19.06.2019 Dnipropetrovsk-Zaporishshya-Nikopol-Kryvyy Rig

  • Posted on: 19 June 2019
  • By: lenel

In Dnipropetrovsk tanke ich nochmals auf. Es ist eine gute, vierspurige Autobahn bis nach Zaporishshya. Dort fahre ich in die Innenstadt, recht planlos, bis ich glaube, im Stadtzentrum zu sein und stelle den Scooter ab. Tatsächlich bin ich genau im Stadtzentrum gelandet. Ich laufe durch den Mayakovsky Skver und kaufe viele Andenken. Sogar ein Touristenbüro hat es hier und die finden nach längerem Suchen einen Stadtplan. Ich lasse mir den Weg zum Automuseum erklären. Vorab fahre ich aber in die andere Richtung, um die ZAZ Fabrik, wo der Zaporoshiets gebaut wurde (und heute Daewoos). Von hier aus fahre ich zum „Faeton Muzey Tekhnyky“. Ich bin völlig erstaunt über die riesige und hervorragende Sammlung von Fahrzeugen, die sich hier bietet, auch viele westliche Fahrzeuge. In einer Vitrine stehen sowjetische Funkfernsteuerungen für Modelle. Bei den Autos sind ausschnittsweise folgende zu erwähnen: Opel Super 6 (1937), Luxuscabriolet ZIM Gaz 12A (1949), GAZ M1 "Jemka" (1936-43), Truppentransporter BTP152 (1950-55), GAZ69=UAZ69 (1953-72), Luaz 967 (TPK)(1977-91). Bei den Motorrädern viele Izh, Dnjepr 300 Liefermotorrad, alle möglichen russischen Kleinmotorräder, einen Izh Jupiter 2 (1967). Die ortseigene Ecke enthält Luaz 969M (1978-91), ZAZ 968M Milnitsa (1979-94), Projekt New Gorby (2000-2004), ZAZ 968A Zaporoshyets, ZAZ 965, und einen Moskvich 412 Rallye (1970). Bei den grossen russischen Limousinen fallen auf: Volga GAZ-21 (1956-70), ZIM GAZ-12 (1956), GAZ-13 Chaika (1959-81), GAZ-14 Chaika (1977-88). In einer weiteren Militärsektion stehen unter anderem ein GAZ AA (1932-38) und ein Ural ZIS-5B (1944). Bei den Kleinwagen gibt es einen VAZ-1111 Oka (1982-91), zahlreiche Shiguly, einen Trabant, ein Skoda Oktavia Combi 1202 (1961-73), zwei Izh Moskvich 412, einen Warshawa M20. Die Radio/TV Sektion ist geschlossen. Draussen steht zu meinem Erstaunen ein Saurer 2DM der Schweizer Armee. Nun muss ich rasch weiter. In der Stadt kaufe ich mir an einem Stand einen Schaschlik und esse diesen schnell, denn ich will noch rechtzeitig in Kryvyy Rig ankommen. Die Strasse nach Nikopol ist miserabel, aber man kann noch einigermassen zügig fahren. In Baburka und Pokrovske tanke ich nach. Eingangs Nikopol hat es ein Denkmal für die 8000 ermordeten Juden von Nikopol. Ich fahre ans Dnjepr-Ufer, wo die Leute baden. Die Grossstadt ist sehr ländlich. Bei Marjanske sieht man noch einmal auf den Dnjepr, der wie ein Meer wirkt, so breit ist er. Die Weiterfahrt ist mühsam und nur noch ganz langsam möglich, weite Stücke der Strasse haben gar keinen Belag mehr, Schlagloch reiht sich an Schlagloch. Dort wo geflickt wird, ist es dermassen ein Stückwerk, dass man es besser gerade ganz sein liesse. Völlig erschöpft komme ich in Kryvyy Rig an, wo ich meine Bleibe sofort finde. Doch läuten bringt nichts. So telefoniere ich – trotz der extremen Roaminggebühren – dem Eigentümer, der verspricht herzukommen. Als ein Herr aus der Türe kommt und mich anspricht, denke ich, er sei es, doch es stellt sich heraus, dass er ein Bewohner des Hauses ist. Ein anderer Herr kommt dazu, ruft nochmals beim Eigentümer an, der verspricht in zwei Minuten hier zu sein, nichts passiert. Wir plaudern und warten. Erst nach eineinhalb Stunden kommt der Eigentümer, nur um mir mitzuteilen, dass das Zimmer nicht mehr verfügbar sei. Ich solle an die Gagarina 50 fahren. So lade ich den Scooter wieder auf und fahre dorthin. Dort muss ich nochmals lange warten, bis er kommt. Endlich kann ich in einem schäbigen Wohnblock in eine schäbige Wohnung einziehen. Der Kühlschrank tut seinem Namen „Kompressorkühlschrank“ alle Ehre, das sowjetische Modell tönt wie ein Industriekompressor und steht innen vor Dreck. Im Supermarkt kaufe ich etwas zum Nachtessen ein, esse dieses rasch und mache mich dann ans Tagebuchschreiben.