23.07.2021 L’Aquila-Campobasso

Einmal mehr stehe ich früh auf und bin kurz nach sieben zur Abfahrt bereit. Ich fahre Richtung Avezzano. Der erste Pass, den ich erklimmen muss, ist der Valico di Rocca di Cambio. Ich besuche nachher noch kurz das Dorf Rocca di Cambio, das höchste Abruzzendorf. Wirkt wie ein Wintersportort auf mich. Ein weiteres hübsches Dorf am Wegrand ist S. Jona, das ich aber umfahre. In Trasacco sehe ich einen Turm und fahre ins Dorfzentrum. Ein Markt versperrt mir den Wege. Das Dorf scheint ausschliesslich von Asylanten bewohnt zu sein, denn die Kunden sind hauptsächlich Syrer und Afrikaner. Der Turm ist leider geschlossen und es gibt auch keine Stelle, von dem aus man ihn gut fotografieren könnte. Mein nächster Halt ist in Ortucchio. Das stolze Castello Piccolomini ist leider für Besucher geschlossen. Durch den Parco Nazionale die Abruzzi geht es über den Valico di Gioia Vecchio. Ueberall hat es Tafeln, die vor zu schnellem Fahren warnen, weil man sonst einen Bären überfahren könnte. Leider sehe ich keine Bären. In Opi fahre ich kurz von der Strasse ab und ins Dorf hinein. Das Dorf soll eines der schönsten von Italien sein. Ich finde es sehr touristisch. Mein Navi will mich eine Treppe hinunterhetzen, doch ich kann widerstehen. So fahre ich auf die Hauptstrasse zurück. Ich komme am Lago di Barrea vorbei. Im Süden lauert eine Regenwand. In Castello del Sangre halte ich und esse in einem Supermarkt – nie wieder! Man zeigt mir einen schönen Teller mit Fisch, ich sage zu, doch was ich bekomme ist ein Teller mit Haut und Gräten, keinerlei Fisch dabei. Als ich reklamiere, meint die Bedienung frech, sie habe es ja nicht selber gekocht. Die Strasse ist jetzt eine autobahnähnliche Schnellstrasse. Ich verlasse sie an einem Ort, das Navi führt mich in ein Dorf … nur um mich zum Umkehren zu bewegen und wieder auf die Schnellstrasse zu fahren. So bleibe ich auf der Schnellstrasse, die durch viele Tunnels führt. Ueberall wäre 50 Tempolimit, doch kein Mensch hält sich dran. Als ich eine riesige Kathedrale am Wegrand sehe, fahre ich raus und zur Kathedrale hin. Es handelt sich um das Santuario di Maria SS. Addolorata im Dorf Paduli. Hier hatte Mons. Francesco Macaroni Palmieri eine Marienerscheinung, offenbar Grund genug, um eine riesige Kirche zu haben. Innen ist sie rund, im neogotischen Stil erbaut. Die Kirche ist nicht alt: Die Erscheinung war am 22. März 1888, der Grundstein wurde 1890 gelegt und die Einweihung fand Ende 1975 statt. In Campobasso finde ich meine Bleibe auf Anhieb. Der Selbst-Check-in funktioniert prima. Ich bin baff: Mein „Palazzo dei Misteri“ stellt sich als Abverkauf der leeren Betten in einem Luxus-B&B heraus. Hier ist alles vom Feinsten, der Komfort ist aussergewöhnlich. Nur schon der schlossartige Aufenthaltsraum! Ich möchte gar nicht wissen, was die anderen Gäste für ihr Zimmer zahlen. Ich muss noch den Scooter umparkieren. Hier kann ich ihn nicht stehen lassen. Ein paar Strassen weiter stelle ich ihn auf einen offiziellen Parkplatz. Sofort gehe ich auf Erkundungtour von Campobasso. Durch schmalste Gassen erklimme ich den Berg, an den die Stadt wie angeklebt scheint. Dort besuche ich das Castello Monforte, steige auf den Turm und besuche den Gefallenenschrein (v.A. für Opfer des 1. Weltkrieges) im Inneren der Burg. Gegenüber steht das von aussen unscheinbare, in einen Teil der Vorburg gebaute Santuario Maria Santissima Incoronato del Monte. Innen erstaunt es mit wunderschönen, wenn auch modernen Fresken. Natürlich darf ein Padre-Pio-Zimmer nicht fehlen. Die Chiesa San Giorgio ist wegen eines Anlasses nicht zugänglich. Dafür ist die rustikale, aus Bollensteinen gebaute Chiesa San Bartolomeo (13. Jhdt) sehr eindrücklich. Auch die Chiesa di San Leonardo, ganz in der Nähe meiner Unterkunft, besuche ich noch. Ich plaudere mit einem Schreiner, dessen Werkstatt ganz in der Nähe ist (er erzählt mir, dass er nun pensioniert sei und die Werkstatt ruhe), dann laufe ich ins Stadtzentrum, zur Piazza Gabrielle Pepe. Von dieser laufe ich zur Piazza della Vittoria, wo eine originelle Stele für die Gefallenen steht. In einem Supermarkt, der schlecht sortiert ist, kaufe ich Wasser und einen Apfel. In der Nähe meiner Unterkunft finde ich eine Pizzeria, die lecker aussehende Spinat- und Broccoliwähen verkauft. Ich kaufe je ein Stück und esse sie gleich vor Ort. Im B&B funktioniert das Internet nach schwierigem Anlauf nur ganz kurz, dann ist es tot.

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