14.08.2021 Breno-Passo Tonale-Hofmahdjoch-Stelvio-Santa Maria Müstair

Ein wunderschöner, sonniger Tag kündigt sich an. Ich fahre Richtung Edolo. In einem Supermarkt kaufe ich noch die letzten Mitbringsel. Für die Umfahrung von Capo di Ponte muss ich ganz kurz auf die Autostrasse, sonst ist es immer die Landstrasse. In Edolo gibt es einen kilometerlangen Stau. Ich warte geduldig in der Kolonne, doch als ein ganzer Pulk Motorradfahrer die Kolonne überholt, schliesse ich mich hinten an. Der Stau hat offenbar seine Ursache in der T-Kreuzung. Hier entschliesse ich mich spontan, über den Passo di Tonale zu fahren. Sobald ich darüber bin, geht es flotter voran, aber immer noch extrem viel Verkehr für eine Alpenstrasse. Ich staune nicht schlecht, als mich mein ehemaliger Nachbar Pietro mit seinem Motorrad überholt. Wir wechseln kurz ein paar Worte, dann biegt er ab und nimmt den kürzeren Weg über Bormio in die Schweiz. In einem Dorf vor Ponte di Legno gibt es noch einmal einen gewaltigen Stau mit stehenden Kolonnen, doch auch den kann ich umfahren. Ponte di Legno selbst ist eine Stadt im Hochgebirge, wie man es nicht erwarten würde. Hotels, Supermärkte, Tankstellen, Wohnblöcke. Vor Allem auf Wintersport ausgerichtet. Und ich dachte, ich hätte in Breno den letzten Supermarkt auf meiner Strecke. Eine Luftseilbahn führt direkt auf den Passo die Tonale. Auch dieser Ort ist wieder mit Restaurants, Hotels etc. ausgestattet. Wer würde das hier oben erwarten? Es gibt ein Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkriegs, das ich kurz besuche. Nach dem Passo di Tonale ist die Strecke frei. Es gibt nur noch Gegenverkehr. Offenbar wollen alle auf den Pass hinauf. Ich fahre nun Richtung Hofmahdjoch. Im kleinen Dörfchen Marcena (Rumo) ist gerade Markt, da kaufe ich mir bei einer Pouletbude einen Hühnerschenkel und Kartoffelschnitze. Ab hier sieht man überall Obstbäume in den gemässigten Lagen. Die Passstrasse über das Hofmahdjoch ist gut ausgebaut, auf der Passhöhe geht es durch mehrere Tunnels, der höchste Punkt dürfte im Tunnel drin sein. Ich komme am idyllischen Pankrazer Stausee vorbei und gelange nach Lana im Südtirol. Ueber Nebenstrassen geht es bis nach Meran, dort muss ich kurz, nur einen Kilometer, auf die Umfahrung dann komme ich nach Prad am Stilfserjoch, wo ich meinen Bekannten, den Künstler Lorenz Kuntner, besuche. Er ist wie immer voller Witz und Humor, so dass wir eine lustige Konversation haben. Den Stelviopass hinauf merke ich heftig, dass das Motorrad so schwer beladen ist. 48 Kurven sind zu bewältigen. Den grossen Motorrädern mag ich allemal nach, aber zweimal muss ich in der Kurve abstehen, weil es im ersten Gang nicht genug Zug hat. Oben ist schönster Sonnenschein. Bei der Abfahrt bin ich so gedankenverloren, dass ich die Abzweigung nach Santa Maria Müstair voll verpasse und etwas zurückfahren muss. Ich komme zum Umbrailpass, gleichzeitig auch die Schweizer Grenze. Es gibt keinerlei Zollbeamte (ich hätte auch nichts dabei, was zu verzollen wäre). Nun bin ich wieder in der Schweiz. In Santa Maria Müstair komme ich exakt um fünf Uhr, als sie öffnet, an. Ich stelle meinen Scooter vor die Jugendherberge, checke ein und gehe zum Dorfladen, um etwas zum Essen zu kaufen. Das mache ich im Mikrowellenofen warm, esse es rasch und habe nun Zeit, das Tagebuch zu schreiben.

Lana, Südtirol, Italy

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