30.06.2019 Stryi-Mukachevo

  • Posted on: 30 June 2019
  • By: lenel

Ich hatte eine angenehme Nacht, obwohl die Zimmernachbarn noch lange lautstarkt gestritten haben. Wie immer fahre ich frühmorgens ab. Die Fahrt durch die Karpaten ist wunderschön. Immer wieder geht es über kleine Pässe. Ich halte in Skole, Oryava und Smozhe, wo ich die Heuschöchli bewundere, während der Bauer, der dort sitzt, wohl denkt, ich hätte den Verstand verloren. In Duliby und Volovetskyi tanke ich nach. In Pereval halte ich bei einem sehr gut bestückten Souvenirladen und kann endlich die fehlenden Geschenke kaufen. Ich halte nochmals beim Krasnogorsky Muzhskoy Monastyr, wo gerade die Sonntagsmesse stattfindet. Wie eigenartig, hier werden die Kirchen buchstäblich überlaufen. In Mukachevo muss ich feststellen, dass Navi I (Osmand) mir eine falsche Position angibt und Navi II (Here we go) von Booking.com mit falschen Koordinaten beliefert wurde. Als ich werweisse, was zu tun ist, drängt sich mir ein junger Mann förmlich auf, er wisse, wo das Hostel sei. Ich solle den Töff doch einfach abstellen und dorthin laufen. Wir laufen und laufen, aber nichts kommt. Jetzt wird mir etwas mulmig, denn ich habe weder das Gepäck gesichert, noch die beiden Zusatzschlösser angebracht. So laufe ich gegen seinen Willen zurück zum Töff und fahre dorthin, wo ich glaube, dass das Hostel sein müsse. Tatsächlich finde ich es vor Ort, es ist sogar aussen angeschrieben und stellt sich als schönes, sauberes Hostel heraus. Ich checke ein, kaufe im Supermarkt etwas zum Abend- und Morgenessen und fahre sogleich wieder los, zur Burg Palanok. Die Fahrt über schlimmstes Kopfsteinpflaster ist wie durch ein Bachbett. Ich lande versehentlich am Bahnhof, wo ich im Bahnhofbuffet richtig dick essen gehe. Das kostet für ukrainische Verhältnisse ein Vermögen, 1/30 eines Monatslohns. Bei der Burg Palanok kann man bis zum Eingang fahren, wo ich den Töff parkiere. Ich löse einen Eintritt und besuche die eindrückliche, gut erhaltene Burg. Hier ist noch vieles sehr ungarisch, so gibt es eine Sandor Petöfi Büste im Hof. Von den verschiedenen Schanzen aus hat man eine gute Sicht auf Mukachevo. Die Folterkammer ist sehr düster und die dargestellten Folterszenarien wirken echt und bedrohlich. Ich besuche die verschiedenen Museen, die allesamt die Qualität von Ortsmuseen und – mit Ausnahme der Sonderausstellungen Fürsten Rakoczy, Theodor Koryatovych und Ferenc Kazinczy (1759-1831) keinen Bezug zur Burg haben. Insbesondere die Bilderausstellung zeigt einmal mehr Hausfrauenkunst. Das im Dachstuhl befindliche Museum of Antiquities zeigt ein wirres Durcheinander von ausgestopften Tieren, historischem Bauerngerät und anderen Handwerksgeräten, alles mangels ausreichender Beleuchtung sehr düster. Ein Denkmal erinnert an Ilona Zryny, die Frau von Ferenc Rakoczy II, die in dieser Burg während einer Belagerung weilte. Im oberen Burghof gibt es einen sehr tiefen Ziehbrunnen. Nach dem Burgbesuch fahre ich noch zur „Kirche des Niederkommens des Heiligen Geistes“, eine Holzkirche in einem Verkehrskreisel, die jedoch geschlossen ist. Dies gilt leider auch für die römisch-katholische Kathedrale St. Martin von Tours. Der Kyrill-und-Methodios-Platz beginnt mit einem Denkmal für St. Georg. Eine grüne Allee mit Denkmälern teilt die Fahrbahnen. Danach kommt die Statue des Kaminfegers, und am Schluss die beiden Namensgeber, Kyrill und Methodios, die das glagolytische Alphabet (aus dem sich später die Kyrillische Schrift entwickelt hat) erfunden haben.
Der Rakoczy-Schönborn-Palast, heute Kunstmalerakademie, liegt leider im Gegenlicht. Sein Zustand ist erbärmlich. Eine Gedenkplatte erinnert an die Opfer Stalins. Weiter unten steht die orthodoxe Kathedrale „Kathedralny sobor pochdivskoi ikony bozhoi materi“, einmal mehr mit flacher Decke, und gegenüber die Griechisch-Katholische Kirche. Auf dem Dukhnovitsa Ploshchad, der mit einem Denkmal für Oleksander Dukhnovits beginnt, laufe ich zurück ins Stadtzentrum. Das massive Rathaus liegt leider voll im Gegenlicht, dafür stimmt das Licht für das Theater. Das, was auf dem Stadtplan als Synagoge bezeichnet wird, ist mit Wellblech abgezäunt und wirkt überhaupt nicht wie eine Synagoge, die in Betrieb ist. Ich laufe zum Markt, wo sie gerade am Zusammenräumen sind. Schliesslich gelange ich zur Reformierten Kirche (1795), mit einem Kirchturm wie ein Schlosstürmchen. Noch einmal laufe ich die Kyrill-und-Methodios-Strasse hinunter zum Latorytsia-Fluss, wo eine „Mutter und Kind“ Skulptur steht. Die Leute sind am Baden und Fischen, aber unter der Brücke waschen zwei Randständige die Haare und die Kleider im Fluss.