17.06.2019 Cherkasy-Dnipropetrovsk

  • Posted on: 17 June 2019
  • By: lenel

Ich stehe extra früh auf, um noch ins Bad zu kommen, doch eine Frau war vor mir, so dass ich erst mein Morgenessen esse. So schaffe ich es trotzdem noch rechtzeitig, um sieben Uhr vollbeladen abzufahren. Das Navi lotst mich über Nebenstrassen, die ausschliesslich aus Schlaglöchern bestehen zu scheinen, einige so tief, dass sie das Vorderrad stauchen würden. So hötterle ich mit 50 km/h über die Strassen und zu meiner allergrössten Verwunderung komme ich auch so recht zügig voran. Nachdem lange keine Tankstelle gekommen ist, glaube ich bereits, mit der Götschete mit dem Ersatzkanister anfangen zu müssen, als ich in Podorozhnie doch noch eine Tankstelle finde. Ein Kunde (oder ist es der Tankstellenbesitzer) bedeutet mir, ich solle schleunigst verschwinden, doch habe ich nur noch ein paar Tropfen im Tank und tanke zu seinem Aerger trotzdem nach. Die Kassierin macht jedenfalls keine Anstalten, mich zu vertreiben. Ich fahre wie ein Betrunkener in Schlangenlinien um die Schlaglöcher herum, erwische hie und da mal ein kleineres. Die Schatten der Bäume machen es fast unmöglich, die Schlaglöcher zu sehen. Von den vielen Vibrationen zerbricht die Halterung meines Navis, das nun kurze Zeit vorher ebenfalls Forfait gegeben hatte. Nun muss ich mit dem Telefon navigieren, was viel, viel mühsamer ist. Glücklicherweise gibt es nicht viel Abzweigungen. Ein kurzes Wegstück geht sogar auf eine gesperrte Strasse, so dass ich den Feldweg daneben benutze. In Krementchuk, das eine recht grosse Stadt ist, muss ich aufpassen, um den richtigen Weg aus der Stadt hinaus zu finden. Das wäre mit dem anderen Navi einfacher gewesen. Unglaublich, wie die Ukrainer mit hoher Geschwindigkeit über die Schlaglöcher heizen, jederzeit könnte ein Rad abgerissen werden. Bei Uspenka halte ich kur bei einem sowjetischen Soldatenfriedhof. Immer wieder hat es riesige Kornfelder entlang der Strasse, einige noch ganz grün, andere bereits gelb. Auch die Maisfelder sind ganz unterschiedlich im Wachstum. Immer wieder komme ich an malerische Gestade des Dnjepr, wo Autos entlang der Strasse parkieren und die Fischer den Morgen nutzen, um die Angel auszuwerfen. Irgendwo zwischendrin halte ich und esse einen Borshcht zu Mittag. Es ist heiss, die Sonne scheint, ideales Motorradwetter. In Novokomylaivka ist meine Tankuhr wieder mal auf Null und ich hoffe, dass die Tankstelle, die mein Navi anzeigt, auch wirklich existiert – sie tut es. Meine Unterkunft „Good Rooms“ finde ich problemlos, nachdem ich den Hinterhof, in dem es zu sein scheint durchstöbert habe und an einer Tür ein Schild „Good Rooms“ finde. Das Zimmer ist klein, einfach ausgestattet, aber es ist alles da, und endlich habe ich wieder einmal ein Zimmer für mich selbst. Auch mein Scooter kann ich problemlos abstellen. Ich checke ein und laufe in die Stadt, die in der Sommerhitze brät. Ich habe eine Industriestadt erwartet, doch es hat schöne Boulevards, Fussgängerzonen, unzählige Shoppingcenters. Im Supermarkt kaufe ich für Morgen- und Abendessen ein. Die Fahrt heute war äusserst anstrengend, ich bin müde und freue mich auf mein Einzelzimmer.
Dann erkunde ich etwas die Stadt: Fussgängerzone Evropeiska Vulitsa, Verkehrsachse Dimitra Yavornichkogo Prospekt, in der offenbar gerade eine U-Bahn-Linie gebaut wird, Most City, Dreieinigkeits-Kathedrale.