12.08.2020 Pailherols-Saint-Etienne

  • Posted on: 12 August 2020
  • By: lenel

Der Himmel ist dunkel bedeckt. Ich fahre los, auf kleinsten Strassen Richtung Brioude. Kurz nach Brioude komme ich nach Lamothe, ein historisches Städtchen auf einem Felsvorsprung. Ich halte und laufe durch das Städtchen. Mein nächster Halt ist bei der Abbaye de la Chaise-Dieu, deren zwei stumpfe Kirchtürme man schon von Weitem sieht. Ich mache die Besichtigungstour: Kreuzgang, die Audiovideo-Show über Papst Clement VI muss ich wegen Covid-bedingter Ueberfüllung auslassen, Kirche mit einer grossen Orgel, einer Absperrwand zum Chor hin, davor eine Büste von St. Robert, dem Lokalheiligen, dahinter ein Chorgestühl mit der Gruft von Papst Clement VI (1292-1352) in der Mitte (er hatte den Bau der Klosteranlage finanziert). Schliesslich der Altar und seitlich am Chor drei lange Skizzen von Totentänzen, welche nie fertiggestellt wurden. Weiter geht es zum „Echoflügel“, der lange Zeit privatisiert war. Erst gibt es eine Ausstellung von 16 wertvollen flämischen Wandteppichen in einer Qualität von Farbe und Darstellung, wie ich es noch nie gesehen habe. Der Audioguide gibt Erklärungen zum Inhalt ab, der bei sämtlichen Wandteppichen auf dem neuen und alten Testament basiert. Ueber die Escalier Mauriste gelangt man zur Salle Richelieu, wo Faksimile im verkleinerten Massstab der Kunstwerke in der Abtei ausgestellt sind. Der nächste Saal thematisiert den danse macabre, mit einem aufwendigen Video, aber auch mit Erklärungen, wen die verschiedenen Personen auf den Skizzen darstellen sollten. Schliesslich kommt La Salle de l'Echo, wo man auf der einen Seite in die Ecke hineinflüstern kann und auf der anderen Seite hört man es. Geplant war das wohl eher nicht. Vorbei am massiven Tour Clementine, der mehr einen Verteidigungscharakter hatte, gelangt man zurück zum Kreuzgang. Nach der Besichtigung fahre ich ein paar Kilometer zurück, um ein Bild vom ganzen Dorf machen zu können. Dann setze ich meine Reise fort. Immer wieder nieselt es, doch es regnet nie stark, obwohl der Himmel ganz dunkel verhangen ist mit Regenwolken. In Craponne sur Arzon bauen sie gerade eine Chilbi auf. Ich laufe zum Supermarkt, weil ich meine, dass man nicht durch die Stadt hindurchfahren könne. Dort kaufe ich etwas zum Essen ein, laufe zurück zum Töff und fahre weiter. Doch alle meine Versuche, das Stadtzentrum zu umfahren schlagen fehl, weshalb ich am Schluss doch mittendurch muss. Als ich ins Loiretal hinunterfahre habe ich eine schöne Sicht auf das in einer Flussbiegung gelegene Saint-Paul-en-Cornillon. Ueber den Pont suspendu du Pertuiset gelange ich auf die andere Seite nach Unieux und halte dann forsch auf Saint-Etienne zu. Ein polnisch-französischer Motorradfahrer mit einer Yamaha Ténéré 750 macht mir Zeichen, anzuhalten und wir plaudern. Um Punkt 16 Uhr gelange ich beim Maison Rouge Hostel in Saint-Etienne an. Dieses öffnet erst um 18 Uhr. Das Quartier ist miserabel, Häuser mit eingeschlagenen Scheiben, arbeitslose Jugendliche, welche herumhängen. Als ein Hostelgast kommt und die Eingangstüre sperrangelweit offen lässt, gehe ich hinein, packe all mein Gepäck in den Speisesaal und kette danach den Töff an ein Geländer. Nun laufe ich – in voller Töffmontur – in die Stadt. Trotz dem kühlen Wetter schwitze ich wie verrückt. Erst besichtige ich die Cathédrale Saint-Charles an der Place Jean Jauret. Sie dürfte wohl um 1920 gebaut worden sein, ist im eklektischen Stil und innen und aussen keine Schönheit. Speziell ist die nicht besonders bibelgetreue Bundeslade, die in der Apsis steht. Dann laufe zur Touristeninformation, wo man mir einen historischen Rundgang zum Selbstabsolvieren gibt. Ich nenne jetzt nur die auffälligsten Gebäude, allesamt im Jugendstil oder kurz davor oder kurz danach erbaut: Immeuble Martre de France, Immeuble Subit, Hôtel des Ingénieurs. Die Place Neuve ist das Ausgehviertel der Altstadt, mit vielen kleinen Restaurants. Die Place Chavanelle wird von der Eglise Notre-Dame abgeschlossen. Ich muss mich beeilen, denn es ist schon sechs Uhr und ich will den Scooter so rasch wie möglich an einen sicheren Ort stellen. In der Nähe des Place du Peuple esse ich rasch ein Dürüm und ich muss in zwei Supermärkte gehen, bis ich einen ungezuckerten Naturejoghurt finde. Es fällt mir noch ein Geschäft „KLO Beauté“ auf und ich denke: „der Name passt, die Wirkung von Schönheitsprodukten ist meist zum Runterspülen“. Im Hostel werde ich sehr positiv überrascht. Es gibt einen Abstellraum, in den ich meinen Scooter stellen kann. Ich checke ein und muss zuerst mal duschen, denn ich bin patschnass. Dann beginne ich mit dem Tagebuch, was heute wieder besonders viele Stunden beansprucht. Morgen ist meine 600-km-Fahrt heim.

Lamothe, France

Choir, Eglise Saint-Robert, L'Abbaye de la Chaise-Dieu, Chaise-Dieu, France

Dance of death, Choir, Eglise Saint-Robert, L'Abbaye de la Chaise-Dieu, Chaise-Dieu, France

Tapestries, Wing of the Echo, L'Abbaye de la Chaise-Dieu, Chaise-Dieu, France

La Salle de l'Echo, L'Abbaye de la Chaise-Dieu, Chaise-Dieu, France

Le Cloître, L'Abbaye de la Chaise-Dieu, Chaise-Dieu, France

View on Saint-Paul-en-Cornillon, France

Cathédrale Saint-Charles, Place Jean Jauret, Saint-Etienne, France

Immeuble Martre de France, Avenue de Liberation, Saint-Etienne, France

Hôtel des Ingénieurs, Avenue de Liberation, Saint-Etienne, France

KLO Beauté, Saint-Etienne, France

Place Neuve, Saint-Etienne, France