07.06.2026 Chiclana de la Frontera-Cadiz

Ich verabschiede mich von meinen Gastgebern und muss noch die Kette schmieren, bevor ich abfahre. Auf der Autobahn geht es nach Cadiz. Mein Hostel ist im historischen Zentrum gelegen. Ich folge den Instruktionen des Navis, allerdings im Schrittempo. Auf einmal klopft mir jemand auf die Schulter. Es sind zwei Polizisten, die mir erklären, dass dies eine Fussgängerzone sei (ich habe definitiv kein Schild sehen können). Doch sie sind friedlich und lassen mich mein Töffli bis zum Hostel „Casa Caracol“ schieben. Dort werde ich sehr nett empfangen, kann mein Gepäck in die Aufbewahrung geben und schiebe das Töffli in die Calle Plocia, wo ich es parkiere und gut abschliesse. Auf der Plaza San Juan de Dios wird eine Prozession vorbereitet. Blasmusiken stehen dort. Ich laufe zur Plaza Catedral und aus der Kathedrale strömen Hunderte von Prozessionsteilnehmer und immer wieder „Pasos“, Prozessionsplattformen, auf denen Statuen von Christ und von Heiligen sind, umrahmt von Kerzen. Unter den Pasos stehen verdeckt und Schulter an Schulter eine grosse Anzahl junger Männer, die diese tragen. Vorne und hinten sind je zwei sichtbare Träger, welche mit einem Stock einen Takt auf die Strasse klopfen. Es ist interessant, wie sie haarscharf an Balkonen und Storen vorbeigelotst werden und wie sie um die engen Kurven trippeln. Von Zeit zu Zeit werden die Pasos abgestellt und die Träger müssen sich von der schweren Last erholen. Zum Mittagessen lediglich ein Salmurejo und ein wenig Aufschnitt. Ich laufe nun zum Castillo de Santa Catalina, einer Festung im Meer, die nur an einer Stelle mit dem Land verbunden ist. Es gibt dort zwei Ausstellungen: Oceano von Candi Garbarino, das ist eine Serie von Bildern, die die Wellen darstellen sollen, und La Explosion de Cadiz de 1947, eine Ausstellung über die (grobfahrlässig herbeigeführte) Explosion eines Munitionslagers im U-Boot-Stützpunkt, welche einen erheblichen Teil der Stadt zerstörte, 150 Menschen das Leben kostete und über 1000 Verletzte verursachte. Danach laufe ich zurück, komme am Gran Teatro Falla, das im maurischen Stil gehalten ist, vorbei. Beim Santuario de N.S. del Rosario Coronada komme ich wieder zur Prozession, diesmal mit anderer Blaskapelle. Ich gelange zum Torreon de las Puertas de Tierra, einem Stück Stadtmauer mit Turm, das Durchlässe für die Strassen aufweist. Zum Schluss besuche ich noch die Kathedrale „Catedral de Santa Cruz sobre las Aguas“. Gleich nach dem Eingang kommt ein riesiges Chorgestühl. Als Altar hat es unter der Kuppel ein rundes, von Säulen gestütztes Tempelchen. 16 Seitenkapellen sind vorhanden, einige davon leer. In der Krypta sind nicht nur die Gruften von Manuel de Falla und José María Pemán, sondern es hat auch eine Ausstellung, einmal mehr, über das Turiner Leichentuch und seine „wissenschaftliche Auswertung“. Höhepunkt ist eine lebensgrosse und echt wirkende Wachsfigur von Jesus Christus, wie er gemäss den Abdrücken vom Turiner Leichentuch ausgesehen haben soll. Schliesslich klettere ich noch auf den Turm, der keine Treppenstufen hat sondern einfach eine Art Rampe. Oben hat man eine wunderbare Aussicht über Cadiz, zu dieser Tageszeit absolut ideal. Allerdings macht mir der Schwengel einer Glocke etwas Sorgen, sein Bolzen ist fast herausgefallen. Ich fühle mich jetzt gar nicht mehr gut – wohl habe ich zuviel Sonne erwischt. So kehre ich ins Hostel zurück. Immer noch hört man die Prozessionen, die nicht enden wollen. Morgen habe ich einen Tag Aufenthalt in Cadiz.