12.06.2026 El Rocio-Tarifa

Die Nacht war einmal mehr wegen Ischias schlimm. So bin ich ganz froh, als ich kurz vor sechs Uhr aufwache und mich bereitmache. Den Schlüssel deponiere ich wie abgemacht, dann lade ich meinen Scooter und versuche, durch den losen Sand die 500 Meter bis zur Teerstrasse hinzukriegen. Der Scooter will sich immer wieder ablegen und ich muss ihn mit den Füssen geradehalten. Endlich habe ich diese erste Schwierigkeit geschafft. Bis nach Hinojos ist die Strasse echt übel, Schlagloch auf Schlagloch, kaum etwas Teer darum herum. In Coria del Rio tanke ich auf. Das Navi will mich auf eine Strasse senden, die es gar nicht gibt. Dreimal fahre ich um den Kreisel und die Strasse hinunter und wieder hinauf, aber definitiv gibt es hier diese Strasse nicht. So fahre ich Richtung Dorfzentrum und nehme dann die Fähre über den Guadalquivir. Danach ist das Navi zufrieden und weist mich wieder zuverlässig, wenngleich ich ein paar Kilometer auf Feldwegen fahren muss. Es geht auf angenehnmen Nebenstrassen bis nach Palacios, wo es mich wieder auf die Autobahn weist. Die 57 Kilometer bis nach Jerez de la Frontera vergehen wie im Flug. Aber nun kommt lange keine Tankstelle. Als eine ausgeschildert ist, folge ich den Schildern, muss aber mehrere Kilometer weit fahren, bis ich die Tankstelle von Las Pachecas erreiche. Hier tanke ich auf und fahre gleich wieder auf die Autobahn. Ein heftiger Sturm tobt. Er bläst mein leichtes Töffli immer wieder weg, schüttelt es kräftig und ich muss es mit enorm viel Kraft halten. Ich fahre ganz schräg, gegen den Wind gelehnt. Jedesmal, wenn ich überholt werde, macht es einen Schwenker. Bei der Ausfahrt Medina verlasse ich die Autobahn. Ich komme wieder in Vejer vorbei. Immer stärker muss ich mich gegen den Wind stemmen. Der Sturm ist böig und kommt einmal von links und einmal von rechts. Es ist fast nicht mehr zu machen. Von Zeit zu Zeit muss ich anhalten, um Kräfte zu sammeln. Doch dann muss ich das Töffli festhalten, sonst würde es sofort umgeblasen. In Tarifa angekommen, tobt der Sturm immer noch. Erst tanke ich nochmals auf und fette die Kette – im Sturm, der mir ständig die Schrauben, den Kettenschutz und das Werkzeug fortblasen will. Leider muss ich feststellen, dass meine treue Fahrbrille im Sturmwind zerbrochen ist. In der Mercadona hole ich mir einen schnellen Burger, etwas anderes könnte man in diesem Sturm nicht essen, ohne dass es weggeblasen würde. Dann fahre ich zu meinem Hostel, wo ich – es ist erst 13:30 Uhr – einchecken kann. Ich laufe gleich wieder los und erkundige mich im Hafen, ob die morgige Fähre überhaupt fahren wird. Doch, doch sie fahre, wird mir versichert, was nicht besonders zuversichtlich klingt, denn heute sind alle Fähren wegen Sturms ausgefallen. Danach besuche ich das Castello Guzman el Bueno. Der Eintritt zum Pensioniertentarif ist hier spottbillig! Drinnen ist gewissermassen ein Ortsmuseum untergebracht. Danach erkunde ich das sehr kleine und übersichtliche Stadtzentrum. In kurzer Zeit habe ich alle Strassen abgelaufen. Noch immer tobt der Sturm. Zu erwähnen sind das im arabischen Stil gebaute Alte Gericht (1927), der bemalte Turm, das Tor von Jerez, der Arco San Julian (1835), die Bibliothek, der Parque Santa Maria, das Castillo Santa Catalina (allerdings aus dem 20. Jhdt) und der Damm zur Isla de las Palomas, welcher dermassen sturmumtobt ist, dass ich bei jeder Böe fast umgeblasen werde. Hier treffen sich das Mittelmeer und der atlantische Ozean. Ich laufe noch in die Neustadt, da ich nicht bis 11 Uhr nachts mit dem Abendessen warten will, finde aber nichts, schliesslich finde ich einen Dönerladen, der bereits auf hat. Der Ischias plagt mich nun sehr heftig, so dass ich möglichst rasch in mein Zimmer gelangen will. Dort muss ich erstmals den ganzen Sand, den der Sturm mir angeblasen hat, wegduschen.