07.06.2019 Kosice-Rszeszow

  • Posted on: 7 June 2019
  • By: lenel

07.06.2019 Kosice-Rszeszow Um sieben Uhr fahre ich in Kosice ab und kämpfe mich durch den Verkehr aus der Stadt hinaus Richtung Presov. Ich komme sehr zügig voran, trotz der kleinsten Nebenstrassen, auf die mich das Navi leitet. Durch Presov fahre ich zügig hindurch. Bereits um zehn Uhr bin ich an der Grenze zu Polen, wo ein Soldatenfriedhof mit einem absurden Denkmal mein Interesse weckt. Ueberall sind Soldaten am Gras schneiden, die üblichen Panzer auf dem Betonsockel instandstellen und Unkrautvertilger sprühen. Beim slowakischen Grenzposten zweigt eine Strasse zu einem Aussichtsturm ab. Ich fahre hin, zwei Schulklassen sind dort, jedoch gibt es eine Tafel, die besagt, aufgrund des schlechten Zustandes sei der Turm permanent geschlossen. Auf der polnischen Seite fahre ich durch bis Dukla, wo ich anhalte und am Bancomaten eine kleine Summe für Benzin und Essen abhebe. Es gibt hier einen schönen Marktplatz (Rynek) und eine grosse, weisse Kirche „sw. Jana z Duklia“. Natürlich darf die Bronzestatue von Papst Johannes Paul II nicht fehlen. Ein braunes Sehenswürdigkeits-Schild weist zu einem Dvor Komborna, ich folge dem Schild, aber das ehemalige Landhaus wurde zu einem Luxushotel umgebaut. Historisch ist gar nichts mehr daran. So fahre ich weiter bis Lubenia, zirka 15 Kilometer vor Rszeszow, wo ich eine Unterkunft gebucht habe. Das Hotel stellt sich wirklich als Perle heraus, ein wunderschönes, grosses, sauberes Zimmer ganz für mich alleine. So lade ich mein Gepäck ab, fasse diesmals die Regenjacke und fahre gleich wieder los, Richtung Stadtzentrum von Rszeszow. Ich habe keinerlei Idee, wo es sich befinden könnte, folge einfach den Schildern „Centrum“. Bei einer Biedronka halte ich und kaufe – wie immer, wenn ich in Polen bin – geräuchertes Hähnchen. Als ich an einem Park mit Musical Fountains vorbeikomme, halte ich, setze mich auf eine Bank und verzehre das mitgebrachte Essen, das wirklich immer hervorragend schmeckt und gar nicht schwer aufträgt. Von hier fahre ich weiter bis zum Bahnhof. In der Aleja Jozef Pilsudskiego stelle ich den Scooter ab und mache mich zu Fuss auf den Weg. Ueber eine Fussgängerpasserelle, die rund um den ganzen Platz verläuft, gelange ich auf die andere Seite dieses Verkehrsmolochs. Ein sowjetisch anmutendes Denkmal weckt meine Aufmerksamkeit. Ich fotografiere es und finde unweit davon die Bazylika Mniejsza, die innen ganz mit Gold und Silber ausgestattet ist. Nun laufe ich Richtung Rynek (Marktplatz). Dieser ist noch ganz im Stil des 18./19. Jahrhunderts gehalten, in der Mitte steht ein gedeckter Brunnen auf der linken Seite, ein Denkmal für Tadeusz Kosciuszko auf der anderen Seite. Die Ratusz (Ratshaus) mit seinem Treppengiebel steht am Ende des Marktplatzes. Unweit des Rynek steht die Altstadtsynagoge. Sie wurde 1944 von den Deutschen zerstört und 1958-68 rekonstruiert, behaust heute aber das Stadtarchiv. Eine Gedenktafel erinnert an die 20‘000 Juden aus Rszeszow, die 1939-44 ermordet wurden. Ein riesiges Wandgemälde an einem Haus erinnert an Irena Sendler. Sie organisierte das Kinderreferat des Rats für die Unterstützung der Juden. Auf der Touristeninformation hole ich eine Karte und ich wechsle noch ein paar Griwna in einer Wechselstube in einem Supermarkt, zu einem grotesk schlechten Kurs. Aber ich brauche ein paar Griwna für den morgigen Grenzübertritt. Nun besichtige ich die Pfarrkirche (15. Jhdt) mit separatem Turm, schlendere die Ulica 3 Maja entlang zum Piaristenkomplex, einer weiteren, reich mit Blattgold verzierten Kirche. Das Gebäude der Bank Polski gleicht einem Schloss. Beim Sommerpalast der Lubomirskis gelange ich wieder zu den Musical Fountains. Ich laufe zur Neustädtischen Synagoge, 1944 zerstört, 1954-65 wieder aufgebaut, beherbergt heute die städtische Kunstsammlung. So gelange ich wieder zur Altstadt-Synagoge. Nun laufe ich zurück zum Scooter und kämpfe mich durch den Verkehrsmoloch aus der Stadt hinaus. Bei einem Supermarkt kaufe ich Omeletten für das Abendessen – Fleisch hatte ich heute genug, und die Quark-Omeletten sind eine weitere polnische Spezialität, die ich besonders gerne mag. In Lubenia verpasse ich die Abzweigung zum Hotel und fahre drei Kilometer in die falsche Richtung, bis ich es merke. So muss ich alles auf der Parallelstrasse zurückfahren. Einmal mehr droht ein Gewitter, doch ich komme trocken nach Hause.