18.06.2026 Fes-Meknes

Ich schlafe bis sieben Uhr, dann lese ich bis kurz vor neun Uhr, da ich nicht zu früh in Meknes ankommen will. Für die Aufenthaltstaxe lasse ich 50 Dirhams im Hostel. Den Parkplatzwächter bezahle ich nicht, denn seit dem Abend, als ich den Scooter abgestellt habe, ist er spurlos verschwunden. Ich fahre los und mit maximal 60 km/h Richtung Meknes. Am Wegrand hat es Citroën Berlingos mit einer Kaffeemaschine hintendrin. Bei einem von denen halte ich und kriege für nur sieben Dirham einen guten Kaffee. Um elf Uhr komme ich in Meknes an. Mein Riad ist aussergewöhnlich gut gelegen, gleich hinter dem Bab Berdaine, so dass ich vom Parkplatz gar nicht weit tragen muss. Das Riad ist der pure Gegensatz zu meiner Schrott-Bleibe von heute morgen, geräumig, mit grossem Wohnbereich, einer schönen Dachterrasse und grosszügigem Zimmer. Ich checke ein und laufe in die Stadt. Der Souk ist viel kleiner als in Fes. In die Moscheen darf man, wie in Fes, nicht hinein. Ich besuche das Musée de Meknes, ein sehr kleines, verstaubtes verlottertes Museum, allerdings mit einer ganzen Vitrine Judaica, inklusive einer nicht mehr ganz koscheren Thorarolle und einem silbernen Behälter für eine kleine Thorarolle. Auch einen Krug mit dem Magen David hat es. Die ausgestellten Berberteppiche sind in einem jämmerlichen Zustand. Schade, dass man nicht in die grosse Moschee hinein kann, das Innere sieht vielversprechend aus. Es gibt auch hier aussergewöhnliche Kunsthandwerker, einer davon klopft Silberdraht auf stählerne Truhen, andere schnitzen kunstvolle Türen und Gitter. Interessant ist die „Rupfmaschine“ für Hühner. Sie funktioniert wie eine Kartoffelschälmaschine und ist äusserst effizient. Es gibt unendlich viel Zuckerzeug zum Kaufen, und eine Sektion des Marktes ist für Gewürze bestimmt. Ein Metzger zerlegt mit viel Erfahrung einen Kuhkopf, jeder andere hätte sich übel geschnitten dabei. In einem Geschäft für Lampen und Teppiche darf ich trotz fehlender Kaufabsicht hinein und ein paar Fotos machen. Ich laufe nochmals zum Bab Mansour, das jetzt von der Sonne beschienen wird. Eine Samoosa, die ich hier kaufe, schmeckt nach nichts. In den Gassen feiern die Kinder den Beginn des islamischen Jahres mit Umzügen, Trommeln und einer Art Kamel aus Karton. Zum Abendessen ein Sandwich mit Mercouda, einer Art Falafel aus Kartoffelstock. Wegen Ischias zurück ins Riad.