Ich stehe spät auf; es gibt nicht wahnsinnig viel zu erkunden in Rabat. Nach dem Morgenessen setze ich mich in ein Café und geniesse einen Kaffee. Dann laufe ich zum nahegelegenen Bab El Had, dann eine ziemlich lange Strecke zum Bab Lehmamza. Welche Enttäuschung, es ist eingerüstet und mit einem Sichtschutz versehen, wegen Renovationsarbeiten. So laufe ich in die Neustadt hinein, die hier zum Teil auch innerhalb der Stadtmauern ist. Ich gelange zum supermodernen Bahnhof, dann zum streng bewachten Parlament und zur Post mit ihrem riesigen Zifferblatt auf der Fassade. Ich laufe innerhalb der Stadtmauer bis zum höchsten Punkt, wo die Al-Shouhada-Moschee steht, dann hinunter zum Laalou-Friedhof, wo, weil heute Freitag ist, die Leute die Gräber ihrer Angehörigen besuchen und die Blumen giessen, weshalb alle grosse Wasserkanister mit sich tragen. Es ist ein reger Betrieb, so falle ich nicht weiter auf und kann sogar ein paar Fotos machen. Die Gräber sind sehr eng gesetzt, man muss über andere Gräber steigen, wenn der Angehörige nicht direkt an einem der wenigen Wege liegt und ein neues Grab wurde sogar mitten in den Weg gesetzt. An einem Ort wird gerade ein Begräbnis abgeschlossen. Nun laufe ich der Küste entlang zum Borj El Kebir, der früher Fort Rottembourg und dann Fort Hervé geheissen hat. Es wurde Ende 19. Jhdt erbaut. Drinnen ist das Musée National de la Photographie, es zeigt Drucke von Fotografien zeitgenössischer Fotografen, einige davon mit KI erstellt und auch etwas befremdlich. Ich laufe zurück, am Leuchtturm (Phare) vorbei und gelange zur Mole, auf der man recht weit laufen kann, bis wegen irgendwelcher unterlassenen Unterhaltsarbeiten eine Absperrung kommt. Nun muss ich wieder den Berg hinauf zum weissen Stadtteil von Rabat, Oudayas. Beim Bab Oudayas hat es eine Ausstellung der Malerin Laila Benhalima, Woman with a Dream. Ich besuche diese und laufe dann durch die weissen Häuser mit den Touristenläden zum Belvedere, von wo aus man eine schöne Aussicht hat. Direkt darunter hat es eine Terrasse mit Kanonen. Ich besuche noch den andalusischen Garten, der wirklich sehr schön ist, mit seinem prallen Grün, dann verlasse ich Oudayas. Ich gehe in das Restaurant von gestern und esse einen fantastischen Couscous, denn heute ist ja Freitag. Dann ziehe ich mich ins Hostel zurück und lese, während im Fernsehen der Koran gelesen wird, in zwei hier aufliegenden Büchern, nämlich Victoria Tchikarnieeva, Bye-bye Vichniovka! und Ryszard Kapuscinski, Meine Reisen mit Herodot. Das letztere ist faszinierend und ich hoffe, dass ich in der Schweiz das Buch auftreiben und fertiglesen kann. Dem Brasilianer Dan zeige ich noch das gute Restaurant und auch er kriegt einen schönen Couscous. Um vier Uhr laufe ich wieder los, entlang der Stadtmauer zur Place 16 Novembre, dem Hassan-Turm und dann zum Mausoleum von Mohammed V. Dieses ist von weissgekleideten Soldaten bewacht, das Portal sogar von berittenen Soldaten. Ich laufe durch das Botschaftsviertel, von wo aus man das supermoderne Theatre Royal und den 250 Meter hohen Mohammed VI-Tower, offenbar eines der höchsten Gebäude Afrikas, gut sehen kann. Bei der britischen Botschaft wundere ich mich über die massiven Barrieren, die vor den Toren angebracht sind. Nicht einmal ein Panzer könnte diese überwinden. Schliesslich laufe ich zurück zum Hostel, wo Dan gerade am Abreisen ist, er hat eine bessere Unterkunft gefunden. Ihm ist es hier auch zu eng.























