13.08.2021 Reggio Emilia-Breno

Die Nacht war sehr heiss, und der Ventilator war keine grosse Hilfe. Ich esse ausgiebig Frühstück und schaffe es gerade noch knapp, um acht Uhr in Reggio Emilia abzufahren. Bis Ghedi geht alles reibungslos, ich muss nie auf die Autobahn. Auch um Brescia herum geht alles gut. Ein paar Kilometer werde ich auf die Umfahrung geschickt, aber das ist nicht so schlimm. Dann will das Navi mich wieder um jeden Preis auf die Autobahn zwingen und ich versuche, durch kleinste Dörfer zu fahren, um der Autobahn auszuweichen. So erreiche ich auf Umwegen Iseo. Ich schalte das Navi aus und fahre einfach nur noch den Wegweisern nach, schliesslich kenne ich mich hier ziemlich gut aus. Der Lago d’Iseo glänzt in der Mittagssonne. In Pisogne am nördlichen Ende des Lago d’Iseo sehe ich ein interessantes Automodell in einem Schaufenster und halte kurz an, um es mir anzuschauen. Dabei fällt mir eine Fressbeiz auf – die gibt es hier im Norden! – und ich nehme gleich das Mittagessen ein, Primo Piatto Canneloni, ganz anders als wie wir es kennen, mit feinem Rohschinken gefüllt, als Hauptgang panierter Fisch mit Salat. Wieder sehr günstig. Schade, dass es das im Süden nicht gibt. Ich fahre nun das Valcamonica hinauf und staune, wie industrialisiert und urbanisiert hier alles ist. Am Hang ein Dörfchen wie Zillis, entlang der Hauptstrasse am Talboden eine Stadt wie Wallisellen. Bei einem Supermarkt halte ich und kaufe noch ein paar Mitbringsel ein. In Breno muss ich der Receptionistin anrufen, dann kommt sie gleich und checkt mich ein. Das Casthello Ostello ist eine schöne, moderne, doch leider fast leere Jugendherberge. Ich trage mein Gepäck hinauf, dusche und fahre gleich wieder los, nach Capo di Ponte. Dort besuche ich den Parco Nazionale Dell Incisioni Rupestre, Sitio Naquane. Es gibt hier Felszeichnungen, die teils geritzt, teils gehauen wurden. Die Schnitttiefe ist äusserst gering, weshalb es fast nicht möglich ist, bei Tageslicht die Zeichnungen zu erkennen. Und wie in Schweden mit Farbe gefüllt wurden sie nicht. Das Alter variiert von 3000 v.Chr. bis etwas zum Jahr 0. Einige Zeichnungen zeigen Männchen, Reiter, Tiere, Boote, aber auch Raster, Labyrinthe, Schaufelförmige Körper (was diese darstellen, weiss man nicht) und Häuser. An den Bäumen hängen eigenartige Beutel zur Schädlingsbekämpfung. So wird eine gefährliche und giftige Raupe abgefangen und vernichtet. Als eine dunkle Wolkenwand aufzieht und es beginnt zu donnern, verzichte ich auf den im Eintrittspreis inbegriffenen Museumsbesuch und fahre gleich wieder zurück. In der Tat beginnt es zu stürmen und etwas zu regnen, aber das erwartete Gewitter kommt nicht. Ich erkunde noch etwas Breno. In der Chiesa Sant’Antonio gibt es eine Ausstellung „Premio d’Arte Citta di Breno“. Natürlich hat es viel Hausfrauenkunst darunter, aber auch erstaunlich viele richtig gute, talentierte Werke. Ich staune. Die Hauptkirche, die Chiesa Parocchiale del SS. Salvatore überrascht mit einem schmucken Innenausbau, der mit roten Damaststoffen noch akzentuiert wurde. Als ich erfahre, dass es hier ein Automuseum gibt, das um 21 Uhr öffnet, kehre ich rasch ins Ostello zurück, um das Tagebuch fertigzustellen, damit ich um 21 Uhr ins Automuseum kann. Ich bin dort der einzige Besucher, die Leute freuen sich ungemein über meinen Besuch, seit Covid-19 läuft hier praktisch nichts mehr. Der „Nostalgia Club Auto e Moto d’Epoca“ hat eine grosse Motorradsammlung, fast alles italienische Modelle, sowie ein paar richtig alte Autos. Am meisten gefällt mir der selbstgebaute Ragnoli Paperina (1948), es hat aber ein paar sehr schön erhaltene Fiat und Lancia, ein Käfer Cabriolet, einen Flügeli-Mercedes, einen Ford Anglia, einen Citroen DS Krankenwagen sowie einen Porsche 911, der auf einen neuen Automaten wartet. Auf dem Rückweg höre ich zu, wie die Einheimischen Karaoke machen.

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