23.07.2020 Porto

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  • By: lenel

Ich laufe auf der Rua da Alegria in die Stadt hinein, rund 2.5km. Vor der mit Azulejos verzierten Fassade der Capela das Almas de Santa Catarina halte ich kurz an und gucke in die Kapelle hinein. Die Leute sind gerade im Morgengebet. Ich komme am prunkvollen Teatro Nacional de São João (1908) vorbei und am Centro de Saude de Batalha, auf dessen einen Seite noch Reste der Stadtmauern samt Türmen sind. Nun gelange ich zur Catedral do Sé, doch die Touristeninformation ist wegen Corona geschlossen, deshalb muss ich zum 925m entfernten Hauptbüro laufen. Dort erhalte ich eine Karte von Porto mit den Sehenswürdigkeiten. Im Bahnhof „Estaçao de S. Bento“ gibt es an zwei Wänden schöne Azulejos (die Bilder aus blau-weissen Kacheln). Zurück bei der Kathedrale kaufe ich einen Eintritt. Erst besichtige ich die Kathedrale mit ihren enorm massiven Säulen – ein Wald von Säulen. Es gibt ausführliche Beschriebe über jede der Heiligenfiguren, zum Beispiel über S. Pantaleão, der an einem Andreaskreuz befestigt ist. Ueberschwänglich dekoriert ist die Sakristei, ein Fest von bestem Wurzelholz und Gold. In einer Seitenkapelle des Kreuzganges stehen die Glassärge von S. Aurelio und S. Pacifico. Die beiden wurden wohl mit Gips überzogen. Auf der Dachterrasse gibt es eine Wand mit Azulejos, doch sie ist massiv beschädigt und lieblos geflickt worden. Nach der Capela S. Vicente gelange ich zum Kirchenschatz, welcher mit Silber- und Goldbestickten Messgewändern und Monstranzen und Messbehältern reich bestückt ist. Ueber die berühmte Brücke Luiz I gelange ich auf die andere Seite des Douro, nach Gaia. Nebel zieht auf. Ich besuche das Mosteiro da Serra do Pilar, doch viel gibt es nicht zu sehen. Alles an diesem Kloster ist rund, so die Kirche und sogar der Kreuzgang! Ansonsten wird das Kloster noch militärisch genutzt, deshalb kein Zugang. Von der Aussichtsterrasse habe ich eine gute Sicht auf Porto, das jetzt vom Nebel, der vom Meer kommt, langsam erfasst wird. Liebespärchen haben Vorhängeschlösser an das Geländer gehängt. Sie müssen die Schlüssel aber rund 200 Meter weit geworfen haben, wenn diese im Douro landen sollten… Moderne Trams fahren über die Brücke. Unter der Brücke sind sowohl auf der Porto-Seite wie auch auf derjenigen von Gaia viele Häuser eingestürzt oder haben löchrige Dächer. Schade, an so guter Lage sollte man doch Besitzer finden, die sie instand halten können. Mit dem Teleferico de Gaia fahre ich nach Gaia hinunter. Dort reiht sich Portweinkellerei an Portweinkellerei. In einem kleinen Laden in der Rua Candido dos Reis kaufe ich viele Souvenirs. Am Kai sind Segelschiffe mit Weinfässern angebunden, natürlich Replikas für die Touristen. Es hat erstaunlich viele Touristen aus allen Herren Länder, während im Rest des Landes ich keine gesehen habe. Auch hier hat es zwischen den Portweinkellereien eine Kirche mit gekachelter Fassade. Ich überquere die Brücke und laufe die Rua do Cais da Ribeira entlang und durch die schmalen Gassen der Quartiere an den steilen Hängen des Douro-Tals. In der Casa Porto à Noite esse ich Bacalhão zum Mittagessen. Er ist ausgezeichnet zubereitet. Die Kellnerin freut sich unerhört, als ich ihr das sage. Es verirren sich wohl nicht viel Touristen hierher. Gesättigt laufe ich zum Palacio da Bolsa und zum Mercado, der wohl seine ursprüngliche Funktion völlig verloren hat. Heute ist er ein Schicki-Micki-Restaurant. Nun besuche ich die Casa do infante (alter Zoll). Hier ist das Museu da Cidade (Stadtmuseum) untergebracht. Im Gegensatz zu anderen, die EU-Gelder für sinnlose Animationen vertrödeln, wurde hier eine Sache mit Hand und Fuss gemacht und die Ausstellung ist ganz ausgezeichnet und enorm informativ. Man könnte problemlos einen ganzen Tag darin verbringen. Nur schon die Animation mit Sprachausgabe und Laserpointer auf das Stadtmodell ist toll. Im Grundgeschoss hat man die Fundamente und die Mosaike der ursprünglich darunterliegenden römischen Villa