07.08.2021 Salerno-Caserta-Cassino

Ich verlasse Salerno früh und fahre Richtung Neapel. Ich weiss aus früheren Fahrten, dass es keine Alternative zur Umfahrung von Neapel gibt, obwohl diese für 125er verboten ist. So fahre ich frohgemut auf die Umfahrung. Als das Navi mich allerdings auf eine grüne Autobahn leiten will, versuche ich mich selbst irgendwie durchzumogeln. Ich fahre durch Acerra durch und halte Richtung Maddaloni. Dort muss ich zum ersten Mal auftanken. In Caserta kann ich den Schildern zum Real Belvedere di San Leucio nicht widerstehen und folge ihnen. Ich gelange zu dieser seltsamen Anlage, doch vorerst werde ich nach Casertavecchio geschickt, denn die Anlage kann nur mittels Führung besichtigt werden und diese findet erst in einer Stunde, um 12 Uhr Mittags statt. Ich fahre also nach Casertavecchio, 11 km auf kleinsten Strässchen entfernt. Die letzten vier Kilometer wäre eigentlich Fahrverbot, weil die Strasse so schlecht ist, doch niemand beachtet es. Es bleiben mir gerade noch zehn Minuten Zeit, das mittelalterliche Städtchen zu besichtigen. Etwas Richtung Touristenfalle. Der Dom ist sehr schlicht gehalten, eine romanische Basilika, wobei eine Frau mein Augenmerk auf eine Madonna aus Stein richtet, welche aus dem 12. Jhdt. stammen soll. Daneben steht eine geschnitzte Krippe, die den Besuch der drei Könige darstellt. Ich muss wieder gehen, wenn ich um 12 Uhr an der Führung teilnehmen will. Mit Höchstgeschwindigkeit fahre ich die engen Kehren wieder den Berg hinunter zum Real Belvedere di San Leucio. Leider gibt es die Führung nur auf Italienisch und unsere Führerin spricht dermassen schnell – sie hat alles auswendig gelernt – dass ich kein Wort verstehe. Ich bekomme aber mit, dass hier eine vom französischen König eine eigenartige Kommune zur Seidenherstellung errichtet wurde. Alle hatten gleiche Rechte, sogar Mann und Frau. Die Seide wurde von A bis Z hier hergestellt, zuerst die Maulbeerblätter angebaut, die Seidenraupen gefüttert, die Seite abgespult, gesponnen, gefärbt, umgespult, auf Jaccard-Webstühle aufgezogen und zu Mustern verwebt. Das Ganze war offensichtlich recht lukrativ. Sogar nach der französischen Revolution wurde das weiterbetrieben, bis zur Einigung Italiens. Wir sehen auch noch die königlichen Gemächer. Diese haben, trotz EU-Geldern und UNESCO-Weltkulturerbe, keine museale Qualität, sind nur spartanisch eingerichtet und es braucht noch viel Arbeit, bis diese wirklich attraktiv sind für Besucher. Ich muss nun dringend weiterfahren, wenn ich mein heutiges Programm noch erledigen will. In San Vittore de Lazio möchte ich etwas essen, doch nirgends finde ich etwas. Dafür finde ich ein Lokal in Cervaro, „I Sapori che vorrei“, wo ich kurz anhalte und eine äusserst leckere Focaccio mit Hühnerfleisch esse. Um 14:40 Uhr komme ich im Hotel in Cassino an. Das Hotel „Diana“ ist ziemlich abgewirtschaftet und im Autobahnkreuz gelegen, aber eben preisgünstig. Ich checke ein und fahre sofort wieder los, über zig Kehren den Monte Cassino hinauf. Bei der Burg „Rocco Janula“ halte ich kurz, doch es ist geschlossen. So gelange ich zur Abbazia Monte Cassino. Im zweiten Weltkrieg lag diese genau auf der Frontlinie zwischen Deutschen und Alliierten. Diese gingen davon aus, dass sich im strategisch günstig gelegenen Kloster deutsche Garnisonen verschanzt hatten und bombardierten das Kloster, bis nichts mehr von ihm übrig war. Danach eroberten polnische Truppen unter hohem Blutzoll die Anhöhe. Bereits in den 1940er Jahren begann der originalgetreue Wiederaufbau und heute steht es so schön da, wie wenn es nie kaputt gewesen wäre. Die ganzen Klosterschätze waren vorgängig nach Rom verlegt worden, so dass sie vollständig erhalten geblieben sind. Die Klosterkirche aus farbigen Marmor-Einlegearbeiten erscheint schon recht überwältigend. In der Krypta befinden sich die Gruften von St. Benedikt und St. Scholastika. Im sehr gut gestalteten Museum der Abtei findet man sakrale Kunst (besonders erwähnenswert die Nativita von Botticelli), alte Schriften, Missale, Kultgegenstände, Messkleider, Trümmer der vorherigen Kirchen, insbesondere Marmoreinlegearbeiten, am Schluss auch noch etwas Kriegsmaterial aus dem zweiten Weltkrieg und eine wenig informative Videoschau. Mein nächster Halt ist das Museo Archeologico. In drei Ausstellungssälen sieht man, abgesehen von einer sehr gut erhaltenen römischen Statue, recht belangloses, wie man es kennt. Draussen kann man das Amphitheater, dessen Aussenmauern sehr gut erhalten sind, die Innenseite aber kaum noch als Amphitheater zu erkennen ist. Es hat noch einige Stützmauern, die die Zeit überdauert haben. Weiter oben gibt es das Mausoleum von Ummilia Quadratilla, von welchem noch der untere Teil erhalten ist. Nach einem kurzen Einkauf im Lidl (gottseidank gibt es den hier) kehre ich ins Hotelzimmer zurück, wo ich mit dem Tagebuch beginnen muss, damit ich vor Mitternacht fertig werde.

Real Belvedere di San Leucio, Caserta, Italy

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