21.06.2019 Kryvyi Rig-Mykolayiv

  • Posted on: 21 June 2019
  • By: lenel

Ich fahre sehr früh aus Kryvyi Rig heraus. Den Weg finde ich problemlos, obwohl das Navi nun ganz kaputt ist – ich kann ja mit dem Handy navigieren. Es geht vorbei an endlosen Weizenfeldern und Kartoffeläckern. Die ersten 50km sind hervorragende Strasse ohne Schlaglöcher. Kaum kommt die Tafel, dass man nun in den Oblast Mykolayiv eintritt (vor Michaylivka), endet die geteerte Strasse und es ist nur noch eine Schlaglochpiste, die zwischendrin einmal ein paar Meter Asphalt hat, dann wieder Schlagloch auf Schlagloch. Dann folgen wieder ein paar Kilometer sehr gute Strasse, bis der Belag wieder völlig fehlt und tiefste Schlaglöcher klaffen. Besonders schwierig ist dies für die Sattelschlepper, welche Materialien von und nach Kryvyi Rig bringen. Ich komme durch Kasanka (innerorts ist die Strasse gut) und in Novyi Bug gibt es eine Umfahrung, die jeder Beschreibung spottet. In Novopoltavka sind viele Autos auf der Strasse parkiert. Ich halte und entdecke eine Messe für Landmaschinen, die auf einem bereits abgeernteten Feld gehalten wird. Gratis Essen und Trinken stehen auch bereit, ich bediene mich natürlich nicht, denn ich will ja keine der Maschinen kaufen. Kurz danach steht ein Ural-Lastwagen aus den 1930er Jahren mit einer Katyusha montiert auf einem Betonsockel, als Denkmal an den zweiten Weltkrieg. Der Strassenrand, sonst von Korn gesäumt, ist nun von Sonnenblumen gesäumt, weil in den Feldern nebenan Sonnenblumen angebaut werden. Vor dem Schild "Bashtanskyi Rayon“ halte ich für ein Foto. Es kommt wieder eine Strecke mit grauenhaften Schlaglöchern. In Marianivka steht ein Ziehbrunnen gleich neben der Hauptstrasse. Eingangs Mykolayiv stehen kilometerlang Lastwagen am Strassenrand, deren Chauffeure auf irgendetwas warten. Das Fox Hostel in Mykolayiv finde ich gut, obwohl das Navy die Route urplötzlich und ohne ersichtlichen Grund ändert. Das Hostel macht einen hervorragenden Eindruck, alles blitzsauber und gut organisiert. Ich schaffe es aber nicht, den Scooter in den Innenhof zu heben, weshalb ich ihn draussen am Gitter festkette. Dann mache ich mich zu Fuss zum Stadtrundgang auf. Ich laufe zur Sobornastrasse, einer schattigen Fussgängerzone (Allee). Das Gebäude „erster Strassenbahnstand“ mit seinem Turm weckt meine Aufmerksamkeit. Heute ist die Raiffeisenbank drin. An einem Haus entdecke ich eine Plakette "Puschkin weilte hier 1820-24“. An einem Kebabstand muss ich unendlich lange warten, bis ich meine Bestellung erhalten, weil er immer wieder andere Kunden dazwischennimmt. Ich laufe die Soborna wieder hinauf bis zum Kulturpalast und ganz hinunter bis zum Skver Kazhtanovy und zum Soborna Ploshchad, wo eigenartigerweise nur eine Kapelle, aber keine Kathedrale steht. Der Platz ist eh eine riesige Baustelle. Auf dem Skver Imeni 68-Y Desantnykiv (Platz der 68 Fallschirmjäger) steht ein Denkmal aus sowjetischer Zeit; der Name ist wohl wesentlich jünger und bezieht sich auf ein zweites Denkmal. Ich laufe zum Ingul-Fluss hinunter, wo ein halbfertiges Passagierschiff offensichtlich schon viele Jahre auf die Fertigstellung wartet, sollte sie je stattfinden. Ansonsten leere Trockendocks, rostige Werftanlagen. Ich laufe zur Marina und über die Ingulskyi Brücke wieder zurück ans andere Flussufer, wo ich am Arkasivskyi Skver vorbeikomme. Im Hostel lade ich mir die Sehenswürdigkeiten herunter und laufe zum Shukov Turm. Das Tor steht zwar offen, doch eine Frau sagt mir sehr bestimmt, der Turm sei geschlossen und ich solle blitzartig wieder gehen. So gehe ich zum Zentralmarkt, kaufe Gurken und Tomaten und zum ATB Supermarkt, wo ich die Milchprodukte kaufe. Das alles lege ich im Hostel in den Kühlschrank und laufe auf der Zentralen Strasse (Prospekt Zentralnyi) Richtung Soborny Strasse und dann weiter bis zur Kreuzung mit der Sadova-Strasse. Hier besuche ich die Kathedrale der Mutter Kasperovskaya und das sowjetisch wirkende Denkmal der Verteidiger. Auch das City Center Shopppingzentrum besuche ich kurz. Dann laufe ich die Sadovastrasse hinunter, wobei mir das Denkmal für ein vereinigtes Europa auffällt. Am Ende des Manganarivskyi Skver steht das ehemalige Gebäude der Admiralität, etwas verlottert, heute beherbergt es Verwaltungsbüros. Ich gelange nochmals zum Platz der 68 Fallschirmjäger und mogle mich durch die Baustelle hindurch zum gewissermassen zentralen Platz der Stadt, der Naberezhna, wo elektrisch betriebene Kinderautos reihenweise zur Vermietung bereitstehen. Von hier hat man einen guten Ausblick auf die Hafenanlagen. Ich kehre nun zurück ins Hostel, wo ich mein Abendessen aufesse und Tagebuch schreibe.