ausgegraben. Das im 14. Jahrhundert darübergebaute Gebäude war eine Zollstation, bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als sie auf die andere Flussseite nach Gaia wechselte. Hier erfahre ich auch, wo früher die Judenviertel waren. Es gab mehrere Synagogen in Porto! Heute ist absolut nichts mehr davon übrig, über eine wurde sogar eine Kirche gebaut. Porto war bekannt für seine Töpferwaren, welche hier gezeigt werden. Ein römischer Bleianker weist zur Sonderausstellung „Heinrich der Navigator und die Neue Welt“. Schliesslich gibt es im Stadtarchiv noch eine Ausstellung über die liberale Revolution von Porto 1820, im Nachgang der napoleonischen Kriege. Hier steht auch eine Druckerpresse vom 17./18. Jahrhundert. Ich laufe noch einmal die Rua dos Cais da Ribeira hinauf, am Platz der Fonte del Cubo vorbei und über die untere Ebene der Ponte Luiz I auf die Seite von Gaia. Weil nun die Sonne wieder scheint, kann ich die Fotos noch einmal machen, diesmal mit Sonnenschein anstelle von Nebel. Diesmal laufe ich zu Fuss zur oberen Ebene der Ponte Luiz I und wieder zurück auf die Seite von Porto. Ich besuche die Igreja de S. Antonio dos congregados (es findet gerade ein Gebet statt) und gelange zur Praça da Liberdade. Diesmal scheint die Sonne auf die Praça do General Humberto Delgado, so kann ich auch hier die Fotos wiederholen. Ich gelange zur Igreja Irmandade dos Clerigos. Sie ist innen reich ausgestattet, mit viel Farbe, Gold und Silber verziert und hat zwei gegenüberliegende Orgeln. Jesus liegt in einem Glassarg, mit einem Gazetuch über ihn, damit die Fliegen nicht an seine Wunden gelangen. Alles sehr wirklichkeitsecht. Ich besuche nun das Museum und den Kirchturm: Das pompöse Sitzungszimmer der Bruderschaft der Kleriker, die Estrade der Kirche, in der unter Anderem eine Heilige-Donnerstags-Urne ausgestellt ist, das Museum der Sakralkunst, unter anderem mit Jansenistischen Christusfiguren, die die Arme nicht im 90-Grad-Winkel, sondern spitz nach oben halten, was bedeuten soll, dass Christus nicht alle, sondern nur die Rechtgläubigen umarme. Der Kirchturm wurde von Nicola Nasoni (1691-1773), einem äusserst kontroversen Architekten und Künstler, erbaut. Der Aufstieg ist nicht besonders anstrengend, lediglich die Einhaltung des Corona-Abstands, denn wenn jemand trödelt, und die spanische Familie vor mir tut das, kann man in der engen Treppe nicht daran vorbei. Oben kommt man erst an einen Balkon, von wo aus man bereits eine gute Aussicht über die Stadt hat, danach auf eine viel kleinere Aussichtsplattform. Von hier aus sieht man gut, dass die grüne Anlage auf der Praça dos Clerigos in Wirklichkeit ein Shoppingzentrum ist, dessen Dach begrünt und zum Park umfunktioniert wurde. Im Kirchturm drin ist ein Carillon installiert, das leider nicht betrieben wird. Ich laufe noch zur berühmten Livraria Lello (angesichts der extremen Schlange von Wartenden verzichte ich auf einen Besuch) und laufe über und durch das Shopping Zentrum. Ein altes Tram erweckt meine Aufmerksamkeit. Ich komme noch an der Igreja dos Carmelitas vorbei und gelange zur Praça da Gomes Teixeira, die von der Fonte dos Leones dominiert wird. Dahinter ein Kaufhaus im Jugendstil. Nun laufe ich zurück zum Hostel, denn die vielen Fotos werden stundenlange Arbeit zum Aufarbeiten benötigen. Auf dem Weg esse ich noch einen Hamburger, billig, viel und ohne jeden Geschmack. Ich hatte mich nicht getäuscht: Bis ich fertig bin mit dem Tagebuch ist es fast 11 Uhr nachts.

Se do Porto, Portugal

Sacristia, Se do Porto, Portugal

Azulejos "Porto Real", Porto, Portugal

Port Cellars, Gaia, Portugal

Porto, Portugal

My lunch, Casa Porto à Noite, Porto, Portugal

Palacio da Bolsa, Porto, Portugal

Rua dos Cais da Ribeira, Porto, Portugal

View on Porto and Ponte Luiz I, Gaia, Portugal

Panorama of Porto, Portugal

Praça do General Humberto Delgado, Porto, Portugal

Igreja Irmandade dos Clerigos, Porto, Portugal

View from Tower, Igreja dos Clerigos, Porto, Portugal

Old Tramway, Porto, Portugal