10.06.2026 Jerez de la Frontera-El Rocio

Die Nacht war schrecklich, die ganze Nacht hatte ich Ischias und nichts half. Erst gegen Morgen hörten die Schmerzen auf. Ich schlafe lange und gehe erst um 09:30 aus dem Haus. Ich muss noch etwas herumtrödeln, bis die Sherry-Galerie öffnet. Das Museum ist supermodern und zeigt die Geschichte des Sherry, auch die Anbaugebiete der Trauben, die verschiedenen Etiketten, die teuren Produkte, die Verarbeitung. Mein Guide ist Italiener und sein Englisch ist ganz schlecht, ich hätte vielleicht besser gesagt, er solle italienisch sprechen, aber dann hätte er wohl viel zu schnell gesprochen. Am Schluss muss ich mich beeilen, damit ich im Zentralmarkt noch schnell ein Linsengericht zu Mittag essen kann. Leider hat es einen Stein drin, auf den ich voll draufbeisse. Aber glücklicherweise scheint kein Schaden entstanden zu sein. Fünf Minuten vor 12 Uhr checke ich aus dem Hotel aus, zum Glück, sie wären nicht bereit gewesen, mir auch nur ein paar Minuten länger zu gewähren. Ich fahre los. An einem Punkt zeigt mir Google Maps zwei Möglichkeiten an und ich wähle wohl genau die falsche. So komme ich auf die Autobahn, die mich durch Sevilla hindurch führt, natürlich alles stehende Kolonnen, die ich mühsam zwischen den Autos durchfahren muss. In Carrion verlasse ich die Autobahn wieder. In Pilas kaufe ich im Supermarkt „El Jamon“ einen Zvieri – Joghurt, ein Vollkornbrötli und eine Banane. Dann fahre ich nach El Rocio. Meine Unterkunft erweist sich am Ende einer Sandpiste. Mit meinem Töffli fast nicht zu machen, aber ich kämpfe mich durch. Als ich dort bin, ist die Türe geschlossen. Ich rufe den Besitzer an, der mir sagt, dass ich zurück zur Nummer 18 fahren soll. Aber in diesem Sand fahre ich keinen Meter zuviel, was ich ihm auch sage. So avisiert er seinen Adlatus, ein Nicaraguaner namens Kevin, der mir aufschliesst und mich in mein Zimmer einweist. Ich richte mich ein und laufe sogleich wieder los. Erst zum Büro des Nationalparks, um mich zu vergewissern, dass ich morgen an den richtigen Ort komme. Dann laufe ich durch das eigenartige Dorf. Da das Dorf das Ziel der grössten Wallfahrt Spaniens ist, sind eine Grosszahl der Häuser Pilgerhospize der verschiedenen Bruderschaften, meist pro Ort eine. Das Wallfahrtsziel ist die Ermita (Iglesia de Nuestra Señora del Rocio), eine 1964-69 erbaute, weisse Kirche mit einem goldenen Altar, der bis in die Kuppel geht. Darin ist eine etwa einen Meter grosse Marienstatue, natürlich ganz von Gold umrahmt. Nicht weit davon entfernt ist ein kleiner See. Flamingos sind darin und tiefgrünes Schilfgras, ein heftiger Kontrast zum Sand von El Rocio. Ich laufe durch die Stadt, die wie eine Westernstadt wirkt, auch der Stil der Häuser und die Geländer zum Anbinden der Pferde davor. Einige Häuser sind mit „Abuelos de ….“ angeschrieben, offenbar weil es kaum Strassennamen gibt und schon gar keine Nummern. Im Supermarkt kaufe ich mir vom Traiteur ein feines, kohlenhydratarmes Abendessen, wobei ich noch viel mehr kriege, als ich bezahlen muss. So mampfe ich wohl 400 Gramm Fleisch in Tomatensauce, ein feines Nachtessen.