06.07.2026 Ourense-Vigo-Santiago de Compostela

Ich dödle noch ein wenig herum und fahre dann ab. Leider weist mich das Navi wieder schnurstracks auf die Autobahn, obwohl ich diese abgewählt habe. Ich nehme die erste Abfahrt, moglich mich bis zum Stadtrand durch, greife in meinen Hosensack und merke, dass ich immer noch den Schlüssel vom Locker drin habe. So muss ich nochmals zurück zum Hostel und den Schlüssel dort deponieren. 17 Kilometer und eine halbe Stunde für nichts versaut. Ich fahre wieder an den Stadtrand und entgegen aller Navi-Routen auf der Landstrasse Richtung Vigo, einfach den Schildern nach. Die Fahrt ist schön, dem Flusstal des Miño entlang. In O Porriño tanke ich nach und halte bei einem grossen Eroski-Markt, wo ich mein Mittagessen kaufe, aber nur verstaue. Ich fahre weiter nach Vigo. Aber das Zentrum hat wahnsinnig viel Verkehr, nirgends kann ich das Töffli gut abstellen, so dass ich gleich weiterfahren muss. Ausgangs Vigo komme ich durch dichten Nebel, doch dahinter ist es wieder klar. Mit etwas Umwegen – auf das Navi ist ja keinerlei Verlass mehr – komme ich nach Pontevedra, wo mich das Navi auf irrwitzigen Wegen im Zickzack durch den Stossverkehr hetzt. Auf der Praza de Barcelos kann ich endlich mal anhalten und mein Mittagessen verzehren – Vollkornbrot und Fuet. Von hier aus ist Santiago de Compostela ausgeschildert und ich folge den Schildern, was viel zuverlässiger ist als das autobahnsüchtige Navi. Um 15 Uhr komme ich in der Albergue Sixto’s in Santiago de Compostela an. Das Hostel macht einen ausgezeichneten Eindruck. Ich checke ein und laufe sofort wieder in die Stadt. Dort komme ich erst zum Franziskanerkloster und dann zur Kathedrale San Francisco. Der Besuch der Kathedrale ist immer noch kostenlos. Ich laufe hinten an der Santiago-Figur vorbei, wie alle Pilger, fasse ihn sogar an die Schulter, damit es nicht auffällt, dass ich kein Pilger bin. Das enorme Weihrauchfass ist jetzt im Museum, sie habe ein etwas kleineres aufgehängt. Nun löse ich noch ein Ticket für das Museum und den Portico de la Gloria. Alles ist neu gemacht. Der Portico de la Gloria wurde 2018 fertig renoviert und zeigt rund um den Cristo Redentor eine Vielzahl von Engeln, zum Teil mit Musikinstrumenten. Interessant sind auch die vielen wertvollen Votivgaben, welche die Kathedrale erhalten hat. Von den hunderten von Gobelins sind nur eine Auswahl ausgestellt. Es fällt auf, dass die Qualität der flämischen Gobelins viel besser als diejenige der lokal hergestellten ist. Nicht zu vergessen das Panteon Real mit seinem geschnitzten Reliquienaltar, sowie die reich geschmückten Bibliothek und Kapitularsaal. Auf dem Rückweg laufe ich durch den etwas vernachlässigten Parque de Santo Domingo de Bonaval.