01.08.2020 Cadiz

  • Posted on: 1 August 2020
  • By: lenel

Ich stehe spät auf und mache noch etwas Hausaufgaben mit dem Computer, bis das Frühstück um 08:30 bereit ist. Dann laufe ich in die Stadt, besuche das Oratorio de San Felipe Neri und die Kirche Parroquia de San Antonio. Das Museo Provincial de Arquelogia y Bellas Artes öffnet bereits um neun Uhr und so besuche ich es. Es gibt im Obergeschoss eine erstklassige Kunstkollektion, mit einem Schwerpunkt bei Francisco de Zurbaran, dessen bestes Bild m.E. das von Beato Nicolas Albergati ist. Ein Grossgemälde von ihm ist La Porciuncula. Dann hat es einige Gemälde von Bartolome E. Murillo, zum Beispiel „Los desposorios misticos de Santa Catalina“, sowie von Luca Giordano und Peter Paul Rubens. Aufgefallen ist mir das sehr schöne Selbstbildnis von Victoria Martin del Campo. Weiter hat es Libysch-Phönizische Münzen, und was besonders interessant ist, Silberbarren aus dem 17. Jahrhundert. Ein grossformatiges Werk mit Lokalkolorit ist das Bild von Alejandro Ferrant, Accion de armas de los gaditanos contra los moros en 1574. Im unteren Stock hat es römische Statuen, u.A. vom Kaiser Tiberian, römische Bleianker, römische Blei- und Kupferbarren, den Torso einer Bronzeskulptur eines römischen Kaisers, römische Gräber (eines davon aus Ziegeln), ein phönizischer Parfümbrenner, ein Paar Sarkophage aus der vorrömischen Zeit sowie vorrömische Terrakotten. Ich besuche noch die Parroquia San Agustin, komme am Ayuntaminento (Stadthaus) vorbei, am Antiguo Hospital San Juan de Dios und gelange zum Mercado Central, wo geschäftiges Treiben herrscht. Fisch und Meeresfrüchte werden spottbillig angeboten. Aber auch Früchte und Gemüse, sowie Snacks. Ich laufe nochmals zum Castillo de Santa Catalina, doch es bleibt geschlossen. Immerhin sagt mir der Sicherheitsmann, dass es um 14 Uhr doch noch öffnen wird. Zurück beim Markt kaufe ich mir eine Türe kleiner Krebse, die man roh isst, mit allem. Sie schmecken gut. In der brennenden Mittagshitze laufe ich zur Plaza de la Constitucion, wo der Aufgang zur Stadtmauer leider permanent geschlossen ist, immerhin kann ich noch das Marionettenmuseum Coleccion de Titeres de Francisco Peralta besuchen. Besonders gut gefallen hat mir der Marsilio und die Marotes, das sind fast lebensgrosse Puppen. Auch exotische Stabpuppen und Schattenpuppen sind ausgestellt. In den Arkaden der Stadtmauer haben sich Zigeuner eingenistet, offenbar permanent. Zurück beim Markt bestelle ich mir eine grosse Mahlzeit: Krabbensalat und frittierter Gazon (Hundefisch). Danach laufe ich nochmals zum Castillo Santa Catalina, das jetzt wirklich öffnet. In der Sala Alta de San Nicolas gibt es eine Fotoausstellung mit wirklich guten Werken, in der Sala Baja de San Juan wird die Explosion von Cadiz in 1947 mit Fotos, Zeitungsausschnitten und einem Stadtmodell gezeigt. In der Sala Alta de San Juan wird „Hausfrauenkunst“ ausgestellt, mit dem Namen „Visiones de la Luz“. In der Sala Baja de San Nicolas gibt es eine Ausstellung von Fatima Conesa, Masa Madre. Die Bilder sind allesamt schwarz mit ein paar Schattierungen drin. Die Künstlerin sollte wohl dringend einen Psychiater aufsuchen. Beim Zurücklaufen komme ich am imposanten Ziegelbau Gran Teatro Falla vorbei und gehe zurück ins Hostel, wo ich die Fotos sortiere. Um 18 Uhr laufe ich am Convento de Santo Domingo vorbei zur Casa Iberoamericana, die tolle Ausstellungen von süamerikanischer und einheimischer Kunst haben. Erst besuche ich die Ausstellung Cornelis Zitman, Esculturas. Er hat wie Botero einen eigenen Stil, Personen