08.06.2019 Lubenia-Lviv

  • Posted on: 8 June 2019
  • By: lenel

Es ist trotz des gestrigen Gewitters schönes, warmes Wetter. Ich kann von einem riesigen Frühstücksbuffet essen. Dann fahre ich ab, durch die Dörfer, auf kleinen, aber anständig instand gehaltenen Strassen. Um zehn Uhr komme ich in Przemysl an. Die letzten polnischen Münzen setze ich in Benzin um, was mich weit nach der Grenze bringen sollte. Im Stadtzentrum parkiere ich den Scooter. Es scheint ein Volksfest im Gange zu sein, aber auch ein Kirchenfest, denn die katholische Kirche ist gerammelt voll, es wird ein Gottesdienst abgehalten und der Sendewagen der lokalen Fernsehstation steht auch dort. Ich laufe zum Schloss hinauf, doch dieses ist für die Oeffentlichkeit nicht geöffnet. Schliesslich besuche ich noch die Griechisch-Katholische Kirche. Auf einem Platz steht ein Denkmal für Johannes Paul II, diesmal als alter, von Krankheit gezeichneter Mann. Ich fahre weiter nach Medyka, dem letzten polnischen Dorf vor der Grenze. Es gibt eine kilometerlange, dreifache Kolonne von Autos und Lastwagen, die alle in der prallen Sonne warten, während die Grenzabfertigung nur äusserst langsam erfolgt. Mit dem Motorrad kann ich der ganzen Kolonne vorfahren. Nach 15 Minuten warten kann ich als erster hinein. Die polnische Seite erfolgt relativ rasch. Als ich auf die ukrainische Seite fahren will, schreit mich einer an, so dass ich anhalte. Offenbar gab es eine Stopp-Tafel, die allerdings von einer technischen Vorrichtung völlig verdeckt war. Nun will er die Polizei holen, damit ich eine Busse zahlen muss, denn ich habe ja nicht auf der Linie angehalten. Ich muss einige Zeit mit ihm diskutieren, bis die nächsten Fahrzeuge kommen und er mich weiterwinkt. Die ukrainischen Grenzformalitäten sind erstaunlich unproblematisch. Mein Gepäck wird gar nicht untersucht. Ich wechsle noch die letzten Zlotys, einmal mehr zu einem grottenschlechten Kurs, dann geht es weiter. Bei einem Versicherungsstand halte ich und muss eine geschlagene halbe Stunde warten. Die Versicherung ist absurd teuer, für einen Monat muss ich umgerechnet 20 Franken bezahlen, das macht CHF 240 im Jahr! Nun muss ich dringend noch eine Flasche Wasser kaufen, die ich in einem Zug hinunterleere. Nur im T-Shirt fahre ich weiter. In Mostyska halte ich bei einem Geldautomaten, doch der kann nur geringste Beträge auszahlen, so dass ich abbrechen muss. Nur mein Navi merkt, dass in der Ukraine eine andere Zeitzone herrscht und stellt die Zeit automatisch um. In Horodok muss ich zum Mittagessen anhalten. Im Restaurant „Starie Mlyn“ esse ich Schaschlik, das einzige Gericht auf der Karte, das ich kenne. Es gibt wenig und ist recht teuer. Ueberhaupt scheint ausser Benzin alles teuer zu sein. Eingangs Lviv tanke ich nochmals nach. Das Kopfsteinpflaster in Lviv setzt meinem Töff zu, die Hupe setzt aus. Es ist vier Uhr, als ich im Eco-Hostel Drova in Lviv ankomme. Einmal mehr meldet die App, dass das Hostel bereits zur Hälfte bezahlt sei, was wiederum nicht stimmt. Ich habe nicht genug Bargeld dabei und gehe ins nahegelegene Einkaufszentrum „Forum Lviv“, wo es einen Geldautomaten und einen riesigen, enorm teuren Supermarkt „Silpo“ hat. Dort kaufe ich etwas zum Abendessen, hebe etwas Geld ab und kann nun das Hostel bezahlen. Nun laufe ich in die Stadt – das Stadtzentrum ist nicht allzuweit entfernt, zirka 1.5 km. Ich gelange zum Opernhaus am Prospekt Svobody. Vor dem Opernhaus findet gerade ein Marathonlauf statt, so ist alles mit Zelten von Zubehöranbietern vollgestellt. Weiter unten gibt es ein Denkmal für Taras Shevchenko, ein Maler und Lyriker. Weiter unten gibt es noch ein Denkmal für den polnischen Nationaldichter Adam Mickiewicz. Ich biege Richtung Stadtzentrum ab und gelange zur Lateinischen (römisch-katholischen) Kathedrale und dann zum Marktplatz (Rynok). Bei der Touristeninformation lasse ich mir erklären, welche Sehenswürdigkeiten morgen Sonntag geöffnet sind. Nun laufe ich Richtung Dominikanerkonvent, gelange zu einem alten Trambahnwagen, der als Souvenirladen eingerichtet ist und zum Flohmarkt. Im St. Eucharist-Dominikaner-Konvent findet gerade eine (katholische) Messe statt. Nebenan, am schmalen Ende Vulica Virmenska, sind Strassenbeizen in Betrieb. Ich laufe zurück zum Prospekt Svobody, gelange noch einmal zum Shevchenko Denkmal und bewundere das Jugendstilgebäude der ehemaligen Galizischen Sparkasse. Am Opernhaus vorbei laufe ich zurück ins Hostel, nicht ohne noch ein Päckchen Milch zu kaufen.