer. Alles romanisch. Mein linkes Fussgelenk schmerzt so höllisch, dass ich die Besichtigung von Issoire abbrechen muss. Nun muss ich zurück nach Coudes fahren, wo ich im Hotel F1 ein Zimmer reserviert habe. Es ist nun richtig heiss, schönes Wetter, Sonnenschein.