30.07.2020 Sevilla

  • Posted on: 31 July 2020
  • By: lenel

Am Morgen kann ich noch ein wenig herumtrödeln und mache Buchungen für die weiteren Destinationen. Um 09:30 Uhr muss ich beim Alcazar sein. Tourist Guides versuchen, uns eine Führung anzubieten. Punkt 09:30 Uhr wird geöffnet und ich kann rein, viele, die nicht wussten, dass man online buchen muss, bleiben draussen. Ich beginne mit dem Löwen-Innenhof. Im nächsten Raum gibt es eine Ausstellung von Fächern (Abanicos), die von Dra. Gloria Trueba Gomez 1997 dem Alcazar geschenkt wurden. Die Admiralshalle wurde jetzt in einen Konferenzraum umgewidmet. Immer wieder schmucke Innenhöfe im mudejarischen Stil. Weiter geht es in das Kapitelhaus, in welchem ein Bild einer Madonna der Indianer hängt, auf dem die Madonna die verschiedenen Eingeborenen aus Südamerika unter ihren Mantel nimmt. Es hat auch ein Modell eines Nao, wie die Santa Maria von Kolumbus. Es geht weiter ins Vestibül und das königliche Schlafzimmer. Jeder Raum hat eine andere Decke, stets im reichen Mudejarenstil. Durch die Halle der verlorenen Schritte geht es zum Patio de las Muñecas, dem Puppen-Innenhof, der so heisst, weil zwei Puppenköpfe (die ich nicht finden kann) irgendwo in den Verzierungen sind. Es geht weiter zur Prinzensuite mit einer besonders eindrucksvollen Decke. Die Räume sind alle nicht mehr möbliert. Ich komme zur Kammer mit der Decke der katholischen Könige, zur Kammer mit der Decke von Felipe II, der überwältigenden Halle der Ambassadoren, dem Innenhof Patio de las Doncellas und zur Kammer mit der Decke von Karl V. Nun geht es hinaus zu den Gärten. Erst zum Garten der Galeeren, wo früher mit aus Büschen geformten Galeeren Wasserspritzereien veranstaltet wurden. Hier steht eine Säule für Almutamid Ibn Abbad, gest. 07.09.1091, der als grosser Dichter bezeichnet wird. Danach geht es zum Garten von Troia. Man kann durch ein Gitter einen Blick auf die Bäder von Maria de Padilla werfen. Weiter geht es zum Frauengarten, wo auch einen betriebstüchtige hydraulische Orgel steht. Jeweils zur vollen Stunde dudelt sie, ich erwische das um 11:00 Uhr. Es geht weiter zum Garten des alten Labyrinths oder Garten des Kreuzes. Einige Enten watscheln mit ihrer Brut herum. Ein alter Wachturm steht verloren da, wohl von einer früheren Mauer her. Nach dem schattigen englischen Garten verliere ich die Uebersicht über die Namen der Gärten, die ich besuche. Nach langem Suchen finde ich den ziemlich versteckten Eingang auf die Umfassungmauer. Von hier gelangt man zur Halle der Wandteppiche, mit fantastisch farbigen, wohl belgischen Wandteppichen. Es geht weiter zur Kapelle des gotischen Palasts und zum gotischen Palast. Damit ist die Tour beendet, ich war doch gut zwei Stunden da. Ich laufe nun zu einem modernen Monument, den Las Setas (2011). Es handelt sich dabei um eine riesige, weisse Holzkonstruktion, welche über der Plaza de la Encarnacion gebaut wurde. Zuoberst auf der Konstruktion verläuft ein blechernen Steg, so dass man rundherum laufen kann. Die Aussicht ist aufgrund der geringen Höhe (28m) nicht besonders berückend. Unter dem Gebäude sind römische Fundamente, die man durch Glasscheiben besichtigen kann. Beim Weiterlaufen schaue ich kurz in die Iglesia de la Anunciacion herein und gelange zur Puente de Triana. Daneben gibt es ein Monumento a la Tolerancia (Denkmal an die Toleranz) mit einer Widmung von Elie Wiesel. Ich komme am Nachbau eines historischen Schiffes vorbei, der Nao Victoria, und gelange zum Torre del Oro und zum Platz Puerta de Jerez. Leider ist die Fabrica Real de Tabacos nun für Besucher geschlossen, auch wegen Covid-19. So laufe ich weiter, am Teatro Lope de Vega vorbei, zur Plaza de España, wo ich noch ganz kurz, bevor es