09.06.2019 Lviv

  • Posted on: 9 June 2019
  • By: lenel

Es ist Sonntagmorgen, sieben Uhr. Ich zerlege den Scooter, denn gestern hat die Hupe urplötzlich aufgehört zu funktioneren. Diese ist hier überlebenswichtig. Ich finde den Fehler und kann ihn beheben, obwohl mir das richtige Werkzeug fehlt. Am Forum Lviv und an der St. Nikolaus-Kirche vorbei laufe ich Richtung Visoky Samok. Dunkler Himmel und Regenwolken, es ist kühler als gestern. Ich laufe zum Visoky Samok (Hohe Burg), eine künstliche Erhöhung auf einem Hügel, wo man spiralförmig hinaufläuft. Die Aussicht auf Lviv ist beschränkt. Von der unteren Aussichtsplattform sieht man gar nichts mehr, so ist sie mit Bäumen zugewachsen. Zurück lande ich beim Stary Rynok, den ich auf der Karte nicht finden kann. Ich laufe vorbei am Svyato Pokrovsky Shiochy Monastir zur armenischen Kathedrale, wohl die einzige, wo heute kein Gottesdienst stattfindet. Weiter zur Kirche der Transformation Christi und zu den Resten der Synagoge „Di Goldene Royz“ – nur Teile der Fundamente und eine Wand sind übriggeblieben. Am König Danilo Denkmal und am Adam Mickiewicz Denkmal mogle ich mich durch den Halbmarathon, für den der grösste Teil von Lviv heute morgen abgesperrt ist. Ich gelange zum Potocki Palast (Kunstmuseum), den ich aus Zeitgründen aber nicht besuche. So laufe ich die Vulica Kopernika hinunter, vorbei am Turm der Heiliggeistkirche, in dem sich das Rusalka Dnistrova Museum befindet, und die Vulica Bandery hinauf, an der Universität vorbei bis zum Stepan Bandera Denkmal. Auch die Kirche St. Olga und Elisabeth (1911) wird durch einen Gottesdienst belegt. Mein nächstes Ziel ist die St. Georgs Kathedrale (1761), die auf einem Hügel steht. Hier hat der Gottesdienst noch nicht begonnen. Nicht weit davon ist das moderne Westukraine-Denkmal (2018). Ich gelange zu einem weiteren Prachtgebäude der Universität und zum House of Scientists (Fellner&Gellmer, 1898), das entgegen der Beteuerungen der Touristeninformation heute auch nicht besucht werden kann. Vorbei am St. Georgs Denkmal komme ich zur St. Andreaskirche und zum Arsenal. Nun laufe ich Richtung Skansen. In der Vulica Lychakivska komme ich an einem Markt vorbei, der teilweise in Betrieb ist. Schneller als erwartet gelange ich zum Skansen „Klimentii Sheptytsky“. Das Eintrittsgeld ist mit 40 UAH gering. Es gibt hier Häuser aus allen Teilen der Westukraine, die originalgetreu wieder aufgebaut worden sind, auch einige schöne Kirchen. Soeben findet ein Kinderfest statt, das Swiato Moroziva Festival (Feiertag des Glacés). Zu überlauter Musik werden die Kinder von Animatoren zum Tanzen ermuntert. Es gibt auch einige Gebäude aus der Region um Verchowina und aus Chernivtsi. Als der grosse Besucheransturm kommt, verlasse ich das Freilichtmuseum und laufe zum Pulverturm, besichtige nochmals die St. Eucharist Kirche (die jetzt frei ist) und besuche das religionshistorische Museum, das eine Ausstellung über Judentum ankündigt. Es gibt Exponate von der Steinzeit bis heute, einige interessante jüdische Exponate, doch die Sonderausstellung beschränkt sich auf einen Parochet aus der Nachkriegszeit, ein paar Thorarollenschilder und Thorakronen. Eine Ausstellung des Malers Iury Planschiev zeigt kitschige Bilder. Da ist die Matzo-Maschine doch schon viel interessanter. Meine Suche nach einem Reparaturladen für Elektronik verläuft erfolglos, an einem Sonntag sind sie alle geschlossen. Im Supermarkt kaufe ich geräuchertes Huhn, Brot und Käse.