02.07.2018 Aix-en-Provence-Sospel

  • Posted on: 2 July 2018
  • By: lenel

Ich bin einer der ersten beim Frühstück und verlasse die wenig gastliche Jugendherberge um 07:15 Uhr. Obwohl ich mitten durch das Stadtzentrum muss, um auf die Strasse nach Nizza zu kommen, hat es kaum Verkehr und ich finde meinen Weg einigermassen gut, mit ein paar kleinen Umwegen. Das Wetter ist verhalten, Nebelschwaden hängen tief an den Hügeln. Auf einer schnellen Strasse fahre ich bis Saint-Maximin-la-Sainte-Baume. Dort biege ich Richtung Barjols ab. Ueber Salernes und Dragaignan, ein hübsches Städtchen, in dem ich gerne gehalten hätte, wenn die Zeit gereicht hätte, fahre ich weiter Richtung Nizza. In Nizza drin muss ich auf die Stadtautobahn. Mangels sinnvoller Beschriftung der Ausfahrten fahre ich eine Ausfahrt zu früh ab und lande zwar im Norden von Nizza, aber ohne jede Verbindung zum Nordostteil der Stadt. So muss ich alles zurückfahre, nochmals auf die Stadtautobahn, durch einen Tunnel durch und komme tatsächlich Richtung Sospel. Doch die Schilder „Sospel“ hören rasch auf und einmal mehr muss man nach Navi fahren. An jeder Kreuzung, an jedem Kreisel muss ich anhalten und die Position kontrollieren, da die Turn-by-Turn-Navigation nicht mehr funktioniert. Schliesslich gelange ich über den Col de Braus und vorbei an einem immer noch mit einer Kanone bestückten deutschen Bunker nach Sospel. Doch zu meinem Schrecken gibt es die dortige Tankstelle nicht mehr. Ein Feuer hat sie zerstört. Auf der Touristeninformation frage ich nach. Nur in Menton 15km entfernt und am Meer, gibt es Benzin. Immerhin wurden die ehemaligen Eisenbahntunnels für den Strassenverkehr freigegeben, so dass man zügig nach Menton kommt. Im Intermarché hole ich erst eine Tankfüllung und ein 5dl-Fläschchen Benzin. Dann gehe ich zu Fuss in den Supermarkt – blöd zu erreichen, da zwischen Supermarkt und Tankstelle Einbahn ist, so dass man nicht mehr zurückfahren kann –und hole mir zwei kleine Wasserfläschchen. Mit dem einen ersetze ich meine Trinkflasche, das andere trinke ich aus und fülle es ebenfalls mit Benzin. Diese lassen sich gut in den Sacochen verstecken – schliesslich sind Benzinkanister in Frankreich nicht erlaubt. Nun fahre ich zurück nach Sospel und mache den historischen Stadtrundgang: Rue Saint-Pierre, Aussichtsterrasse, ehemalige Stadtmauer mit noch einem verbliebenen Stadttor, Place St. Michel. In der Chapelle des Gris wird gerade ein Flöten-und-Lautenkonzert geprobt. Eine Holländerin erklärt mir, dass man die Umgebung eines klassischen Malers nachstellen möchte, mit einem Tisch mit typischen Lebensmitteln aus dieser Zeit und zeittypischen Malutensilien. Danach besuche ich die barocke Kathedrale Saint-Michel de Sospel (1642-1682). Erwähnenswert sind das Taufbecken mit grossem Holzaufsatz (und Johannes dem Täufer obendrauf), sowie die minutiös gebaute Krippe, die man für einen Euro in Bewegung setzen kann. Ueber den Pont-Vieux (1522), 1944 von den Deutschen beim Rückzug gesprengt, 1952 wieder aufgebaut, erreiche ich das andere Ufer des Flusses. Dort gibt es die Place Saint-Nicolas mit ihren Cafés und sogar eine Place Guillaume Tell, die aber nur als Parkplatz dient. Eigenartig ist die Chapelle Sainte-Croix mit ihrem dreieckigen Kirchturm. Ueber den Pont –Vieux gelange ich zu meinem Scooter zurück und fahre zu meiner Unterkunft, der Maison Saint-Joseph, rund drei Kilometer ausserhalb der Stadt in der Höhe gelegen. Ich werde sehr freundlich empfangen und selbst mein unerhörter Wunsch, morgen früh um sechs Uhr abzufahren, wird erhört. So bin ich nun bereit für die morgige 400-km-Fahrt.