schliesst, das Museo Militar Regional besuchen kann. Funkgerät türmt sich auf Funkgerät und Kanone reiht sich an Kanone. Die lustigen Hüte der Guardia Civil sind auch ausgestellt. Nach der Plaza de España laufe ich weiter zur Plaza de America, welche jetzt gerade schön von der Sonne beleuchtet wird. Hier besuche ich das Museo de Artes y Costumbres Populares, das sich mit historischen Alltagsgegenständen, Wohnungs- und Werkstatteinrichtungen und Produkten beschäftigt. Es gibt u.A. Werkstätten eines Gitarrenmachers, eines Küfers, eines Kastagnettenmachers, eines Goldschmiedes. Lustig ist unter den farbigen „Azulejo“ Kacheln eine mit der Aufschrift „Prohibido Blasfemar“ (verboten zu fluchen). Es gibt Cloisonné Kacheln und sogar Kaninchenhäuser aus Keramik. Auch eine Olivenpresse ist ausgestellt. Eine prominente Familie hat dem Museum eine gesamte Wohnungseinrichtung vermacht, die wohl von zirka 1900 stammt. Durch den Parque de Maria Luisa laufe ich zurück, diesmal zur Triana-Brücke, die den Guadalajara überspannt. Ich überquere sie nach Triana, wo es viel mehr Einkaufsmöglichkeiten als auf dieser Flussuferseite gibt. Hier reiht sich Supermarkt an Supermarkt. Ueber die Puente de San Telmo kehre ich wieder auf die andere Flussseite zurück und frage in einem Töffladen nach einer Dose Kettenspray. Ich werde an „Repuestos Labor“ in der Calle Marques de Paradas verwiesen. Dort erhalte ich tatsächlich eine solche, und erst noch für sehr wenig Geld. Nun muss ich zurück ins Hostel, mein Abendessen zubereiten und Tagebuch schreiben. Heute war es so viel, dass ich gar nicht fertig werde, bis ich zur Besichtigung der Kathedrale um 21.30 Uhr beim Eingang sein muss. Ich warte dort, wo die längste Schlange ist, doch es erweist sich als der falsche Eingang. So muss ich um die Kathedrale herumlaufen. Die Führung gibt es nur auf Spanisch. Unser Guide ist etwas ein Schwätzer, erzählt viel Unwichtiges, nuschelt bisweilen. Wir erfahren, dass hier eine Mesquita mit 17 Säulenreihen stand. Diese wurde zur Kathedrale umgenutzt, war jedoch aufgrund der Lichtverhältnisse unpraktisch und fiel um das Jahr 1500 in einen Zustand der Verwahrlosung, so dass man eine neue Kathedrale baute. Es sollte das grösste gotische Bauwerk von Europa werden. Der Innenraum der Kathedrale – es sind nur ein paar besonders wichtige Gegenstände beleuchtet – ist gespenstisch in seiner Dunkelheit. Wir laufen von Grabkapelle zu Grabkapelle, wobei wir auch viel Unwesentliches erfahren. Bilder von Murillo sind allegegenwärtig. Ein Bild von San Antonio wurde von Dieben zerschnitten, doch das ausgeschnittene Stück wiedergefunden und wieder eingesetzt, nicht sehr fachmännisch. Enorm eindrücklich ist der polychrome Hauptaltar, der bis zur Decke reicht und enorm detailliert geschnitzt ist. Um halb zwölf Uhr ist die Führung beendet und ich kehre ins Hostel zurück. Zu meinem Erstaunen bin ich der erste in meinem Zimmer, die anderen sind noch weg, so dass ich Licht machen kann.

Entrance Hall, Alcazar, Sevilla, Spain

Prince's Suite, Alcazar, Sevilla, Spain

Hall of Ambassadors, Alcazar, Sevilla, Spain

Hall of Ambassadors, Alcazar, Sevilla, Spain

View from Charles V Ceiling room, Alcazar, Sevilla, Spain

Gardens of the Alcazar, Sevilla, Spain

Tapestries Hall, Alcazar, Sevilla, Spain

Las Setas (2011), Plaza de la Encarnacion, Sevilla, Spain

Las Setas (2011), Plaza de la Encarnacion, Sevilla, Spain

Puente de Triana, Sevilla, Spain

Nao Victoria, Sevilla, Spain

Fabrica Real de Tabacos, Sevilla, Spain

Plaza de España, Sevilla, Spain

Plaza de America, Sevilla, Spain

Guitar Makers Workshop, Museo de Artes y Costumbres Populares, Sevilla, Spain

Catedral, Sevilla, Spain

Catedral, Sevilla, Spain

Main Altar, Catedral, Sevilla, Spain