Ich beginne meine Erkundungen mit einem Spaziergang zur Kathedrale. Auf dem Weg dahin komme ich an der viktorianischen Glasgow Royal Infirmary vorbei. Die Kathedrale öffnet gerade. Der Eintritt ist frei. Die Konstruktion ist gotisch, doch das Dach ist aus Holz, kein Bogengewölbe wie sonst üblich. In der Krypta ist das Grab von St. Mungo. Eigenartig die Chapel of St. Nicholas, in der ein Tisch mit Stühlen drum herum steht. Wieder oben, besuche ich den Chor. Über der Chapel of St. Nicholas befindet sich der Kapitelsaal, der allerdings als Büro eingerichtet scheint. In der Mitte des Hauptschiffes befindet sich recht die etwas abgesenkte Blackader Aisle, eine Seitenkapelle. Da kommt einem Rowan Atkinson als Blackadder in den Sinn. Nicht weit von der Kathedrale ist der riesige Backsteinbau University of Strathclyde Barony Hall, der ebenfalls eine grosse Kirche beinhaltet. Auf verschiedenen Hausfassaden sind kunstvolle Gemälde angebracht. Ich laufe dem Saltmarket entlang zum Glasgow Green, einem grossen, gepflegten Park. Hier wie auch überall sonst in der Stadt sind die „Scottie Dogs“ aus Fiberglas aufgestellt und jeder wurde von einem anderen Künstler bemalt. Ich komme am Glasgow 2014 Monument und am Trafalgar Obelisk vorbei und gelange zum People’s Palace. An diesem Glaspalast hat der Zahn der Zeit sehr genagt und er ist weitläufig abgesperrt. Ob er nochmals instand gestellt wird? Ich laufe jetzt ins Stadtzentrum. Der George Square ist eine einzige Baustelle, alles ist abgesperrt. Rundherum hat es das Museum of Modern Art, die St. George‘s Tron Church, den St. Enoch Square. Der Reiterstatue von Wellington hat man gleich zwei Pylone auf den Kopf gesteckt. Mit der U-Bahn – von Stadler gebaut – fahre ich nach Govan. Dort findet gerade die Provincial Grand Black Chapter of Scotland parade statt, ähnlich wie in Nordirland. Schwarz gekleidete Herren und Blaskapellen in Uniformen ziehen vorbei. Ueber die Govan-Partick Brücke erreiche ich das moderne Riverside Museum. Das Museum ist vollgestopft mit schönen Technikexponaten. Heute ist Samstag, da ist es leider völlig überfüllt, Familien mit Kindern überall. Es hat seltene Motorräder, eine ganze Wand mit Autos, viele davon schottischer Herstellung, alte Trams, in Schottland gebaute Lokomotiven, darunter eine südafrikanische Class 15F, Modelle von in Schottland gebauten Schiffen, Schiffsdampfmaschinen, den ersten in Schottland gebauten Hillman Imp, das angeblich erste Velo mit Pedalen, dasjenige von Gavin Dalzell (1846), Gurney’s Steam Drag Chassis (1831), aus einem wohl ersten Dampfautos Englands. Vor dem Museum liegt das Tall Ship Glenlee, das ich nun besuche. Ursprünglich ein reines Segelschiff, wurde es in Italien mit einem zusätzlichen Dieselantrieb ausgestattet. Das hier gebaute Schiff wurde in einem jämmerlichen Zustand in Spanien entdeckt, nach Glasgow zurückgeführt und hier in jahrelanger mühsamer Freiwilligenarbeit instandgestellt. Um halb fünf Uhr bin ich nicht mehr aufnahmefähig und nehme die U-Bahn zurück zur Station Buchanan, von wo es nicht mehr weit zu meiner Unterkunft ist.
































