27.06.2019 Uman-Chmelnyzky

  • Posted on: 27 June 2019
  • By: lenel

Ich fahre um sieben Uhr morgens ab. Ausgangs Uman fülle ich auf. Das Wetter ist wiederum sonnig und warm. In Mala Sevastianivka halte ich an, weil ein Weiher so schön im Morgenlicht gleisst. Eine Zeitlang verläuft die Strasse durch eine Allee aus Trauerweiden. Die Strasse ist – entgegen der Erwartungen – fast durchgehend neu und ohne Schlaglöcher, weshalb ich doppelt so schnell wie geplant vorankomme. In Nemyriv tanke ich wieder auf. In Voronovytsya folge ich einer Tafel und gelange zum Palats Grokholskikh. Drinnen ist ein „Luft- und Raumfahrtmuseum“ eingerichtet. Angesichts der wenigen jämmerlichen Gegenstände ein etwas gar hochgestochener Anspruch. Begonnen wird mit dem Eindecker von O.F. Moschaysky. Dann hat es einige – meist bereits etwas zerfallene – Modelle von Flugzeugen, am eindrücklichsten ist der Litak K-7 (1932), ein paar Modelle von Raketen und unzählige Bilder von irgendwelchen Helden der Sowjetunion. Uniformen und Raumanzüge hat es einige, doch damit kann man wohl kaum Buben für die Raumfahrt begeistern. Ein Schleudersitz und Astronautennahrung sind ebenfalls ausgestellt, sowie Bilder von Kosmonauten und ein Plakat mit Produkten der Flugzeugwerke „Motor Sich“. Schliesslich gibt es noch einen Raum mit Musikinstrumenten (Banduras selbstverständlich) und Porträts von lokalen Komponisten. Nun gelange ich in die Grossstadt Vynnytsya. Zu meinem Erstaunen fahren hier Züri-Trams, in denen ich sicher schon selbst unzählige Male gefahren bin. Sogar die Farben sind noch die gleichen. Nur hier und da hat man verstohlen eine ukrainische Aufschrift angebracht. Mein nächster Halt ist beim Holocaust-Denkmal, das in einer miesen Industriegegend liegt. Gegenüber ist ein Gelände mit alten russischen Hebebühnenwagen. Ich überlege mir noch, ob ich über Kamianets-Podylsky fahren soll, doch eine dunkle Regenwand in dieser Richtung lässt mich diesen Gedanken wieder loswerden. In Sosny tanke ich nochmals auf; der Tankwart ist ziemlich wütend auf mich, weil die Menge unter zwei Litern liegt. Aber dermassen leer fahren will ich den Tank nicht. Beim südlichen Bug, der eher wie ein See wirkt, halte ich erst bei Letytschyv, dann biege ich nochmals von der Hauptstrasse ab und halte bei Holovchyntsi. Hier türmt sich Agrar-Schrott auf, wohl war hier mal eine Kolchose. In Chemlnyzky finde ich mein Hostel gut, obwohl sich die vom Navi gewählte Strasse als gesperrt erweist. Das Einchecken ist problemlos, doch für den Scooter wird mir eine „Avtostoyanka“ an der „Gagarina 19“ empfohlen. Ich frage noch nach, Strasse oder Gasse, es gibt keine klare Antwort. Erst versuche ich die Gagarinstrasse, doch hier gibt es keine Nummer 19. Dann versuche ich die Gagaringasse, doch hier ist die Nummer 19 ein Privathaus. Schliesslich kommt einer der Hostelgäste mit mir und es stellt sich heraus, dass es ein unmarkierter Eingang gegenüber der Nummer 19 ist. Als wir auch noch den Parkwächter finden, kann ich meinen Töff für bescheidene 20 Griwna zwei Tage hier stehen lassen. Mit meinem Begleiter gehe ich einkaufen und esse wie immer Tomaten, Gurken und etwas Käse zum Abendessen. Noch einmal laufe ich in die Stadt hinein, ich denke, wir befinden uns hier gleich im Zentrum. Zur Philharmonie, davor steht das Bogdan Khmelnytsky Denkmal (nach ihm wurde die Stadt benannt), zum Verwaltungszentrum, zum Unabhängigkeitsplatz und zurück ins Hostel. Ich hoffe, dass die Regenfront nicht hierhin zieht, denn es bläst ein scharfer Wind und es ist recht kühl geworden.