06.06.2019 Visznek-Kosice

  • Posted on: 6 June 2019
  • By: lenel

06.06.2019 Visznek-Kosice Ich verabschiede mich von Janos und fahre um sieben Uhr in Visznek ab. Das Wetter ist nun kühl und links von mir liegt stets eine Regenfront. Ich fahre über Tarnaörs, Erk, Tarnabod, das nur durch eine miserable Strasse zu erreichen ist, nach Kal, wo ich nachtanke. Die Weiterfahrt nach Miskolc verläuft zügig. In Miskolc tanke ich nochmals nach und versuche in sechs Supermärkten, ein kleineres Paket Milch als einen Liter zu kaufen. Erst auf der slowakischen Seite werde ich fündig, vielleicht auch nicht, mal schauen was in den Tetrapacks wirklich drin ist. In Kosice komme ich um zwölf Uhr mittags an, checke im Hostel Barno ein, habe aber eine grössere Meinungsverschiedenheit mit der Receptionistin, da meine Buchungsbestätigung klar sagt, dass das Hostel den Betrag bereits eingezogen habe. Leider ist das Internet tot, so dass ich nicht auf der Kreditkarte nachschauen kann. So zahle ich zähneknirschend bar. Später, auf dem Zimmer kann ich nachschauen und es ist tatsächlich ein Fehler von Booking.com. Ich fahre mit dem Scooter in die Stadt und stelle ihn ganz unten beim unteren Stadttor ab. Dann besichtige ich die Elisabethenkirche, laufe zur Synagoge in der Zvonarska Strasse und zur zweiten, orthodoxen Synagoge in der Pushkinova Strasse. Ich habe Glück: Soeben beginnt eine Führung mit Frau Dr. Jana Tesserova, die uns viel nicht nur über die 1913 erbaute Synagoge im sefardischen Stil erzählt, sondern auch über die jüdische Gemeinde, die noch 250 eingeschriebene Mitglieder zählt und es gibt weitere 250 nicht eingeschriebene Juden in der Stadt. Während des zweiten Weltkrieges kam es zu einem Drama, als 75 Personen sich in der Synagoge versteckten, jedoch von den Nachbarn verraten und von den Deutschen abtransportiert wurden. Heute wird die Synagoge nicht mehr benutzt, die Gemeinde ist zu klein geworden, sie haben oft keinen Minjan und benützen jetzt ein Cheder, das einfacher zu heizen ist. Nur an Rosh Hashana und Yom Kippur wird die grosse Synagoge noch benutzt. Weiter gibt es eine Ausstellung des Holocaust-Ueberlebenden Ludovit Feld, ein kleinwüchsiger Künstler, sowie mit ein paar Oelbildern von Leopold Horovitz. In der Zwischenzeit geht ein heftiges Gewitter über der Stadt nieder, und ich habe mein Regenzeug im Hostel vergessen. Frau Tesserova gibt mir noch Grüsse an unsere beiden Rabbiner mit. Ich laufe im Regen zur Touristeninformation, wo ich absolut keine Informationen erhalten kann. So fahre ich im Regen den Scooter bis ans obere Ende Hlavna-Strasse (die Fussgängerzone und Stadtkern von Kosice). Dort parkiere ich ihn und laufe zum technischen Museum, das ich lange suchen muss. Die Ausstellungen sind alles andere als sehenswert: Etwas über Eisenverhüttung, Oefen, Turmuhr, eine Renaissance Bronzetüre von 1580 aus Krasnohorske Podhradie, ein Stahlwerkmodell, Theodoliten, ein Modell der hohen Tatra, Schreibmaschinen, Zahnarztausrüstungen, Telegrafen, Telefone, Grammophone, ein Pathé-Grammophon aus der Schweiz, Tonbandgeräte, Videogeräte sowie drei Dampfmaschinen. Ich laufe noch zum Levocki Dom, zur Dreifaltigkeitskirche, in der gerade ein Gottesdienst stattfindet, zum Staatstheater, zu den Musical Fountains mit dem Carillon, zum Stadthaus, dem Jugendstilhaus Slavia und dem Andrassy-Palast. Unterdessen ist wieder die Sonne herausgekommen. Schliesslich fahre ich zurück ins Hostel, wo ich in den drei Tagen mehrere hundert Emails erhalten habe, die ich nun triagieren und zum Teil beantworten bzw. handeln muss.