19.08.2026 Dover-Calais-Lille

Schon vor halb sechs Uhr morgens bin ich wach, der Regen, der an die Scheibe trommelt, hat mich geweckt. Ich esse mein Frühstück, mache mich bereit und fahre zum Hafen. Gerade rechtzeitig, denn ich muss nicht lange warten, bis ich zusammen mit vier anderen Motorrädern in die Fähre der Irish Ferries einfahren kann. Zum Glück, denn nun bin ich im Trockenen. Die Ueberfahrt ist ruhig und wir kommen sehr pünktlich an. Ich fahre als einer der ersten aus der Fähre hinaus, doch es regnet bereits. Ich peile einen E. Leclerc an, doch dieser entpuppt sich nur als Auslieferungslager für Internetbestellungen. Gleich daneben hat es einen kleinen Carrefour. Er hat leider kein Motorenöl, doch ich kaufe mir ein Sandwich als Trostpflaster. Im immer stärkeren Regen fahre ich weiter. Glücklicherweise komme ich an einem riesigen Auchan vorbei. Dort halte ich und finde auch das Motorenöl, zu einem Viertel des Preises an der Tankstelle. Da es dort ein Flunch-Restaurant hat, esse ich gleich zu Mittag – nur das Fleisch muss man zahlen, man kann soviel Gemüse nehmen, wie man will. Nach diesem Unterbruch muss ich zurück in den unterdessen strömenden Regen. Ich muss das komplette Regenzeug anziehen und weiterfahren. Ganz langsam, denn die Strasse ist schlüpfrig, weil es lange nicht geregnet hat und sich jetzt ein Film aus Staub gebildet hat. Es geht durch Belgien, bei Ypern vorbei. Ich habe kein Auge für Sehenswürdigkeiten und kann auch nicht fotografieren, ich versuche nur, zu ignorieren, dass das Regenzeug an allen Stellen Wasser einlässt, so dass ich ganz nass werde. Ich merke, dass etwas mit dem Auspuff nicht mehr stimmt, manchmal ist der Töff viel zu laut. Um drei Uhr komme ich pudelnass in Lille im Hostel an, kann jedoch nicht einchecken, weil sie strikte erst ab vier Uhr einchecken. Aus meinem Gepäck läuft überall Wasser hinaus, meine Kleider tropfen, alles ist pflotschnass. Um vier Uhr kann ich einchecken. Danach gehe ich etwas fürs Nachtessen einkaufen. Beim Töff ist die Auspuffschelle am Zylinderkopf abgefallen, die Stehbolzen verloren. Die Schraubenlöcher lote ich mit einem Kabelbinder aus, dann gehe ich in ein Eisenwarengeschäft und kaufe die teuresten Schrauben meines Lebens – neun Euro für ein Säcklein mit M8x40 Schrauben. Mit diesen kann ich die Auspuffschelle wieder anschrauben. Das Nachtessen in der lausigen Küche des Hostels – sie möchten halten vor Allem die teuren Gerichte ihres Restaurants verkaufen – ist ebenso lausig. Immerhin fange ich an, wieder trocken zu werden.