09.08.2026 Glasgow

Es regnet heftig. Als ich das Ladegerät für das Handy ausstecke, zerbricht es dort, wo es schon einmal gebrochen war. Ich bin auf das Ladegerät angewiesen und eines mit englischem Anschluss möchte ich nicht kaufen. So laufe ich ins Stadtzentrum und hoffe, einen Poundstore zu finden, der schon offen ist, da ich dort sicherlich Kleber kaufen kann. Nach einiger Suche in Sauchiehall Street finde ich tatsächlich einen und kaufe eine Packung Zweikomponentenkleber aus China. Zwar stellt sich diese als allergrösster Beschiss heraus – die beiden Tuben sind zu 5% gefüllt – doch für meine Zwecke reicht es gerade. Ich leime das Ladegerät zusammen und beschliesse angesichts des Wetters, den Tag im Museum zu verbringen. Da ich immer noch viel zu früh dran bin, laufe ich bis zum rund fünf Kilometer entfernten Kelvingrove Museum. Im Kelvingrove Park wurden extra Zonen, in denen die Dudelsackbands proben können, ausgesondert. Das Kelvingrove Museum ist in einem eindrücklichen Gebäude untergebracht, kirchenähnlich, mit einem grossen Querschiff. Erst besuche ich die Ausstellung „Expression”, bei der es um Gesichtsausdrücke bei Kunstwerken geht. Danach die Ausstellung über die Malergruppe “The Glasgow Boys”, welche allesamt wirklich ausserordentlich talentiert waren. Im Raum daneben sind verschiedene schottische Gegenstände ausgestellt, unter anderem auch ein Auto, ein Anderson Special Mk II (1930), gewissermassen ein Geländebuggy der ersten Stunde, perfekt konstruiert. Ebenfalls hier hat es ein Modell des George Bennie Railplane (1930). Ein Prototyp und eine kurze Teststrecke wurden gebaut, aber 1956 verschrottet. Ein besonderes Bild in einem eigenen Raum ist Salvador Dali’s Christ of St. John of the Cross (1951). Unter den schottischen Malern wird John Quinton Pringle, einem Optiker, der als Laie allerdings sehr gut malte, viel Platz eingeräumt. Es gibt historische Ansichten von Glasgow, sehr viele dekorative Bilder im Jugendstil. Eine Abteilung zeigt naturhistorische Exponate, so ausgestorbene Tiere, einheimische Wildtiere und eingeschleppte Schädlinge. Sogar ein Haggis hat es! In der Halle ist ein Flugzeug aus dem zweiten Weltkrieg aufgehängt. Sehr störend und kontraproduktiv sind die überall aufgehängten, von Woke-Ideen inspirierten Schilder mit endlosen Entschuldigungen und Selbstbezichtigungen wegen Rassismus und Sklaverei. Um drei Uhr wird die grosse Orgel gespielt, das Spiel dauert eine ganze Stunde. Ich höre gebannt zu. Nun muss ich pressieren, wenn ich den Rest noch sehen will. Die Sammlung französischer Maler ist absolut erstklassig, allesamt hervorragende und zum Teil extrem wertvolle Bilder von allen grossen Malern wie Picasso, Vincent van Gogh, Camille Corot. Bei den niederländischen Malern sind es auch alles hervorragende Bilder, von David Teniers d.J., Jacob Jordaens, Jan Brueghel d.J., Hendrik van Balen d.Ae., Peter Paul Rubens, Rembrandt van Rijn, Jan van Goyen oder Willem van Aelst. Fulton’s Grand Orrery von 1833 ist ein feinmechanisches Meisterwerk, das die Planetenbewegungen darstellt. Schliesslich hat es noch einen Waffensaal, wo Schwerter und Rüstungen ausgestellt sind. Hier ereilt mich die Schliessung und ich muss das Museum verlassen. Mit dem Doppeldeckerbus – ich sitze oben ganz vorne – fahre ich zurück. Unterdessen hat der Regen aufgehört und es scheint sogar ein wenig die Sonne. Ich hoffe, dass dies bis morgen anhält. Im Hostel koche ich mir ein riesiges Nachtessen.