24.07.2021 Campobasso-Andria

Bevor das Frühstück bereit ist, bin ich schon fertig, hole den in einer anderen Strasse parkierten Scooter, belade ihn und fahre ab. Es ist acht Uhr früh. Ich fahre durchgehend auf einer Schnellstrasse, doch sie ist blau beschildert, also für meinen Scooter erlaubt. So bin ich schon um halb Zehn in Foggia, wo ich nachtanke. In Cerignola fahre ich von der Schnellstrasse ab und durch die Stadt hindurch. Beim Theater und bei der Kathedrale halte ich kurz, doch ich möchte frühzeitig in Andria ankommen und fahre deshalb gleich weiter. Meine Unterkunft in Andria finde ich rasch. Meine Gastgeberin ist eine Akademikerin, sehr freundlich, und das Zimmer einmal mehr purer Luxus. Ich esse etwas und fahre sofort wieder los, zum Castel del Monte. Das ist ja der Grund, warum ich in Andria Halt mache. Den Scooter stelle ich auf dem offiziellen Parkplatz ab, zahle meine Parkgebühr und nehme die „Navette“ zur Burg. Dort muss ich ¾ Stunden warten, bis Einlasstermin ist. Es wird eben ein strenges Covid-Reglement gefahren. Es wird mir gesagt, dass meine Chancen gering seien, ohne Reservation hineinzukommen, doch als es 14 Uhr ist, war es gut, so lange gewartet zu haben und ganz vorne in der Reihe zu sein, denn ich komme sofort rein. Innen ist die achteckige Burg, deren Türme ebenfalls achteckig sind, erstaunlich leer. Die Räume gliedern sich um einen zentralen, achteckigen Innenhof. Im Obergeschoss sieht man, wie die steinernen Rippen und die Torbögen aus rotem Marmor erodieren. Grosse Kamine sind in den meisten Zimmern zu sehen, sowie daneben Marmorkästen, welche als Aufbewahrungsschränke gedeutet werden. Die Fenster sind m.E. viel zu gross, um der Burg einen Befestigungscharakter zu geben. Sie wirkt vielmehr wie ein Schloss. Beim Zurückfahren halte ich bei einem Trullo, kann diesen sogar betreten. Es hat eine Kochnische mit Rauchabzug, ein steinernes Tablar und zwei weitere Nischen. Leider ist der Boden mit Müll bedeckt. Wieder in Andria, darf ich den Scooter in die sichere Tiefgarage stellen. Ich mache einen Stadtrundgang. Das Chiostro di San Francesco ist leider wegen Mittagsruhe geschlossen. Cattedrale ist im Kern romanisch, rundherum nachgotisiert. Eine Seitenkapelle ist reicher ausgestattet als der Hauptaltar. Zwischen Altarraum und Kirchenschiff ist eine reichverzierte Decke quer eingebaut. Nun laufe ich den Vicolo Corrado IV di Svevia, komme an der Piazza Mater Gratiae, laufe durch die engen Gassen von Andria, die sehr malerisch wirken. Eine namenlose Piazza vor dem Jugendzentrum ist mit originellen Sprayereien bemalt. Nach einer zweistündigen Mittagspause laufe ich nochmals los, diesmal ist das Licht etwas besser: Piazza Umberto I mit dem Stadthaus, Piazza Vittorio Emanuele II mit dem Palazzo Geci, dem ehemaligen Touristenbüro (mangels Touristen definitiv geschlossen), Palazzo Ducale. Die Chiesa di San Francesco ist jetzt zwar offen, doch es ist gerade Gottesdienst. Sie weist einen reichen Barock Innenraum aus.

2 Kommentare zu „24.07.2021 Campobasso-Andria

  1. Erst heute komme ich dazu, Deine Reiseberichte zu lesen. Ich bewundere Deine Energie und Durchhaltevermögen auch bei Regen und schlechten Wetter eine Reise zu beginnen und fortzusetzen. Ich war in meiner Jugendzeit auch mit meiner Vespa in Norditalien, später auf der Reise in die Berge. Vor 30 Jahren dann Studienreisen nach Parma, Apulien, Sizilien und Pavia. Interessant was Du alles besichtigt hast. Beschämend, dass die Schäden aus dem Erdbeben von 2009 immer noch nicht beseitigt sind. Ob uns das mit den Flutschäden 2021 auch passiert? Das Castel del Monte in Andria (wann und von wem wurde es gebaut?) erinnert stark an Friedrich II. und die gleichnamige Burg in Apulien.

    1. Das Castel del Monte ist die von Dir genannte Burg von Friedrich II, aber weshalb er sie bauen liess und weshalb sie nie fertig wurde, ist bis heute nicht bekannt, nicht mal den vorgesehenen Zweck kennt man.

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