10.06.2019 Lviv-Rivne

  • Posted on: 10 June 2019
  • By: lenel

Ich fahre um sieben Uhr früh ab. Es ist schön, die Sonne scheint. Die Fahrt aus Lviv heraus ist erstaunlich problemlos, nirgends gerate ich in einen Stau. Ich fahre auf guten Strassen – die meisten Schlaglöcher sind seit meinem letzten Besuch anständig geflickt worden, so dass es nicht einmal kracht, wenn man darüber fährt – Richtung Rivne. Beim Kafe Leleka in Staryi Myliatyn muss ich anhalten, weil eine Reihe sowjetischer Autos ausgestellt ist – Moskvich, Saporoshiets, Wolga, Chayka etc. Bei Busk gelange ich in dichtesten Nebel. Als ich einen Wegweiser zur Festung von Pidgoretskyi sehe, folge ich ihm und gelange zur Pidgoretskyi Zamok, in Pidhirtsi. Es ist noch zu früh, sie ist noch geschlossen, doch der Wächter sagt mir, ich solle einen Weg und dann rechts fahren, dann komme ich zu einer Hintertüre. Dort lässt er mich hinein und ich kann rund um die Festung herumlaufen. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die runde Kirche Kostel Vozdvyzhennia Ta Sviatogo Yosypa. Ich fahre zurück zur Hauptstrasse und gelange nach Pidlushshya, wo die hellblaue Kirche mit ihren spiegelnden Turmdächern meine Aufmerksamkeit erregt. In Tarakaniv sehe ich eine Tafel „Festung von Tarakaniv“. Mein Navi kennt den Weg, so gelange ich dorthin und muss noch ein wenig wandern – da ich nicht weiss, wo sie ist, laufe ich erst auf der Umfassungsmauer, bis ich herunterkomme, dann durch einen rund hundert Meter langen, steil aufsteigenden und stockdunklen unterirdischen Gang zur Festung. Sie ist äusserst eindrücklich – der Berg wurde ausgehöhlt und eine Backsteinfestung hineingebaut, die man von aussen nicht sieht. In den Umgebungswänden wurden tiefe Höhlen gegraben. Eine Schulklasse ist gerade dort und der Lehrer begrüsst mich wie einen alten Freund. Schliesslich muss ich weiterfahren. In Dubno halte ich, weil eine Mig – unterdessen am Zerfallen – am Strassenrand auf einem Sockel montiert ist. In Pantalyia steht ein Geschäft, das Zwiebeltürme für Kirchen erstellt. Kurz danach halte ich beim „Kuri Grill“, wo ich ein Hühnchensandwich esse und viel Wasser trinke – es ist schwül-heiss. In Rivne halte ich erst bei einem Soldatenfriedhof, dann fahre ich quer durch die grosse Stadt zum Hostel Granat, das mitten in einem Busbahnhof liegt. Ich checke ein, der Eigentümer ist sehr freundlich und hilfsbereit. Dann laufe ich in die Stadt. Ich laufe an der Kathedrale Sviato Pokrovskyi Sobor vorbei zum Kulturpark T. Shevchenko, laufe durch den Park hindurch und komme am Kinopalats (wohl früher der Kulturpalast) vorbei zum Einkaufszentrum Zlata Plaza, wo ich endlich eine Toilette finde. Von hier aus verläuft eine unterirdische Verkaufsstrasse für den grössten Teil der Soborna Vulitsya bis zum Fluss. Oben gibt es ein Theater und den riesigen Produktovy Rynok (Lebensmittelmarkt). Erstaunlich ist die englisch anmutende Kirche Sv. Antonia (1899) der polnischen Katholiken, mit ihren Türmen mit Flachdach. Der Ustia-Fluss ist nunmehr ein schmutziges Rinnsal. Bei einem Ausgang der unterirdischen Verkaufsstrasse ist ein Denkmal für Maria Rivnenska integriert worden. Reich verzierte Jugendstilhäuser (d.h. mehr eklektischer Stil) gehörten offenbar zu einer Fabrik. Ich besuche den Park Molody mit seinem Schwanenweiher. Am Ende steht das Rivnenskyi Oblasnyi Kraieznavchyi Muzei, im neoklassizistischen Gebäude des ehemaligen Gymnasiums (1839). Das Museum ist geschlossen, jedoch stehen draussen ein paar Exponate, so die Ueberreste eines VW-Busses voller Freiwilliger, der bei Lugansk von einer Rakete getroffen und zerrissen wurde, ein Yak 50 Jagdflugzeug, ein roter Universal-Traktor, ein GAZ AA und ein Ural ZIS 5 Lastwagen, beide aus den 1930er Jahren. Beim Zurücklaufen fallen mir die eigenartigen Kunstwerke auf, die im Rasen stehen, sowie ein grosser Schriftzug „Rivne“. Beim Zlata Plaza Center besuche ich kurz die Sv. Proskresensky Katedral (1895) und die Katakomben, in denen drei Altäre eingerichtet worden sind. Auf der anderen Seite der Soborskyi Vulitsa finde ich zufällig ein „Schweizer Gesundheitszentrum Vivasan Krasa Sdorovie Uspich“. Beim weiteren Heimweg fällt mir ein Schild an einem gewöhnlichen Gebäude auf, das darauf hinweist, dass es früher einmal das jüdische gemischte Gymnasium „Osvita“ (1931) war. Zurück im Hostel hilft mir der Inhaber einen Reparateur für mein Ladegerät für die Kamera zu finden. Doch es scheint, als ob nichts daran falsch wäre. Er wähnt das Kabel und ich muss ihm für seine Bemühungen und das Kabel 100 Griwna zahlen. Doch ich zweifle, dass es daran liegt. Danach plaudere ich mit dem Inhaber und einem weiteren Gast, während ich meine Bilder sortiere. Für einen Shwarma gehe ich noch einmal aus dem Haus.