Ich muss warten, bis der Laden um neun Uhr öffnet. Dann nehme ich meinen Scooter heraus. Es regnet (noch) nicht, doch der Himmel ist mit Regenwolken bedeckt. Das Navi schickt mich in einer hirnrissigen Route durch ganz Newcastle. Das hätte man wohl kürzer haben können. Ich fahre gemütlich, denn die englische Raserei behagt mir nicht. Bei Belsey Hall folge ich den Schildern zum Schloss, doch der Eintritt ist hoch, der Zeitverlust wäre es wohl auch, denn man müsste wohl noch einen langen Fussweg gehen, so verzichte ich auf einen Besuch. Das Wetter macht zunehmend zu und es nieselt von Zeit zu Zeit. Als ich bei 100 Kilometern bin und nachtanken müsste, ist weit und breit keine Tankstelle in Sicht. Ich muss noch etwas mehr als 40 Kilometer weiterfahren, bis nach Jedburgh komme. Dort halte ich kurz bei der Abbey, respektive den übriggebliebenen Ruinen davon. Dann suche und finde ich die Tankstelle. Es hatte nur noch einen halben Liter im Tank. Ab jetzt regnet es jeweils ziemlich heftig, dann hört es wieder auf, dann fängt es wieder an, weshalb ich das Regenzeug nicht anziehe. In Earlston halte ich bei Morrison’s und kaufe mir etwas Warmes, denn bisher war es sehr kalt. In der Nähe von Dalkeith bin ich wieder bei 100km angelangt und sollte nachtanken. Leider ist die Tankstelle an einem blöden Ort, weshalb ich einen gewaltigen Umweg machen muss, um dorthin zu gelangen. Mit einer Stunde Verspätung komme ich in Edinburgh an, wo ich im High Street Hostel einchecken will. Allerdings gibt es ein Problem: Meine Buchung wurde am falschen Datum eingetragen. Nachweislich nicht mein Fehler, weshalb mit viel Aufwand mir dann doch noch ein Bett zugewiesen werden kann. Ich richte mich ein, parkiere den Scooter auf einem Töffparkplatz und gehe auf Erkundungstour von Edinburgh, das ich ja auch schon bereist habe. Die Sonne blinzelt ein wenig durch die Wolken. Erst zur Touristeninformation, wo ich ein Plänli mit den Sehenswürdigkeiten hole, dann zum Schloss – ein Besuch ist nicht möglich, bis Samstag sind bereits alle Billette verkauft. Angesichts der Menschenmassen, die sich hinein- und hinausdrängen, wäre es wohl auch nicht angenehm. So laufe ich die Royal Mile hinunter. Ueberall stehen Dudelsackspieler. Es gibt Gaukler, Zigeuner mit und ohne Geige bzw. Akkordeon, Zauberer, etc. Ich besuche die St. Giles Cathedral, die insofern erwähnenswert ist, dass das Pulpit in der Mitte der Kirche ist und dass es einen relativ neuen (1911) Anbau, eine Art Kapelle, gibt, in dem die verschiedenen Lords ihre reservierten Stühle haben. Als ich herauskomme, ist der Himmel wieder grau bedeckt, so eile ich nochmals zum Schloss, in der Hoffnung nun ein Foto ohne Gegenlicht machen zu können. Danach laufe ich die Royal Mile hinunter, wo sich das Schottische Parlament befindet und gegenüber das königliche Schloss Holyrood. Ich bin genau 10 Minuten zu spät für den Eintritt, die Kasse hat schon geschlossen. Da ich schon einmal da bin, laufe ich noch etwas weiter zum Lidl, kaufe für Nachtessen und Frühstück ein. Wieder einmal viel zu viel! Das Essen ist recht billig hier, so dass man stets versucht ist, mehr zu kaufen, als man eigentlich essen will. Und aufbewahren kann ich ja nichts. Telefoniere mit Mark und melde meinen morgigen Besuch an.



















