14.06.2019 Kiew

  • Posted on: 14 June 2019
  • By: lenel

Ich stehe früh auf und laufe am Parlament und dem Ploshchad Ivana Franka vorbei in die Innenstadt. Erst besuche ich das Chimärenhaus (Dom Chimer), genau gegenüber dem Präsidentenpalast. Auf dem Dach sind Figuren von Fröschen und Nashörnern und anderen Tieren angebracht, das ganze sieht absurd überladen aus. Von hier aus gelange ich zum Bessarabischen Markt (Bessarabiskyi Rynok), durch den ich schlendere, und dann den Khreshchatik, die Prachtstrasse Kievs, hinunterlaufe. Ich biege links ab und gelange zum Goldenen Tor (Zoloty Vorota), das allerdings nicht aus Gold, sondern aus Stein und Holz gebaut ist. Nicht weit davon ist die Sophienkathedrale, für die ich ein Billett kaufe. Es ist neuen Uhr und sie öffnet aber erst um 10 Uhr, so laufe ich zum unweit gelegenen Michaelsplatz. Dahinter steht ein stalinistisch-protziges Regierungsgebäude, wegen dem das Michaelskloster abgerissen wurde, in den letzten Jahren aber wieder originalgetreu aufgebaut worden ist. Von der Terrasse hinter dem Kloster hat man eine schöne Sicht auf den Dnjepr. Nun ist es bald zehn Uhr. Ich laufe zur Sofienkathedrale (1108-1113), besichtige sie. Interessant ist, dass in die Mauern Tongefässe eingebaut wurden, um das Gewicht zu verringern. In einem Nebenschiff steht auch der Sarkophag von Jaroslaw der Weise. Vom oberen Stock aus hat man eine bessere Sicht auf die Mosaike und Fresken. An der Wand sind seltsame Engel, wie Alessi-Zitronenpressen, aufgemalt. In einem Nebenraum hat die zeitgenössische Künstlerin Oksana Mas aus bemalten Ostereiern ein Marienbild gefertigt. Nun laufe ich zur Wolodimirskyi Sobor, gewissermassen die „Pfarrkirche“ von Kiev. Sie ist nicht alt, da die originale Kirche zerstört wurde. Vorbei an der Andreaskirche gerate ich zum „Touristensteig“, dem von Souvenirhändlern gesäumten Andryivskyi Uzwiz. Ueber einen fast nicht mehr existenten Waldweg, über den mich das Navi hetzt, erreiche die Khorevyi-Strasse, an der das Tschernobyl-Museum liegen sollte. Doch das Haus ist ausgehöhlt, es wird umgebaut. Im nahegelegenen Markt kriege ich ein grosses, preisgünstiges Mittagessen, verliere dann aber die ganze Differenz für eine ultra-teure Wasserflasche in einem anderen Laden. Am Kontraktova Ploshchad steht ein Riesenrad. Ich laufe weiter zum Poshtova Ploshchad und zum Richkovyi Voksal, der Flussschiff-Station, die heute jede Bedeutung verloren hat. Beim Aufstieg zum Europaplatz fällt mir die Magdeburger Treppe auf. Ich laufe zum Majdan, will die U-Bahn nehmen, doch ich finde meine Linie nicht und gerate blöderweise wieder in den Ausgang. So muss ich nochmals – allerdings nur 8 Griwna – bezahlen, um an der richtigen Station Khreshchatik wieder hineinzukommen und fahre zwei Stationen bis Dnipro. Von dort aus laufe ich noch recht weit bis zum Höhlenkloster Pecherska Lavra. Von der Kirche St. Anton und Theodosius von Pechersk gelangt man, mit einer Kerze ausgestattet, zu den Höhlen, in denen man leider nicht fotografieren sollte. Elektrisches Licht gibt es hier drinnen nicht. In den Nischen sind Glassärge mit Heiligen, die von den Einheimischen geküsst und angebetet werden. Es ist ziemlich voll hier unten, ganz Kiev scheint hier zu sein. Weiter oben ist der Komplex mit der Maria-Entschlafens-Kirche. Ich besuche erst das Refektorium, das eine eigene Kirche enthält, komplett mit Ikonostasis. Gebaut wurde das Meiste um das Ende des 19. Jahrhunderts. Danach besuche ich die Maria-Entschlafens-Kirche und die Uspensky-Kirche, die eigentlich ein Teil der ersteren ist. Nun lockt mich das Skythengold-Museum in einem der Nebengebäude. Riesige Goldschätze der Skythen werden hier ausgestellt, meist waren es Grabbeigaben. Im unteren Stock sind kirchliche Silber- und Goldschmiedearbeiten ausgestellt, vor allem Ikonenabdeckungen, Kreuze, Kronen etc. Besonders interessant ist eine sehr grosse Sammlung von Thorakronen und Thoraschildern aus Silber, auch Thorazeiger und Gewürzbehälter sind dabei. Durch die Dreieinigkeit-über-dem-Tor-Kirche verlasse ich den Komplex. Ich komme noch an der Holodomor-Gedenkstätte (an die von Stalin verursachte Hungersnot), eine riesige Kerze mit vier Kreuzen rundherum vorbei, sowie einem Obelisk mit ewiger Flamme als Gedenkstätte für gefallene Soldaten. Am runden Saljut Hotel sowie einem Roshen Schokoladenladen kehre ich ins Hostel zurück, nicht ohne vorher noch kurz etwas zum Abendessen zu kaufen. Aus der Küche werde ich allerdings herausgeschmissen, es heisst, sie sei nur zum Kochen und Essen da. So muss ich mein Tagebuch – es sind täglich drei bis vier Stunden harte Arbeit – im völlig vollgestellten Hostel auf einem Behelfstisch und auf einem Bett sitzend schreiben. Da tut mir der Rücken doch arg weh.