23.06.2019 Odessa

  • Posted on: 23 June 2019
  • By: lenel

Der Himmel ist bedeckt, doch es regnet nicht. Ich laufe am Rathaus vorbei zum Prymorsky Bulevar und zur Potemkinschen Treppe. Nebenan liegt der gepflegte Gretzkyi Park, gestiftet vom Griechen Pantelis Boumbouras. Die Treppe laufe ich hinab und wieder hinauf. Dann laufe ich weiter zur Tschetschin-Brücke, von der man einen Blick auf den Hafen hat. Ich laufe weiter zum Denkmal für die Gründer der Stadt, wobei Katharina II über allen thront. Das Odessa Opern- und Balletttheater liegt im gleissenden Morgenlicht. Gegenüber sind an den Häuserfassaden sowjetische Gefallenendenkmale angebracht worden. Nun laufe ich die Prachtstrasse Vulitsa Deryvasivska hinunter. Im Stadtgarten läuft eine Veranstaltung, das Fernsehen ist auch dabei. Ich besuche die Jugendstil-Ladenarkade „Passage“, mit ihren überladenen Gipsapplikationen. Noch ist sie menschenleer. Auf dem Sobornaya Ploshchad fällt mir das Michail-Voronzov-Denkmal auf. Die Verklärungskathedrale dominiert den Platz. Künstler sind am Aufbauen ihrer Verkaufsstände für ihre Bilder. Ich will zum Odessa Underground Museum und gelange in der Kolontaivska-Strasse in einen riesigen Flohmarkt. Es gibt viele Artikel, die ich nicht mehr als verkaufsfähig erachte, aber das müssen die Verkäufer ja selbst wissen, im Gegensatz zur Schweiz werden sie hier kaum eine Standgebühr bezahlen. Das Underground-Museum finde ich nicht. Im Seredinsky Skver fällt mir ein selbstgebauter „NI Tank“ auf einem Sockel auf. Auf dem Starobazarnyi Garden Square steht ein Denkmal für Anton Holovaty. Im grünen Streifen zwischen zwei Fahrbahnen steht ein Denkmal für Ivan Franko. Dahinter ist der Büchermarkt, wo man allerdings auch Lebensmittel und Alkoholische Getränke kaufen kann. Ich besuche nun das Jüdische Museum. In einer ehemaligen Gemeinschaftswohnung werden Gegenstände aus Odessas jüdischer Vergangenheit ausgestellt, viele Schriftstücke und Bücher, aber auch ein eigenartiger Werbe-Parochet (ein Händler bietet Kippot etc. an), ein Fernsehgerät aus den 1950er Jahren, ein Vorkriegsradio, eine Sholom-Aleichem-Büste, also ein ziemlich wildes Sammelsurium. Eine Sonderausstellung thematisiert jüdische Musiker. Beim Zurücklaufen komme ich durch den unterdessen ganz aufgebauten Bildermarkt beim Soborny Ploshchad und besuche die Verklärungskathedrale, die unterdessen geöffnet hat. Ich gelange zum Gretzkyi Ploshchad. Unweit davon, in der mondänden Vulitsa Deryvasivska, finde ich eine Puzata Chata, das ist eine Restaurantfranchise mit Buffet. So esse ich ein grosses, reichhaltiges Mittagessen. Ich komme nochmals zum Opernhaus und laufe zum José de Ribas Denkmal. Danach laufe ich zum Literaturmuseum, das ich aber gar nicht besuche, sondern den Skulpturengarten. Der ist voller witziger Skulpturen mit Lokalbezug, den ich allerdings bei keiner verstehe. Die Gesichter werden wohl Persönlichkeiten aus Odessa darstellen. Die „musische Bruderschaft“ zeigt drei Ratten, die eine Pyramide tragen. Ich gelange dann zum Pushkin-Denkmal, nochmals zum Opernhaus und zum Stadtgarten. Um zum Kunstmuseum zu gelangen, muss ich durch die vollständig aufgerissene Sofivska-Strasse laufen. Die Sammlung ist überwältigend. Es gibt kaum Namen, die ich kenne, doch die Qualität der Bilder ist erstklassig. Als Beispiele besonders guter Künstler kann ich nur nennen: D.G. Levitskiy (1735-1822), V.P. Vereshchagin (1835-1909), O.Ch. Schweykevich (1842-1919), P.M. Shamshin (1811-1895), I.K. Ayvazovksiy (1817-1900), I.M. Pryanishnikov (1840-1894), V.E. Makovskyi (1846-1920), At the Watchmakers (1887-88), I.Y. Repin (1844-1930), O.A. Popov (1852-1919), V.A. Serov (1865-1911), N.D. Kuznetsov (1850-1930), Solomon Kyshynivsky (1862-1942), I.V. Petrovskiy (1880-1942), Z.E. Serebryakova (1884-1967), V.V. Kandinskiy (1866-1944, weltberühmt). Im oberen Stock ist die Taras-Kollektion ausgestellt, die dem Museum 2018 von Taras Maksimyuk geschenkt wurde. Hier sind vor Allem die witzige Zusammenstellung von Oleksandr Grekhov, Quantensprung Shevchenko (2018) und Stas Podlypsky, Shevchenko (2011) zu nennen. Ueber die Derybasivska Strasse gelange ich zurück ins Stadtzentrum. Mir fallen Mendi's Kosher Restaurant und sogar ein Kosher Hostel auf – in Sowjetzeiten undenkbar.