22.07.2020 Bragança-Porto

  • Posted on: 22 July 2020
  • By: lenel

Ich stehe viel zu früh auf und muss mir noch etwas Zeit totschlagen bis zum Frühstück um 08:30 Uhr. Den Scooter habe ich bereits beladen. Beim Empfang fällt mir eine Tafel auf: „Youth Hostel opened in 2012“. Da staune ich, denn es wirkt wie 30-jährig ohne Gebäudeunterhalt. Bereits um 08:10 darf ich frühstücken und so kann ich um 08:34 Uhr abfahren. Schon bald merke ich, dass das Navi mit den portugiesischen Strassen nicht klarkommt. Egal, welche Route ich eingebe, das Navi lotst mich stets auf die Autobahn. Sogar das Herewego erkennt sie nicht als Autobahn. Immer wieder muss ich ins Blaue weiterfahren, immer in der Hoffnung, dass das Navi zumindest die Strecke bis zur nächsten Autobahneinfahrt korrekt berechnet. Oft ist es aber so überfordert, dass es mich umkehren lassen will. Es kann hier offenbar nur Autobahn. Viele kleine Strassen sind gar nicht auf der Karte eingezeichnet. In Chaos muss ich eine Foto von der Ortstafel machen. Heute war ich wirklich in(im) Chaos. Beim Stausee Barragem de Azibohalte ich an, um Fotos zu machen. Ich komme durch Macedo do Cavaleiros und durch Mirandela. Dann halte ich auf Murça zu. Es sind kleinste, kurvige Bergsträsschen, über die mich die schwierige Navigation führt. Die Berge sind nicht besonders hoch, ein paar hundert Meter, doch sie sind voller Felsen und Geröll. Ich halte beim Santuario Nossa Senhora da Boa Morte bei Populo. Tatsächlich ist hier ein Friedhof angegliedert, wie der Name schon vermuten lässt. Oben auf der Bergkuppe hat es eine Kapelle. Es soll dort ein Fort, das Castro do Populo, gestanden haben. In der Ortschaft Populo esse ich zu Mittag, im Bar Restaurant Europe. Beim Weiterfahren überquere ich den Rio Jorjais. In der Nähe zu Justes hängen an den Koniferen Plastiksäcke. Ich halte und stelle fest, dass hier das Harz geerntet wird. Endlich gelange ich zur grossen Stadt Vila Real. So kann ich nachtanken. Im Supermarkt kaufe ich eine Flasche Wasser und zahle absichtlich mit einer 100-Euro-Note, damit ich diese auf dem Land sonst gar nicht einlösbaren Noten in kleinere Einheiten brechen kann. Nur in grossen Supermärkten werden sie angenommen. Das Wasser war denn auch dringend nötig, denn es ist unsäglich heiss. Ich schwitze in meinem schweren Lederzeug. In Granja halte ich an, um die Aussicht auf Vila Real zu geniessen. Dann geht es Hügel hinauf und Hügel hinab. Die Strasse, die ich nehme, ist unterdessen mit Rota Romanico angeschrieben. Es ist also das Trassee der alten Römerstrasse. Endlich erreiche ich Amarante. Bei der Fonte da Convento de São Gonçalo stelle ich den Töff ab und erkunde das Städtchen. Die Igreja e Convento de São Gonçalo dominiert den Platz. Innen ist gerade ein Gottesdienst im Gange. Es gibt eine äusserst schmucke Orgel mit farbig bemalten Orgelpfeifen. Nachdem ich die Altstadt erkundet habe, muss ich auch noch über die Ponte do São Gonçalo laufen, die Brücke, welche gemäss portugiesischer Geschichtsschreibung heldenhaft (aber vergeblich) gegen die Truppen Napoleons gehalten wurde. Unten auf dem Rio Tâmeca fahren die Ausflügler mit Pedalos umher. Im ehemaligen Kloster ist das Museu Municipal Amadeo de Souza Cardoso untergebracht. Beim Namensgeber handelt es sich um einen offenbar sehr talentierten Künstler, der sowohl Karikaturen als auch abstrakte Kunst gemacht hat. Eine Sonderausstellung heisst "Fuck Art, let's Eat". Künstler sollen Lebensmittel darstellen. Mir fallen auf: Jose de Guimaraes, Serie Mexico; Moises Duarte, sem titulo; Santiago Ydañez, sem titulo; Joana Vasconcelo, Salada de Fruta; Antonio Ferreira de Carvalho, os Diabos de Amarante. Im Untergeschoss hat es eine Sonderausstellung Review Caterian Lira Pereira. Ich fahre weiter und gerate in den Feierabendverkehr der Vororte von Porto. Trotzdem halte ich bei der Igreja do Calvario in Penafiel, deren Fassade voll gekachelt ist. Mit dem Navi, das hier die Autobahn erkennt, habe ich jetzt andere Probleme, nämlich dass es mir die Abzweigungen nicht zuverlässig anzeigt und ständig minutenlang neu berechnet. Trotzdem finde ich schliesslich das Garden in Town Hostel, das tatsächlich einen ganz ausserordentlichen Eindruck macht, mit seiner geschmackvollen, topmodernen Einrichtung. Im Supermarkt gehe ich mein übliches Nachtessen einkaufen: Peperoni, Tomaten, etwas Aufschnitt, viel Joghurt. Danach schreibe ich mein Tagebuch. Der Hostelbesitzer lässt mich den Töff in die Garage stellen. Er ist auch ein Töfffan, so haben wir viel zu plaudern.

My scooter in Chaos, Portugal

Barragem de Azibo, Portugal

Murça, Portugal

Harvesting Resin, near Justes, Portugal

View from Granja on Vila Real, Portugal

Amarante, Portugal

Igreja e Convento de São Gonçalo, Amarante, Portugal

Ponte do São Gonçalo, Amarante, Portugal

Igreja do Calvario, Penafiel, Portugal