Ich esse mein Frühstück, räume das Zimmer auf und fahre recht früh ab. Es geht zu den Sources de Moncaut in der Nähe von Losse. Als ich von der Teerstrasse abbiege, muss ich viele Kilometer auf einem rauhen Waldweg fahren. Danach kommt ein Kilometer auf einer Piste aus feinem, weissen Sand, fast nicht zu machen. Das Hinterrad will nach links und rechts ausbrechen, ständig muss ich das Töffli mit den Füssen wieder geradestossen, damit es nicht umkippt. Nach dieser obermühsamen Strecke komme ich zum Parkplatz. Die Quellen sind überhaupt keine Sensation, es sind kleine Quellen mitten im Wald, denen eben wundersame Kräfte nachgesagt werden. Was mich viel mehr wundert ist, dass auf diesem weichen Sand überhaupt Bäume wachsen können. Es donnert, als ich den Scooter wieder starte. Der Rückweg ist noch mühsamer als der Hinweg. Jetzt fängt es auch noch zu regnen an. Ich komme ziemlich erschöpft wieder auf dem Waldweg an. Immerhin, es geht nicht allzu lange, dann kommt wieder eine schmale Teerstrasse. Ein Stück ist unbegreiflicherweise als Einbahnstrasse markiert. Da weit und breit kein Mensch ist, fahre ich trotzdem durch, ich will ja nur noch aus diesem Chaos herauskommen. Nach nur zwei Kilometer komme ich wieder auf eine richtige Strasse. Ich fahre weiter Richtung Bordeaux. Jedem Dorf gilt eine 30 km/h Limite, was die Fahrt sehr zeitaufwendig und Googles Zeitberechnung hinfällig macht. Ich komme durch Cadillac und mache ein Foto. Die Stadt ist teilweise noch von einer Stadtmauer umgeben. In Le Pied du Château fahre ich kurz zur Burg hinauf, doch sie ist in privater Hand und für die Oeffentlichkeit nicht offen. Seit Anbeginn hat es getröpfelt, doch unterdessen regnet es heftig, ich muss das Regenzeug anziehen. In Bordeaux finde ich meine Unterkunft, das Meininger Gare de Saint-Jean sofort. Ich kann mein Gepäck dort lassen. Mit dem kleinen Rucksack gehe ich erst essen, dann laufe ich Richtung Stadtzentrum. Das Kulturzentrum MECA ist heute geschlossen, aber ich darf aufs Dach hinauf und die Aussicht geniessen. Ich laufe unter den Gleisen durch, am ehemaligen Hotel Descas vorbei und besuche die Basilique Saint-Michel. Die gotische Decke weist Wasserflecken auf, das Dach dürfte undicht sein. Der kleine Rucksack ist allerdings unterdessen so schwer, dass ich völlig schweissgebadet bin. So kehre ich um und kurz vor 15 Uhr bin ich wieder beim Hostel und checke ein. Nun brauche ich sofort eine Dusche, dann gehe ich nochmals ins Stadtzentrum: Kirche Notre Dame d’Aquitaine, Porte de Cailhau, Place Bir-Hakeim, Le Miroir d’Eau, Place de la Bourse, Place Gambetta, Cathédrale Saint-André, Galerie Grands Hommes, Oper, Tour Pey-Berland, Fort du Hâ (wo im zweiten Weltkrieg die Juden vor ihrer Deportation gesammelt wurden). Das Tribunal Judiciaire sieht eigenartig aus, die Gerichtssäle sind wie Raumkapseln aus Holz ausgebildet. Ich darf in einen hinein, als die Verhandlung fast fertig ist. Der Angeklagte sitzt in einem Glaskasten, neben ihm ein Polizist. Es hat einen Schlitz im Glas, durch das ihm das von der Richterin soeben fertiggestellte Urteil gereicht wird. Es macht jetzt schon klar, dass er kein Geld hat, um die Gerichtskosten und die Genugtuung zu bezahlen, offenbar ging es um ein Gewaltdelikt. Es geht weiter zum Tour Pey-Berland (der alleinstehende Kirchturm der Kathedrale, trotz der zwei Türme neben dem Eingang), der Place de la Victoire. Ueber die Gare Saint-Jean kehre ich zu meiner Unterkunft zurück.
























