09.08.2021 Rom

Ich habe wenig geschlafen, weil ich mit dem Tagebuch erst kurz vor Mitternacht fertig wurde. Zudem ist meine Unterkunft ziemlich übel und mein Zimmer ist heiss. Irgendwie schaffe ich es doch noch, in der kleiderschrankgrossen Dusche zu duschen und dann mir ein Frühstück zuzubereiten. Ich laufe los. Rom ist noch wie ausgestorben um acht Uhr morgens. Die Basilica Santa Maria Maggiore ist noch zu. Beim Forum Romanum ist das Licht alles andere als ideal. Ich laufe zur Fontana di Trevi, wo sie gerade das Wasser abgelassen haben und daran sind, die hineingeworfenen Münzen in Säcke abzufüllen. Der Wert dürfte gering sein, es ist alles Kupfergeld. Das Gewicht scheint jedoch enorm zu sein, die Säcke können nur je zu einem Viertel gefüllt werden. Mein nächster Stopp ist die Piazza di Montecitorio mit dem Palazzo Montecitorio. Die Piazza ist abgesperrt, überall Polizei und Militär, sie scheinen überdies recht nervös zu sein. Ich laufe Richtung Vatikan und komme am Corte de Cassazione vorbei – viel pompöser als unser Bundesgericht. Das Castel Sant’Angelo (Engelsburg) spiegelt sich im Tiber. Diesen überquere ich und laufe in dieselbe Richtung wie das Passetto di Borgo (Fluchtmauer des Papstes), nämlich zum Vatikan. Die Schlange für den Eintritt zum Petersdom ist nicht lang, ich bin bald drin. Der sehr reiche Innenausbau erstaunt jedesmal von Neuem. Den Fuss von St. Peter kann man nicht mehr anfassen (er ist schon sehr abgeschliffen davon), jetzt ist grossräumig abgesperrt. Ich besuche die Papstgruften in der Krypta, doch leider darf man hier nicht fotografieren. Diejenige von Johannes Paul II ist recht schlicht. Dann kaufe ich mir ein Ticket für den Gang aufs Dach, und zwar ohne Lift. Dieser nützt eh nichts, weil den grösseren Teil man sich sowieso zu Fuss durch engste und steilste Treppen zwängen muss. Dazu kommt, dass ein paar Superschlaue beschlossen haben, durch den Aufstieg wieder abzusteigen und damit den Einbahnverkehr lahmlegen. Erst gelangt man in den Innenring der Kuppel, von wo aus man auf das Petersgrab und den Hauptaltar hinuntersehen kann. Weil man nun ganz nah an den Mosaiken ist, kann man sehen, wie diese gemacht wurden. Dann gibt es nochmals einen engen, steilen Aufstieg mit erheblicher Schräge – es geht durch den Zwischenraum zwischen Aussen- und Innenkuppel – bis zur Aussichtsplattform zuoberst auf der Kuppel. Der Petersplatz ist im Gegenlicht, doch man hat dafür einen schönen Blick auf die vatikanischen Gärten. Nun geht es wieder hinunter auf das Dach der Basilika. Allerdings kann man nicht mehr bis ganz vorne zu den übermannsgrossen Heiligen, die den Dachrand verzieren, das ist jetzt abgesperrt. Schliesslich lande ich wieder in der Kirche drin, wo ich noch das Museum des Kirchenschatzes besuche. Leider ist dort fotografieren verboten. Ungewöhnlich ist, dass der Petersplatz noch recht leer ist. Mit der Schweizergarde kann ich diesmal nicht plaudern, denn auch sie sind weiträumig abgeschrankt worden. Sie lassen auch keine Fotos mit Touristen mehr zu. Ich laufe nun wieder über den Tiber zur Piazza Chiesa Nuova und dann zur Piazza Navona. Sie wird von der Fontana dei quattro fiumi dominiert, welche vor der Chiesa di Santa Agnese in Agone steht. Ich besuche die Kirche und schlendere (weil ich so müde bin!) zum Pantheon (Basilica Santa Maria ad Martyres). Eine lange Schlange wartet auf Eintritt, doch sie wird zügig abgearbeitet und so bin ich in weniger als einer halben Stunde drin. Immer wieder eindrücklich, wie die Römer die Baukunst absolut beherrscht haben und ein grosser Teil dieses Wissens für immer verlorengegangen ist. Im Pantheon drin sind das Grab von König Umberto I und Margherita Savoia, und gegenüber das Grab von König Vittorio Emanuele II. Die Bronzetüren des Hauptportals sollen noch aus römischer Zeit stammen. Mein nächster Halt ist beim Largo Argentina, wo noch zahlreiche römische Ruinen innerhalb des Rondells stehen, absurderweise wurde in einer Ecke ein Asyl für herrenlose Katzen eingerichtet, was fast mehr Aufmerksam auf sich zieht wie die Ruinen. Ich gelange nun zum Capitolio, wo ich jetzt die Sonne im Rücken habe, so dass ich ein paar Fotos machen kann. Nach einem Stück Pizza besuche ich das Museo dei Fori Imperiali, das heisst den Trajanischen Markt, der das letzte Mal, als ich hier war, noch nicht offen war für Besucher. Vorab gibt es eine Ausstellung über Napoleons Verhältnis zu Rom, das dergestalt war, dass er sich gerne als römischer Imperator gesehen hätte und darum vieles kopiert hat. Interessant für mich sind die Markenzeichen auf den Ziegeln und den Amphoren, die ersten Herstellermarken der Welt. Jetzt kann man fast das gesamte Traiansforum betreten. Die Römer haben hier auch ein Zeichen ihrer grosser Baukunst gesetzt, insbesondere wenn man bedenkt, dass die noch intakten Gebäude aus Backsteinen gebaut sind. Hinter dem Traiansforum ist der Giardino delle Milizie, durch das Forum hindurch verläuft die Via Biberatica. Zwei halbrunde Räume, die Aula Nord und die Aula Süd (wobei die erstere etwas grösser ist) haben halbe Kuppeln als Decken. Meine letzten Besuche gelten der Piazza del Quirinale, gepackt mit Militär und Polizei, dem verwahrlosten Giardino del Quirinale mit der Reiterstatue von König Carlo Alberto von Savoyen, dem Palazzo Barberini, in dem jetzt ein Kunstmuseum untergebracht ist, der Spanischen Treppe (ständig hört man die Trillerpfeife der Aufsicht, weil sich ein Tourist inadäquat verhält) und der Villa Medici, die aufgrund Müdigkeit nicht mehr besuche. Ich mag auch nicht mehr zurücklaufen, sondern nehme die (leider gepackt volle) U-Bahn. Bei KFC esse ich eine unitalienische, dafür 100% risikofreie Mahlzeit, kaufe eine noch im Supermarkt Wasser und einen Apfel und schleppe mich Richtung Unterkunft. Ein Lancia hält neben mir und der Fahrer ruft: „Ich kenne Dich aus der Schweiz!“ Ich kann mich überhaupt nicht an die Person erinnern und sage das auch. Er meint, er habe in Thal die Pizzeria „Bella Italia“ betrieben (eine solche war mir unbekannt) und habe jetzt ein Business in Mailand und sei für eine Messe hier. Er wolle mir ein paar Kleider schenken. Ich lehne ab und erkläre, dass ich keinen Platz auf dem bereits überladenen Töffli habe. Er ist eingeschnappt und fährt weg. Keine Ahnung, was das war? Kannte er mich wirklich? Ich glaube eher nicht.

Petersplatz, Vatikanstadt, Rom, Italy

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