Ich fühle mich schon beim Aufstehen recht krank. Die Grippe hat richtig heftig zugeschlagen, doch ich muss weiter. Ich lese noch etwas, in V.S. Naipaul’s „A Bend in the River“, das in Kisangani spielt. Kurz vor 10 Uhr mache ich mich bereit und fahre ab. Ich rechne mit fünf Stunden bis Santander. Vorerst fahre ich gemächlich und geniesse die Landschaft, obwohl finster ist, fast wie in der Nacht und alles von Wolken bedeckt. Manchmal ein paar Tropfen Regen. Oefters sieht man Hausruinen am Wegerand, auch von neueren Gebäuden. Immer wieder geht es über Flüsse, die ins Meer fliessen. Am Mittag bin ich in Ribadesella, wo ich im Supermarkt eine Fertigmahlzeit und etwas zum Trinken kaufe. Ich fahre ins Stadtzentrum und gerade als ich den Töff parkiere, kommt ein junger Polizist auf einem Roller und fragt mich, aus welchem Land ich sei. Wir geraten ins Plaudern und er meint, er würde auch gerne so reisen. Ich verabschiede mich und laufe ans Ufer des Sella, wo ich mein Mittagessen verzehre. Beim ehemaligen Benediktinerkloster San Antolin de Bedon (13. Jhdt) halte ich, doch der Zugang ist versperrt. Stets geht es bergauf und bergab. Schliesslich muss ich mich doch noch sputen, um noch zu einer irgendwie vertretbaren Zeit in Santander anzukommen. Mit einer Stunde Verspätung komme ich dort an, checke im Hostel Villa Miguela ein und laufe gleich wieder ins Stadtzentrum. Dieses ist recht nah gelegen. Ich besuche: Plaza de Velarde, die Kathedrale mit Krypta und Kreuzgang (sie wurde am 03.11.1893 stark beschädigt, als das Dampfschiff «Cabo Machichaco» explodierte), das Postgebäude, die Jardines de Pereda (mit Teich und Karussell), das supermoderne Centro Botin (Museum für moderne Kunst), das Ayuntamiento (Rathaus), Mercado de la Esperanza, die Iglesia de la Anunciacion, den Mercado del Este, der kleine Palacete del Embarcadero, unweit davon steht ein alter Hafenkran, die Fuente de los Meones, das prunkvolle Gebäude der Banco Santander sowie die eigenartige und verspielte Karmeliterkirche. Ich habe wenig Appetit und esse nur ein Brötchen mit Ziegenkäse zum Znacht. Es geht mir nicht gut, aber der Husten ist fast weg. In Frankreich habe ich für das Wochenende zwei Nächte auf dem Land gebucht, um mich von der Grippe zu erholen.


