darzustellen, eine Uebertreibung der Indio-Features. Unter den lebensgrossen Statuen hat es L'Inconnue (1972), Niña vestida (1971), Luna (1992). Eine zweite Ausstellung zeigt Werke von Juan Luis Vassallo. Er ist sehr auf der realistischen Seite. Gefallen haben mir Motorista (ein Motorradfahrer in rasanter Fahrt), Busta de Muchacha (1947), Manuel de Falla (1984) und seine Werkstatt, die vollständig hierher transferiert wurde. Eine weitere Sonderausstellung zeigt „La ola de todas, 10 anos de la asociacion solosurf“. Es werden Bilder von Kindern, denen das Surfen beigebracht wird gezeigt. Künstlerisch ohne jede Relevanz. Daneben gibt es die Ausstellung „Distancia, Retrato de una cuarantena“, welche den kürzliche Corona-Lockdown zum Thema hat. Hier wurde nicht Wert auf die künstlerische Darstellung, sondern auf die Dokumentation der Krise gelegt, was hervorragend gelungen ist. Im oberen Stockwerk befindet sich die Collecion José Felix Llopis, welche Werke südamerikanischer Künstler zeigt. Mir besonders aufgefallen sind die Bilder von Peloggia, ohne Titel, Camilo Eduardo Tavares, Os canganceiros de lampião atacam uma vila do nordoeste, Camilo Eduardo Tavares, Homenagem a Santos Dumont no seu centenario 1873-1973, Molas, traditionelles Nähkunstwerk der Kuna-Indianer von Panama. Wie eine Kinderzeichnung erscheint das Mobile von Manuel Marin (in Wirklichkeit aus Aluminium) und auch das Bild von Gato Fries, La batalla de Balaklava ist klar der naiven Kunst zuzuordnen. Lustig die Bilder von Dirceu Carvalho, welche stets einen Dampfzug im Hintergrund zeigen. Beim Weiterlaufen fällt mir auf der Plaza Merced ein Wandbild mit dem Stammbaum der Familie de los Mellizos de Cadiz auf. Ebenfalls hier ist das Centro de Arte Flamenco mit interessanten Fotografien an den Wänden, gleich neben dem Platz ist die Iglesia de Nuestra Señora de la Merced. Ich besuche noch die Iglesia de Santiago Apostol, gelange zur Plaza de la Candelaria mit dem Emilio Castelar Denkmal und am imposanten Postgebäude vorbei zurück zum Hostel. Im Dia Supermarkt hole ich mir was Kleines zum Abendessen und kann noch kurz in die jetzt gerade wegen Gottesdienst geöffnete Parroquia de Nuestra Señora de la Palma hineinschauen. Ich esse das rasch im Hostel und laufe dann zum Castillo de San Sebastian, denn unterdessen ist es halb neun Uhr abends und ausreichend kühl, um auf dem langen Damm bis zum Castillo zu laufen. Dort erreicht man über eine Treppe den Strand, doch auf den glitschigen Felsen rutsche ich aus und ziehe „einen Schuh voll hinaus“. Ich wechsle deshalb auf die andere Seite des Damms, wo es Sand hat, und kann von hier aus das Castillo und die Playa de la Caleta im Abendlicht sehen. Ueberall hat es Löcher, wie Gletschermühlen, die auf die genau gleiche Art entstanden sind. Am Strand singen und Tanzen eine Gruppe von Leuten. Alle geniessen die Kühle. Ein langer Tag geht für mich zu Ende.

Parroquia de San Antonio, Cadiz, Spain

Silver Ingots (17th c.), Museo Provincial de Arquelogia y Bellas Artes, Cadiz, Spain

Alejandro Ferrant, Accion de armas de los gaditanos contra los moros en 1574, Museo Provincial de Arquelogia y Bellas Artes, Cadiz, Spain

Terracottas, Museo Provincial de Arquelogia y Bellas Artes, Cadiz, Spain

Tuna heads, Mercado Central, Cadiz, Spain

Castillo de Santa Catalina, Cadiz, Spain

Plaza de la Constitucion, Cadiz, Spain

Marote, Coleccion de Titeres de Francisco Peralta, Cadiz, Spain

Castillo Santa Catalina, Cadiz, Spain

Gran Teatro Falla, Cadiz, Spain

Castillo de San Sebastian, Cadiz, Spain

Playa de la Caleta, Cadiz, Spain