12.08.2021 Siena-Reggio Emilia

Ich verlasse Siena und bis Poggibonsi, Empoli und Pistoia ist unproblematische Fahrt. Das Navi will mich ständig auf die Autobahn lotsen, doch ich halte dagegen. Ein ganz kurzes Stück muss ich dann doch, weil ich zu spät bemerkt habe, dass es mich dahin lotst und nun keinerlei Alternativen mehr bestehen. Als ich den Pass nach Pavana herauffahre, stockt der Motor und stirbt ab. Nach einer Pause startet er wieder. Offenbar habe ich beim Nachtanken Wasser im Benzin erwischt. Nun muss ich den Tank völlig leerfahren, bevor ich nachtanke. Nach dem Pass gelange ich nach Pavana, wo ich auf eine Staumauer fahre, hinter der gar kein Stausee mehr ist. Dieser ist völlig ausgetrocknet. Kurz vor Gaggio Montana lotst mich das Navi auf ein winziges Strässchen, das nach einigen Kilometern an einer Einbahntafel endet. Ich rede mit ein paar jungen Leuten, aber es gibt keine Alternative, ich muss den ganzen Weg zurück zur Hauptstrasse fahren. Nach ein paar Kreisfahrten finde ich dann einen anderen Weg nach Bombiana. In Iola sehe ich viele Autos, auch Lastwagen vor einem unmarkierten Haus geparkt. Ich halte und tatsächlich ist es eine Fressbeiz, die „Societa Agricola La Padulla“. Für nur 15 Euro esse ich ein riesiges Mittagessen und muss sogar Forfait geben. Ich kann nicht alles essen, was mir angeboten wird. Hätte ich es gewusst, hätte ich vorher ein wenig gehungert. Von dort geht es über kleinste Strässchen mit unsäglichen Flickteppichen von Belägen durch die Berge, ganz steil hinunter (ich möchte nicht bremsen müssen, wenn einer entgegenkommt…). Weiter geht es über Maserno nach Vignola, dann nach Maranello, wo ich wegen der vorgerückten Stunde nicht mehr das Ferrari-Museum besuche, vielleicht ein Fehler. Aber ich will ja noch etwas von Reggio Emilia sehen. Im Verkehrskreisel steht die Pferdeskulptur von Helidon Xhixha, welche gestern beschrieben wurde. Bei der Weiterfahrt springt das Navi ständig aus der völlig bescheuerten Halterung und nur das Gümmeli verhindert, dass es ganz wegspickt. Ich werde versuchen, diese zurückzugeben. In Reggio Emilia habe ich nicht mehr die Kraft, gegen das Navi anzukämpfen und fahre ein paar Kilometer auf die Umfahrung, die eigentlich für Töffli verboten ist, obwohl es eine blaue Strasse ist. Ich gelange zu meiner Unterkunft Guest House San Prospero, einer Wohnung in einem Aussenquartier von Reggio Emilia, neben einem grossen Einkaufszentrum. Ich muss nicht warten zum Einchecken, der Besitzer ist gleichzeitig mit mir angekommen. Dann fahre ich in die Stadt, stelle den Scooter hinter dem völlig heruntergekommenen „Mercure“ Hotel ab und laufe in die Altstadt. Ich komme am Teatro Romolo Valli vorbei, vor dem Musical Fountains in Betrieb sind. Einfach dem grössten Platz nach laufend, gelange ich zur Piazza Prampolini. Dort steht die Kathedrale Santa Maria Assunta, welche den Platz dominiert. Innen gibt sie wenig her. Sie wirkt etwas nüchtern und leer. Die Innenstadt wirkt wie ausgestorben, obwohl schon fast sechs Uhr abends ist. Die Chiesa S. Giorgio kann ich nicht besuchen, weil sie geschlossen ist. Dafür ist die Basilica San Prospero offen. Sie ist wie die Kathedrale mit romanischen Bögen gebaut, hat aber runde Marmorsäulen. In einer Seitenkapelle wurde ein Vorhang als trompe-oeuil aufgemalt. Allerdings bröckelt die Wand, weshalb mit weissem Gips repariert wurde. Schade. Schliesslich besuche ich noch die Chiesa dell’immacolata Concezione e San Francesco d’Assisi. Zwei Herren sind in einer heftigen Diskussion vertieft. Die Kirche ist innen am schönsten von allen drei ausgebaut. Durch den verwahrlosten Parco del Popolo, wo Nordafrikaner in Gruppen zusammenstehen und Musik aus der Boom Box hören und die Parkbänke wie in allen anderen italienischen Städten von Schwarzafrikanern besetzt sind, laufe ich zurück zum Motorrad. Im Einkaufszentrum neben meiner Unterkunft kaufe ich ein frugales Abendessen ein – das grosse Mittagessen lässt nicht mehr zu.

Piazza Prampolini, Reggio Emilia, Italy

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