05.08.2020 Alquife-Arjona

  • Posted on: 5 August 2020
  • By: lenel

Die Unterkunft in Alquife sah von aussen etwas befremdlich aus, doch sie war ausgezeichnet, sauber und es gab alles, was ein Reisender braucht, ausser dem Wifi, das defekt war. Zudem war die Nacht angenehm kühl, so dass ich den Ventilator ausschalten konnte. Nachdem ich eh alleine im Albergue bin, kann ich schalten und walten wie ich will und so stehe ich ganz früh auf, packe mein Motorrad und fahre los. Erst erkunde ich noch die älteren Teile von Alquife, ganz oben am Berg, dessen oberster Teil, in dem sich auch die Ruinen einer Burg befinden, abgesperrt ist. Oben am Berg sind die Häuser nur noch eingestürzte Ruinen, mit dem unerwarteten noch bewohnten Haus dazwischen und sogar Beginne von Neubauten (die vielleicht nicht mehr fertig werden). Die Leute sind sich Touristen nicht gewohnt und schauen einem neugierig nach. Danach fahre ich zügig durch Jerez del Marquesado und weiter. Es ist richtig kühl, fast hätte ich angehalten und die Töffjacke angezogen. Bei den Höhlen kurz vor Guadix halte ich nochmals und mache bessere Fotos. In Guadix fahre ich in die Stadt hinein, doch wegen der frühen Morgenstunde – es ist kurz vor Acht – ist alles noch zu. Von aussen sehe ich die Kathedrale und das Convento de la Concepcion. Bis zu den Höhlenwohnungen dringe ich nicht vor. Dafür halte ich in Fonelas, das auch zu einem grossen Teil aus Höhlenwohnungen besteht, und mache da ein paar Bilder. Die Höhlenwohnungen, die in den weichen Kalktuffstein gehauen (ich möchte fast sagen, gegraben) sind, haben fast immer eine gemauerte Fassade. Ich stelle mir vor, dass es innen schön kühl ist, wenn es aussen so heiss ist. Leider hat das Navigationsmodul meines Mobiltelefons aufgehört zu funktionieren. Es kann gar keine Ortungen mehr vornehmen. Schon lange war es unzuverlässig, doch jetzt macht es gar nichts mehr. Dabei ist es hardwaremässig nicht defekt, wenn man es mit gewissen Programmen anspricht, meldet es eine Ortung. Das Garmin-Navi hat wieder einmal, anlässlich einer Neuberechnung, die ursprüngliche Strecke in einen wilden Umweg verwandelt. Mit ein paar Tricks kann ich die korrekte Streckenführung doch noch mit dem Mobiltelefon errechnen, indem ich die Ortschaften einfach manuell eingebe. So fahre ich über Pedro Martinez nach Cambil, das ebenfalls Höhlenwohnungen aufweist. Zwei riesige Felsen, in denen Häuser eingehauen sind, dominieren die Stadt. Hier kaufe ich mir im Supermarkt etwas zum Essen und esse es gleich auf dem Dorfplatz. Beim Herausfahren halte ich noch kurz beim Mirador del Portillo, von wo aus man einen schönen Blick auf die Stadt hat. In Guardia de Jaen fahre ich zur Burg Castillo de la Guardia de Jaen. Doch sie wird gerade renoviert, weshalb man nicht herein darf. Ansonsten wäre sie wohl wegen mangelnder Nachfrage aufgrund von Covid-19 geschlossen gewesen. In Arjona fahre ich zu meiner Unterkunft „Desde de la Juderia“, die ich nur wegen dem Namen ausgewählt habe, und bin bass erstaunt, dass es sich um ein Boutique-Hotel handelt, mit wunderschönen Zimmern, die allesamt unterschiedlich, jedoch jedes Zimmer mit Bezug auf einen historischen Gegenstand von Arjona, dekoriert sind. Der Chef ist wahnsinnig hilfsbereit und hilft mir sogar, den Scooter auf den hohen Gehsteig zu heben. Ich erkunde Arjona, dessen Sehenwürdigkeiten – wegen des Ausfalls der Touristen – allesamt geschlossen sind. Ich erkunde das Judenviertel „Juderia“, wo eine Menorah mit einer Gedenkplatte mit den Buchstaben Mem, Aleph und Schin. Zudem gibt es an der Wand der Kirche noch Azulejos, welche auf ein Edikt eine Gothenkönigs aus dem Jahr 612 hinweist, das den Juden die Wohnsitznahme erlaubte. Ich besuche noch die Iglesia de Santa Maria del Alcazar und das Santuario de las Sagradas Reliquias, welche beide geschlossen sind. Danach kehre ich ins Hotel zurück und mache Gebrauch vom Wifi. Wie eine Bombe schlägt das E-Mail von Bernhard ein, der mich darauf aufmerksam macht, dass der Bundesrat eine Quarantäne für Spanien-Rückreisende beschlossen hat. Dabei ist Spanien gar nicht flächendeckend betroffen. Ich muss alle Termine für übernächste Woche absagen und storniere zwei Uebernachtungen. Statt einer gemütlichen Reise gibt es ab Saint-Etienne einen Marathon, 600 Kilometer Autobahn in einem Tag. Wenn ich das durchkriege, muss ich einen wichtigen Gerichtstermin nicht verschieben, weil dann nur die erste Woche ausfällt.
Von diesem Schock noch ganz benommen, laufe ich noch zum Ayuntamiento, zur Iglesia de San Martin, sehe das eigenartige Il Tirtil Denkmal, die Plaza de la Constitucion, den Templo de San Juan Bautista. In einem Supermarkt kaufe ich mir etwas zu essen, genauer hat erst der vierte Supermarkt, in den ich hereinschaue, Joghurt ohne Zuckerzusatz. Gezuckert gibt es alles. Nach dem Essen, das mir heute gar nicht schmeckt (wegen dem Bundesrat, nicht weil ich Covid-19 habe), schaue ich nochmals bei der Iglesia Santa Maria del Alcazar, die jetzt wegen einem Begräbnis geöffnet hat, herein – reine Gotik, auch die Säulen – aber die Iglesia del Carmen (neo-mudejarischer Baustil) bleibt geschlossen. Ein Hund verbellt mich und zwängt sich zwischen den Gitterstäben des Fensters so stark durch, dass er wohl nicht mehr zurück kann. Der Hotelbesitzer offeriert, dass ich den Töff hier stehen lassen und zurückfliegen kann, aber das würde das Problem nicht lösen, nur verschieben, weil die Quarantäne wohl nicht so bald aufgehoben wird und ich nicht wüsste, wie ich ohne den Töff zu einem Flughafen gelangen sollte. Meine Abklärungen haben überdies ergeben, dass es nur ab Madrid direkte Flüge nach Zürich gibt. Ich müsste also morgen mit dem Töff nach Madrid fahren und jemanden finden, der ihn aufbewahrt und dann noch einen Platz auf einem Flug finden. Kaum zu schaffen. Dann ist meine Lösung, wie anhin geplant bis Saint-Etienne zu reisen und dann in einem Herkulesakt die letzten 600km an einem Tag fahren, zumindest sicherer.

Cave Houses, Fonelas, Spain

Torre Cardela, Fonelas to Cambil, Spain

View from Mirador del Portillo, Cambil, Spain

Castillo de la Guardia de Jaen, Spain

Azulejos "Ano 612", Juderia, Arjona, Spain

Juderia, Arjona, Spain

Juderia, Arjona, Spain

Templo de San Juan Bautista, Arjona, Spain

Iglesia Santa Maria del Alcazar, Arjona, Spain