25.07.2020 Vila Nova de Foz Coa

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  • By: lenel

Heute habe ich ein sehr bescheidenes Tagesprogramm. Schon beim Hereinfahren habe ich festgestellt, dass es wohl etwas vermessen war, zwei Nächte in diesem Dorf einzuplanen. So stehe ich später auf – das bestellte Frühstück mit Getreideflocken ist nicht verfügbar und ich muss meine eigenen, eh schon schmalen Vorräte plündern – und fahre ins rund zwei Kilometer entfernte Dorf. Dort halte ich beim Miradouro, aber ausser einem Blick auf Vila Nova de Foz Coa ist da nicht viel zu sehen. So fahre ich weiter zum Museu do Coa. Es ist ein supermodernes Gebäude. Die eigentliche Ausstellung behandelt die Felszeichnungen des Vale de Coa, aber es gibt noch zwei Sonderausstellungen, eine heisst „Sobral Centeno, O Douro à Tua Frente“ (den Douro vor Dir) mit düsteren Tuschzeichnungen, die für mich fast nur ein Gekribbel darstellen. Die zweite heisst „Antonio Faria, O Desenho Força Que Nasce Do Silençio“ (Die starke Zeichnung, welche aus der Stille wächst) und ist das pure Gegenteil der ersten Ausstellung, helle Bilder aus getropfter Wasserfarbe, welche sich zu erkennbaren Umrissen formen. Sehr geschickt gemacht. In der eigentlichen Ausstellung gibt es eine Unmenge Theorie und viel nutzloses Wissen, aber von den wichtigsten Felszeichnungen (eigentlich sind es Einritzungen) sind Replicas vorhanden. So gibt es eine Replica der Quinta da Barca 3, eine von Penascosa 3, sowie eine von Fariseu 1. Eine Nachbildung eines 10‘000 Jahre alten altsteinzeitlichen Camps ladet zum Selfie mit einem Steinzeitmenschen ein, was ich denn auch mache. Es gibt eine Replica der Felszeichnungen von Canada do Inferno 11 und von Vale da Casa 10. Im letzten Raum wird der Widerstand der Schüler gegen den geplanten Stausee, welcher die Felszeichnungen unter Wasser gesetzt hätte, mit Videos thematisiert. In der Mitte des Raumes steht die Plastik von Alberto Carneiro, „Arvole Mandala para os Gravadores do Vale do Coa“. Ein Besuch bei den echten Felszeichnungen schlage ich vorerst aus, da ich zuerst zum Touristenbüro will, um mich über die Attraktionen des Dorfes kundig zu machen. Dort ist jetzt offen, doch wegen Corona sind die Aktivitäten auf ein Minimum reduziert, es werden lediglich Faltblätter abgegeben. Weitere Attraktionen als das Museum, so das Ergebnis des Studiums der zwei Faltblätter, gibt es nicht. Ich esse im Dorf für portugiesische Verhältnisse teuer, doch sehr gut zu Mittag (Frango asado = gebratenes Hühnchen) und fahre zurück zum Museum, wo man mir Bescheid gibt, die erste Tour sei vollständig ausgebucht und für die zweite Tour gäbe es keinerlei Interessenten, weshalb ich entweder den dreifachen Betrag bezahlen oder darauf verzichten müsse. Ich wähle letzteres. Dann fahre ich zurück in die Jugendherberge, wo ich Buchungen für die kommenden Tage mache. Am späten Nachmittag fahre ich nochmals ins Dorf, fahre auf den Feldwegen so weit es geht um das Dorf herum, besuche noch die Rua da Cruz und den Torre da Castelo und fahre auf einem weiteren Feldweg Richtung Rio Douro. Auf einem Mäuerchen hat ein Witzbold alle Hinterlassenschaften der Zivilisation, wie alte Fernseher, defektes Spielzeug, ein Polstersessel und Haushaltmaschinen aufgestellt, wohl als Warnung gegen die Wegwerfgesellschaft. Weiter geht es in engen Kurven zum Douro hinunter, genau zum Zusammenfluss von Coa und Douro. Diese fliessen unter einer niedrigen Eisenbahnbrücke (sie ist nicht mehr in Betrieb, die Schienen wurden teilweise entfernt) zusammen. Mit dem Schiff kann man deshalb nicht in den Coa einfahren. Ein Motorboot ankert genau vor der Brücke. Ich fahre über die steile und mit rutschigem Rollsplitt bedeckte Strasse wieder ins Dorf hinauf und gehe noch einkaufen und tanken im Supermarkt. Im Hostel wäsche ich ganz schnell meine Kleider, doch gerade als sie sie zum Trocknen aufhänge, kommt ein starker Wind auf und bläst alles davon. So muss ich sie mit meinen dreckigen Fingern (ich habe unterdessen die Kette des Motorrads gefettet) zusammenlesen und wieder ins Zimmer nehmen. Mein Nachtessen besteht wieder einmal aus einem riesigen Peperoni, einer ebenso riesigen Tomate und Joghurt.

Museu do Coa, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Replica of Fariseu 1, Museu do Coa, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Replica of a 10'000 year old paleolithic site, Museu do Coa, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Replica of Vale da Casa 10, Museu do Coa, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Alberto Carneiro, Arvole Mandala para os Gravadores do Vale do Coa, Museu do Coa, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Largo Tablade, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Mural, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Torre da Castelo, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Scrap on Stonewall, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Rio Douro, Vila Nova de Foz Coa, Portugal

Vila Nova de Foz Coa, Portugal